weather-image
34°

»Kinder gehören in die Hände der Eltern«

0.0
0.0
Bildtext einblenden
Moderator Christian Reiter (rechts) im Gespräch mit den Landtagskandidaten Michaela Kaniber und Markus Fröschl. (Foto: Eder)

Waging am See. Markus Fröschl würde, wenn er Ministerpräsident wäre, zuallererst dem Landesamt für Denkmalpflege »de Wadl viare richtn«, Michaela Kaniber würde, wenn sie das höchste Staatsamt inne hätte, dreierlei tun: mittelständische Unternehmen fördern, steuerliche Vorteile und Erleichterungen für Familien schaffen und das Sozialgesetzbuch überarbeiten. Noch aber ist es nicht so weit: Die beiden CSU-Protagonisten sind erst mal »nur« Kandidaten für den Landtag – Kaniber als Direktkandidatin im Berchtesgadener Land, Fröschl als Listenkandidat in Traunstein. Dank der Moderation von Christian Reiter war der Bürgerstammtisch der Waginger CSU mit den beiden Kandidaten im Kurhaus im Großen und Ganzen eine lockere, unterhaltsame Sache.


Bildung nannte Kaniber als ihren großen Schwerpunkt. Und dabei bezeichnete sie sich als »absolute Gegnerin des wahnsinnigen Ausbaus von Krippenplätzen«: »Kinder gehören in die Hände der Eltern.« Sicherlich habe man auch in der CSU erkannt, dass sich die Gesellschaft gewandelt habe; aber dennoch könne es nicht sein, dass manche Mütter ihre Kinder abgeben, um am Vormittag frei zu haben.

Anzeige

Fröschls vorrangiges Interesse gilt den Finanzen und der Landwirtschaft. Seine Forderung: Die Subventionen, die die Bauern bekommen, sollten so verteilt werden, dass die Arbeit des Bauern überall gleich gefördert werde. Das heißt: Die Subventionen sollten nicht nach Fläche, sondern nach Arbeitszeiten verteilt werden. »In der Landwirtschaft kriegt der am meisten, der die größten Flächen nachweisen kann.« Für diese Einschätzung bekam er Lob sogar von der Agraropposition: Leonhard Strasser, Sprecher des Agrarbündnisses Traunstein/Berchtesgadener Land, stimmte ihm da aus vollem Herzen zu, wobei er noch anmerkte, dass er diese Position bei der CSU bisher noch nicht gehört habe. Für Heiterkeit sorgte Fröschl mit seiner Beurteilung der Qualität der Diskussionen um landwirtschaftliche Themen: »98 Prozent verstehen was von Landwirtschaft, und zwei Prozent sind Bauern.«

Was Fröschl richtig aufregt, ist die seiner Meinung nach völlig ungerechte Mittelverteilung im Rahmen des Länderfinanzausgleichs: »Da geht mir die Faust auf in der Hosentasche.« Und dann gab es schließlich noch ein kleines Stück Kritik an der Bundespolitik: »Ein Zeichen konservativer Politik ist es, die Dinge zu Ende zu denken. Das ist aber bei der Wehrpflicht und bei der Energiewende nicht passiert.«

In der Diskussion nach den Ausführungen der Kandidaten gab es eine breite Themenpalette, die von der Wasserqualität des Waginger Sees über den Landesentwicklungsplan bis zur Bildung reichte. Der Grundschullehrer Hans Steinmaßl aus Petting appellierte für eine längere gemeinsame Schulzeit und sprach den hohen Druck an, dem die Kinder bereits im Grundschulalter ausgesetzt seien. Michaela Kaniber schränkte zwar ein, die frühere Regelung, erst nach der sechsten Klasse in die Realschule zu gehen, sei »nicht so verkehrt« gewesen. Und es sei auch nicht optimal, dass der Notenschnitt für den Übertritt noch gesenkt worden sei, ebenso wenig wie die Tatsache, dass der Elternwille über den Noten stehe. Andererseits aber machte die Landtagskandidatin die Eltern für den Druck verantwortlich, nicht das Bildungssystem: »Es sind nur die Eltern, die Druck machen.« Dem wurde allgemein zugestimmt, und Moderator Reiter fasste es in folgendem Ausspruch zusammen: »Man müsste Elternführerscheine einführen, und dann würden ganz viele dabei durchfallen.«

Unterschiedliche Positionen gab es in Sachen Landesentwicklungsplan, insbesondere was die Ansiedlung großflächiger Handelszentren angeht. Lydia Wembacher, Vorsitzende des Vereins Waging bewegt, sprach die noch intakte Handelssituation in Waging an – ein »Kleinod« – und forderte, um dies auch in Zukunft erhalten zu können, mehr Unterstützung von oben. Bisher könne man von der Regierung her nur Signale für ganz große Flächen erkennen. Hier ist Michaela Kaniber etwas anderer Meinung: »Die Region kann von solchen Großprojekten profitieren«, meinte sie und nannte als ein Beispiel den »Globus« in Freilassing. Den Österreichern mit ihrem gewaltigen Handelsflächen sprach sie sogar ein Lob aus: »Die haben es schneller geschafft.« In dem Punkt gab es keine Übereinstimmung im Raum, aber Markus Fröschl appellierte an die Verantwortung der Kommunen: »Entschieden wird das schließlich von den Gemeinden vor Ort.« he