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Kirchanschöringer lassen Primiz zu großem Fest für alle werden

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Viele Geistliche zelebrierten zusammen mit dem Neupriester den Primizgottesdienst (von links): Monsignore Alois Holzer, Pfarrer Ludwig Westermaier, Priesterseminarist Oliver Schön, Primiziant Michael Brüderl, Gemeindereferent Uwe Kraus, Primizprediger Prälat Herbert Jung und Mitprimiziant Björn Schulz, zuletzt in Traunstein tätig. (Fotos: H. Eder)
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Eine schier unübersehbare Menge an Ministranten begleitete den Neupriester Michael Brüderl beim Kirchen- und Festzug.
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Der Kirchanschöringer Kirchenchor, unterstützt von einigen Bläsern und dirigiert von Hans Breinbauer, gestaltete den Gottesdienst musikalisch mit.

Kirchanschöring. Wenn ein Fest nur alle 44 Jahre stattfindet, soll man es richtig feiern. Das haben sich die Kirchanschöringer wohl gedacht und daher ihre Primiz richtig zelebriert. Weit über tausend Menschen nahmen am Primizgottesdienst von Michael Brüderl im Achenpark teil, ein langer Kirchen- und ein langer Festzug formierten sich, die Wege und Häuser waren geschmückt – ein rundum gelungener Tag, für den sich der Primiziant dann am Schluss vor dem feierlichen Primizsegen auch umfassend bedankte.


Von der Hans-Straßer-Halle, wo sich Ministranten und Geistliche, Verwandte und Gäste aufstellten, ging es in einem langen Zug zum Dorf, die beiden Zugteile musikalisch angeführt von den Musikkapellen Kirchanschöring und Fridolfing. Die politische Prominenz und einige Geistliche, darunter der frühere Pfarrer Christoph Kronast, durften in Kutschen mitfahren.

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Den Glauben in der Gesellschaft stärken

Der stellvertretende Landrat Andreas Danzer würdigte den Primizianten, dass er die Berufung angenommen habe. Dass dies für Kirchanschöring ein besonderes Ereignis sei, das bewiesen die vielen Menschen, die gekommen seien, um den Primizsegen zu erbitten. Da heute viele Menschen den Glauben verloren und sich von Gott abgewandt hätten, sei es eine wichtige Aufgabe eines Priesters, den Glauben in der Gesellschaft zu stärken; denn er gebe Halt und Kraft. »Tragen sie die Botschaft nach Kirchanschöring und in den Landkreis«, appellierte er an Brüderl. Und an die Menschen appellierte er, Brüderl auf seinem Weg als Priester zu unterstützen.

Bürgermeister Hans-Jörg Birner sagte, wie stolz alle auf den Primizianten seien, zeige der Schmuck des Dorfes und der Zusammenhalt der Menschen, die sich für die Primiz viel Arbeit gemacht haben. So sei mit dem schönen Ambiente im Achenpark und dem herrlichen Wetter ein Rahmen geschaffen worden, der passender nicht sein könnte. Dass Brüderl zum priesterlichen Amt berufen sei, habe man schon in jungen Jahren gemerkt. Auch wenn diese Entscheidung möglicherweise bei Altersgenossen mit Befremden aufgenommen worden sei, auch wenn heutzutage Spaß als oberstes Ziel gelte und alle Werte relativiert würden, so werde letztlich doch jeder eines Tages wieder auf die Frage nach den wirklichen Werten zurückgeworfen. Und hier liege die Aufgabe eines Priesters, den Menschen Trost und Halt zu geben. Dies sei kein Acht-Stunden-Job, sondern eher eine Tätigkeit rund um die Uhr. Dafür wünschte Birner ihm viel Kraft und immer auch Menschen, die ihn unterstützen.

Primizprediger Prälat Herbert Jung stellte Jesu Auftrag in den Mittelpunkt: »Tut, wozu ich euch beauftrage.« Dies beinhalte für einen Priester die Aufgabe, auf die Menschen in der Pfarrei einzugehen, Kranke und Sterbende zu begleiten, Jesu Liebe zu verkünden, den Menschen Zeit zu schenken und so ihre Finsternis hell zu machen. Man werde als Priester auch auf Ablehnung stoßen – und damit auch Jesu Schicksal teilen. Die Frage, wer Christ ist, zeige sich am klarsten in der Gemeinschaft in der Kommunion, auch wenn heutzutage nur 10 bis 20 Prozent der Katholiken in die Kirche gehen.

Aufgabe eines Priesters sei es, Diener in Liebe und aus Liebe zu sein und Christus in den Herzen der Menschen lebendig werden zu lassen. Allerdings würden auch Zeiten kommen, wo man das Gefühl habe, zerrieben zu werden. In solchen Situationen sei einem Priester die Erfahrung des Apostels Paulus zu wünschen, der davon spricht, dass man im Eifer am Dienst nicht erlahmen dürfe. Ein weiterer Wunsch für den Primizianten war eine Gemeinde, die erkenne, dass sie ihr Pfarrer zu Christus führt, und die deshalb gern den Weg mitgehe.

Eine ganze Reihe von Menschen war an der Gestaltung des Gottesdienstes beteiligt. Die Lesungen wurden vorgetragen, Elisabeth Gröbner sang Zwischentexte, die Fürbitten wurden gelesen, Ministranten überbrachten bei der Gabenbereitung die Hostien. Für die Musik war der Kirchenchor unter Leitung von Hans Breinbauer zuständig, instrumental unterstützt von einigen Bläsern. Auch die Musikkapelle Kirchanschöring trug zum Gottesdienst einige Stücke bei. Am Rande des Gottesdienstes waren fleißige Rotkreuz-Helfer unterwegs, um den Leuten Wasser anzubieten, brannte doch die Sonne recht unbarmherzig hernieder.

Am Ende der Messfeier würdigte Primiziant Michael Brüderl eine ganze Reihe von Menschen, die ihn auf seinem Weg begleitet haben: unter vielen anderen die Pfarrer Kronast und Westermaier und nicht zuletzt auch die »stillen Beter«, die er auch weiterhin um Unterstützung bitte. Er freue sich, dass so viele gekommen seien, den Segen Gottes abzuholen. Danach spendete er mit seinem Neupriesterkollegen Björn Schulz, der zuletzt in Traunstein tätig war, den feierlichen Primizsegen, ehe der Gottesdienst ausklang.

Feier wird keinesfalls vom Ordinariat bezahlt

Dann zogen alle wieder zurück zur Hans-Straßer-Halle, wo für 1500 Menschen Essen angerichtet war und danach auch noch einige Darbietungen folgten. Konrad Grundner war es in dem Zusammenhang noch aufgetragen worden darauf hinzuweisen, dass die Primizfeier keineswegs vom Ordinariat gezahlt werde, sondern vom Primizianten und der Pfarrei. he