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Kirche als Brücke zwischen Alpen und Karpaten

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Erzbischof Dr. Serafim Joanta (Mitte) trug sich ins Goldene Buch der Stadt ein. Unser Bild zeigt ihn mit dem zweiten Traunreuter Bürgermeister Hans-Peter Dangschat (links) und Weihbischof Dr. Sofian Brasovenul. (Foto: Mix)

Traunreut – »Ein Ereignis von epochaler Bedeutung« nannte der rumänisch-orthodoxe Erzbischof Dr. Serafim Joanta den Bau einer traditionellen Holzkirche in Traunreut, für die jetzt im Rahmen einer feierlichen Zeremonie der Grundstein gelegt wurde. Die rumänisch-orthodoxe Gemeinde erfüllt sich mit dieser Kirche den lang gehegten Traum vom eigenen Gotteshaus.


Zum zehnjährigen Bestehen der Gemeinde 2018 soll es fertig sein. Der Bau der Holzkirche kostet rund 170 000 Euro, die die Pfarrei allein durch Spenden aufbringen muss. Sobald die Pläne genehmigt sind, soll der Bau beginnen, »so Gott will noch in diesem Jahr«, betonte Pfarrer Constantin Reinhold Bartok.

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Acht Jahre alte Gemeinde mit mehr als 1000 Gläubigen

Seit acht Jahren gibt es in Traunreut eine rumänisch-orthodoxe Gemeinde, deren Mitglieder über die Stadtgrenzen hinaus in der Region wohnen und die mehr als 1000 Gläubige umfasst. Bisher sind sie Gast in der evangelischen Pauluskirche, bekommen aber nun eine eigene Kirche mit Platz für 150 Personen. Nach dem Festgottesdienst in der Pauluskirche, der von Erzbischof Dr. Serafim Joanta, Weihbischof Dr. Sofian Brasovenul und zahlreichen weiteren Geistlichen zelebriert wurde, zog die rumänisch-orthodoxe Gemeinde mit ihren Gästen zum Walchenfeld. Dort hat die Stadt ein Grundstück für die neue Kirche in Erbpacht zur Verfügung gestellt.

Angeführt wurde der Festzug von der Blaskapelle Traunwalchen, die Ehrengäste saßen in einer Kutsche und zahlreiche Mitglieder der Gemeinde in ihren farbigen Trachten bereicherten den Zug.

Die Holzkirche ist nach den Worten des Erzbischofs Dr. Serafim Joanta in Bayern und in Rumänien seit vielen Jahrhunderten beheimatet. In den Alpen wie in den Karpaten habe es sie früher häufig gegeben. Sie wurde aber im Laufe der Zeit immer mehr von massiven steinernen Gotteshäusern verdrängt: »Diese großen Kirchen sind aber kalt, und mit ihnen ist auch der Glaube bei den Menschen erkaltet.«

Für den Metropoliten ist der Bau einer so traditionellen Kirche in Traunreut jedoch keine Rückwende in die Vergangenheit, sondern vielmehr eine Öffnung der Glaubensgemeinschaften in die Zukunft, ein »Ausdruck des Respekts für die Natur und das Schöne darin« und ein »Samenkorn für die christliche Einheit«. Die Stadt Traunreut als Gastgeber habe sich für die Menschen aus Rumänien geöffnet – Bayern werde immer mehr zur zweiten Heimat der orthodoxen Christen.

Heute gibt man Kirchen eher auf als Neue zu bauen

Auch der evangelische Pfarrer Wolfram Hoffmann aus Trostberg und Traunreuts katholischer Pfarrer Thomas Tauchert nahmen an der Feier zur Grundsteinlegung teil. Hoffmann erinnerte daran, dass auch die evangelischen Christen in Bayern eine Minderheit darstellten, die aber sehr gut aufgenommen wurde. Es sei ihm eine besondere Freude, an der Grundsteinlegung teilzunehmen, da man in der heutigen Zeit eher Kirchen aufgebe als neue zu bauen. Tauchert lobte die sehr gut funktionierende Ökumene in Traunreut und erinnerte daran, dass Gott in jedem Menschen ist, »aber wir brauchen auch einen Ort zum gemeinsamen Feiern und Beten«.

Landrat Siegfried Walch zeigte sich stolz darauf, dass im Landkreis Traunstein so eine engagierte und aktive rumänisch-orthodoxe Gemeinde ist, und erfreute sich an dem »bayrisch-rumänischen Fest« sowie der Verbundenheit beider Völker, die in Traunreut und der ganzen Region deutlich werde. »Durch den Bau dieser neuen Kirche wird klar, dass sie hier nicht mehr nur Gäste sind, empfinden sie es als ihre Heimat«, betonte er. Der zweite Bürgermeister der Stadt Traunreut, Hans-Peter Dangschat, nannte die rumänisch-orthodoxe Gemeinde einen »sehr aktiven und wertvollen Bestandteil der Kommune, die einen großen Beitrag zum Miteinander in der Bevölkerung leistet«. Zur neuen Kirche meinte er: »Wo passte die besser hin als in die Stadt Traunreut, die so vielen Menschen aus ganz Europa Heimat ist.«

Für Pfarrer Constantin Reinhold Bartok von der rumänisch-orthodoxen Gemeinde Traunreut ist die neue Kirche »eine Brücke von den Alpen zu den Karpaten« und soll für alle Menschen offen sein, die guten Willens sind und in ihr Kraft tanken möchten.

Den Heiligen Drei Hierarchen gewidmet

Gewidmet ist die Holzkirche den Heiligen Drei Hierarchen sowie Andrei Saguna, einem orthodoxen Metropoliten von Siebenbürgen aus dem 19. Jahrhundert, und der Heiligen Irmgard von Chiemsee als regionaler Patronin. Bei der Grundsteinlegung wurde eine Zeitkapsel im Boden versenkt, in der sich eine Urkunde befindet. Darin sind alle Beteiligten der Feier aufgeführt.

Mit vielen Gebeten und traditionellen Gesängen ging die feierliche Zeremonie vonstatten und es wurde Gottes Segen für die Kirche und alle Menschen darin erbeten. Im Anschluss gab es ein Festessen im katholischen Pfarrsaal, bei dem der rumänische Trachtenverein »Datina« Darbietungen zeigte. mix