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Kläranlage in Empfing: »kostenintensiv – aber unverzichtbar«

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Durch das 206 Kilometer lange Kanalnetz gelangen jährlich etwa 2,9 Millionen Kubikmeter Wasser in die Traunsteiner Anlage. Neben dem gereinigten Abwasser bleiben davon jährlich etwa 3500 Tonnen Klärschlamm übrig. Unser Bild zeigt die Lagerhalle, in der getrockneter Schlamm bis zum Abtransport gelagert wird.

Traunstein – Vor allem ältere Mitbürger nutzen jedes Jahr die Bürgerversammlung am Nachmittag, um sich über das Geschehen in der Stadt zu informieren. Auch diesmal nahmen viele Bürger die Gelegenheit wahr, sodass der Saal im Hofbräuhaus-Bräustüberl voll besetzt war.


In seinem halbstündigen Streifzug durch das Stadtgeschehen ging Oberbürgermeister Christian Kegel unter anderem auf eine städtische Einrichtung ein, über die nicht so oft gesprochen und geschrieben wird: auf das städtische Kanalnetz und die Kläranlage in Empfing. Als »sehr kostenintensiv, aber unverzichtbar« bezeichnete er diese Infrastruktureinrichtung. In Empfing werden nicht nur die Abwässer aus der Stadt, sondern auch die aus den Nachbargemeinden Siegsdorf, Surberg und Vachendorf sowie aus Neukirchen gereinigt.

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Abwasserreinigung auf dem neuesten Stand

Errichtet wurde die Kläranlage 1963 und in den 1970/80er Jahren erweitert. Immer wieder wurde und wird sie auf den neuesten Stand der Abwassertechnik gebracht. Gereinigt wird hier das Abwasser von 33 000 Menschen sowie der Industrie- und Gewerbebetriebe im Einzugsbereich, was nochmals einer Menge entspricht, wie sie etwa 60 000 Menschen produzieren würden.

Im vergangenen Jahr wurde der Gasbehälter im Klärwerk saniert und eine Mauer errichtet, die besser vor Hochwasser schützen soll. Heuer soll unter anderem der Faulturm saniert werden. Kegel bezeichnete Kanalsystem und Kläranlage als eine der wichtigsten Einrichtungen der Stadt. Durch das 206 Kilometer lange Kanalnetz gelangen jährlich etwa 2,9 Millionen Kubikmeter Wasser in die Anlage.

Neben dem gereinigten Abwasser bleiben davon jährlich etwa 3500 Tonnen Klärschlamm übrig. Am morgigen Donnerstag wird der Traunsteiner Stadtrat darüber entscheiden, wer dieses Restprodukt der Abwasserreinigung in diesem Jahr abtransportiert und verwertet.

In der Bürgerversammlung ging der Oberbürgermeister auch auf viele weitere Aspekte der Stadtpolitik ein; vor allem auch auf die finanzielle Situation Traunsteins. Wie mehrfach berichtet, wird die Stadt nach vielen Jahren des Schuldenabbaus heuer erstmals wieder ihre Verschuldung erhöhen müssen, um alle geplanten Maßnahmen finanzieren zu können.

In der Diskussion waren zwei zentrale Themen: die unbefriedigende Situation für Radfahrer im Stadtbereich und neue Bestattungsformen im Traunsteiner Waldfriedhof. Klaus Schludi aus Höpperding kritisierte die schlechte Fahrradinfrastruktur in der Stadt. Markierungen auf den Straßen, die Bereiche für Radfahrer ausweisen, seien zum Teil so stark abgenutzt und verwittert, dass sich Autofahrer fragen, ob sie überhaupt noch gültig sind.

Bei der Neuanlage von Straßen und Wegen würden die Belange der Radfahrer nur schlecht berücksichtigt. So sei zum Beispiel der Radweg vor der neuen AOK an der Wasserburger Straße meist von geparkten Autos verstellt. Bei der Gärtnerei Fegg-Dobiasch sei ein Schilderladen entstanden, dessen Schalter nur einen Meter vom Radweg entfernt sei. Generell könne man beobachten, dass Radwege bevorzugt als Parkplätze missbraucht werden.

Schludi regte an, im Amtsblatt immer wieder auf diesen Missstand hinzuweisen und aufzuklären – so wie man es zum Beispiel hinsichtlich des Verhaltens von Autofahrern an Bushaltestellen gemacht hat.

Oberbürgermeister Christian Kegel nahm die Anregung gerne auf und versprach, im Amtsblatt zu berichten. Er räumte ein, dass man das Radlsystem in der Stadt verbessern müsste und sprach von einem »unbefriedigenden Zustand«. Er wies aber auch darauf hin, dass für viele Straßen im Stadtbereich andere Baulastträger wie der Landkreis bzw. das Staatliche Bauamt zuständig seien – auch was die Radwege entlang dieser Straßen betrifft.

Bezüglich des Schilderladens sagte Bernhard Glaßl vom Baurechtsamt der Stadt, man habe dessen Aufstellung rechtlich nicht verhindern können, sei mit der Situation aber auch nicht glücklich.

Das Thema Friedwald wurde schon in der Bürgerversammlung im November angesprochen und wurde auch diesmal erörtert. »Wir werden keinen bekommen«, sagte der Leiter des Amts für öffentliche Ordnung bei der Stadt, Manfred Bulka. Der Grund sei, dass man sich eine solche zusätzliche Bestattungsform einfach nicht leisten könne. Zu befürchten wäre dann nämlich, dass noch mehr Grabstellen nicht belegt werden. Die Fixkosten für Unterhalt und Pflege des Waldfriedhofs von rund 350 000 Euro im Jahr blieben gleich; die Einnahmen würden aber noch weiter sinken.

Das Thema Baumbestattungen sei dagegen aktuell und man wolle die Situation im Frühjahr prüfen. Eine Entscheidung sei aber in jedem Fall dem Stadtrat vorbehalten, betonte Bulka.

Drei Anfragen stellte Ernst Holl. Das Vereinshaus stehe zum Verkauf. Das wäre eine Chance für die Stadt, einen großen Saal zu erwerben. Den Lindlbrunnen sollte man im Frühjahr als Osterbrunnen dekorieren und im Stadtzentrum sollte man mehr Fahrradparkplätze anlegen.

Vereinshaus wird kein weiterer Veranstaltungssaal?

Die Antwort des Oberbürgermeisters war eindeutig: Ein Erwerb des Vereinshauses kommt nicht in Frage (außerdem ist es offenbar schon verkauft, war am Rande der Bürgerversammlung zu erfahren); beim Osterbrunnen müsse eine Privatinitiative gegründet werden, weil die Stadtgärtnerei diese zusätzliche Aufgabe nicht bewältigen könne. Einer weiteren Anregung Holls, im Gewerbepark Kaserne eine öffentliche Toilettenanlage einzurichten, erteilte das Stadtoberhaupt aus Kostengründen ebenfalls eine klare Absage. -K.O.-