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Kindertagesstätte soll auf dem Bolzplatz entstehen

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Der für viel Geld sanierte Bolzplatz im Nordwesten von Traunreut soll für den Bau einer neuen Kindertagesstätte aufgegeben werden. Laut einer Studie besitzt eine Kindertagesstätte in diesem Gebiet höchste Priorität, zumal es dort viele Kinder gibt. (Foto: Rasch)

Traunreut – Der Hauptausschuss hat sich in seiner Sitzung gegen die Stimme von Gretl Gineiger (Grüne) darauf verständigt, ein städtisches Grundstück im Nordwesten von Traunreut, auf dem sich derzeit ein Bolzplatz befindet, für den Bau einer Kindertagesstätte ins Auge zu fassen. Die Tagesstätte Nordwest soll als Haus für Kinder konzipiert werden mit 75 Plätzen für Kinder zwischen drei und sechs Jahren, sowie 24 Plätzen für unter Dreijährige Kinder. Bauherr wäre die Stadt Traunreut. Der beschlossene Neubau einer weiteren Kindertagesstätte im Bereich der Grundschule Nord soll erst nach dem Schulhausneubau der Grundschule Nord verwirklicht werden.


Aus Sicht der Stadtverwaltung hätte der Standort mehrere Vorteile: Das betreffende Grundstück befindet sich im Besitz der Stadt und könnte kurzfristig bebaut werden. Gleichzeitig könnten die angrenzenden städtischen Flächen für einen dringend benötigten Wohnungsbau in Betracht gezogen werden und als Gesamtmaßnahme über eine Bauleitplanung in das Kindertagesstätten-Projekt mit einfließen.

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Ein weiterer Aspekt, der für den Standort spricht, fußt auf einer gutachterlichen Feststellung. Die Firma Demosplan hat eine Kindertagesstätten-Bedarfsanalyse erstellt. Diese wurde von Dr. Herbert Tekles in der Sitzung vorgestellt. Er empfiehlt den Standort, zumal in diesem Gebiet bislang noch keine Kindertagesplätze vorhanden sind.

»Wir haben lange für Bolzplatz gekämpft«

Gineiger stimmte deshalb dagegen, weil der Standort zu Lasten des Bolzplatzes gehen würde. Sie verteidigte den Standpunkt vehement. »Das geht gar nicht. Wo sollen dann die Kinder mit 10, 12 und 14 Jahren hin?« Man habe für den Bolzplatz lange genug gekämpft und nicht zuletzt 20 000 Euro in eine Sanierung gesteckt. Unterstützt in ihren Aussagen wurde sie von Ernst Ziegler (SPD), der den Standort zwar als vernünftig und geeignet bezeichnete, aber gleichzeitig beantragte, dass in dem Gebiet ein Ausweichplatz für den Bolzplatz gefunden werde. Dieser Antrag wurde letztendlich auch einstimmig mitgetragen.

Nach Ansicht von Bürgermeister Klaus Ritter sollte der Bolzplatz kein K.O.-Kriterium sein. »Es gibt keine andere Fläche«, wurde auch von Seiten der Geschäftsführung mehrfach betont. »Wir haben dort keine Tagesstätte und 100 Kinder«, verteidigte Ritter den Standort. Auch der Vorschlag von Hans Peter Dangschat (CSU), was gegen einen Standort am Sankt-Georgs-Platz sprechen würde, wurde nicht weiter verfolgt.

Die Vertreter der Freien Wähler, Matthias Baueregger und Ernst Biermaier, sprachen sich für den anvisierten Standort aus. Der Standort sei optimal, sagte Biermaier. Eine Kindertagesstätte sollte seiner Meinung nach nicht in der Prärie liegen. Für Baueregger war entscheidend, dass es für den Bau einen Zuschuss gibt, auf den nicht verzichtet werden sollte. Nach Angaben der Stadtverwaltung werde für Betreuungsplätze unter Dreijähriger Kinder ein staatlicher Sonderzuschuss in Höhe von 9800 Euro pro Betreuungsplatz gewährt. Die Investitionen müssten aber bis Ende 2017 abgeschlossen sein, zumal nicht absehbar sei, ob dieser Sonderzuschuss verlängert werde. Die Anregung von Johannes Danner (Bürgerliste), das Gebiet auch aus verkehrstechnischer Sicht städteplanerisch aufzuwerten, wurde insofern reglementiert, zumal anlässlich des Kindertagesprojekts ohnehin geprüft werden soll, ob dort auch eine Wohnbebauung stattfinden könnte.

Dieser Vorschlag der Verwaltung wurde einstimmig mitgetragen. Ebenso der weitere Beschlussvorschlag, die Kindertagesstätte an der Grundschule Nord gleichzeitig mit dem Neubau der Grundschule Nord zu planen. Die Umsetzung der Kindertagesstätte, die ebenfalls als Haus für Kinder mit maximal 100 Plätzen konzipiert werden soll, soll aber erst nach Abschluss des Schulhausbaus erfolgen.

Sollte der Stadtrat in seiner Sitzung am Donnerstag nächster Woche um 16 Uhr die Empfehlungen des Hauptausschusses mittragen, könnte der zeitliche Ablauf wie folgt ausschauen: 2016 könnte die Planung für die Tagesstätte Nordwest auf den Weg gebracht werden, wobei diese soweit möglich, durch das Stadtbauamt erfolgen sollte. Gebaut werden könnte dann 2017. Über die Kosten wurden noch keine konkreten Angaben gemacht. Die Planung für den Neubau der Grundschule Nord mit Kindertagestätte könnte 2016/2017 erfolgen; 2020 könnte die neue Grundschule dann in Betrieb genommen werden und 2021 die Kindertagesstätte.

»Es ist sehr, sehr sicher«

Dr. Herbert Tekles teilte mit, dass von den Eltern kein Wechsel von der Krippe zum Kindergarten gewünscht werde. Deshalb böte sich sowohl im Nordwesten als auch im Nordosten ein sogenanntes Haus für Kinder an, in dem die Kinder die Krippe und anschließend den Kindergarten besuchen könnten. In der Konsequenz der beiden Empfehlungen würden auch die vorhandenen Kapazitäten im Gebiet der Kernstadt Südost sukzessive reduziert werden. So könnte der Betrieb der wieder eingeführten fünften Gruppe im städtischen Kindergarten an der Wichern-Straße eingestellt werden. Auf Nachfrage von Dr. Michael Elsen (CSU), wie sicher die Zahlen der Studie seien, sagte Tekles: »Es ist sehr, sehr sicher, dass es auch vor dem Hintergrund der bislang noch ungewissen Zahlen der Flüchtlinge, einen steigenden Bedarf an Kindertagesstätten-Plätzen geben wird.« Die Zahlen, die unter anderem auf demografische Daten und einer Elternbefragung basieren, könnten auch noch darüber hinaus gehen.

Auf Anfrage von Johannes Danner, ob die Studie auch Zahlen von Auswärtigen enthalte, die in Traunreut arbeiten und ihre Kinder in die städtischen Einrichtungen bringen, erklärte Tekles: »Das hält sich die Waage, weil Eltern, die beispielsweise in Traunstein arbeiten, auch ihre Kinder mitnehmen und dort in eine Tagesstätte bringen.« ga