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Kenntnisse nicht eintrichtern, sondern herausholen

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Beim Jubiläumsgottesdienst in der Haslacher Pfarrkirche führten die Kindergartenkinder das Spiel »Die 4 Schmetterlinge« auf. (Foto: Buthke)

Traunstein – Mit einem Gottesdienst in der Haslacher Pfarrkirche feierte der Kindergarten Haslach sein 40-jähriges Bestehen. Kaplan Andreas Lederer bezeichnete die Kirche als die »Mama« des Kindergartens, denn sie sei das Zentrum der Pfarrei, von der aus sich die verschiedenen Aufgabengebiete der Pfarrei verteilten. Dazu gehöre auch der Kindergarten in Oberhaid.


Mit dem Spiel »Die 4 Schmetterlinge«, einer Geschichte, die von enger Freundschaft handelt, lockerten die Kindergartenkinder den Gottesdienst auf. Nach dem Gottesdienst stellten sich Kinder und Eltern zu einem Festzug zum Kindergarten auf, wo das Jubiläum bei Kaffee und Kuchen weiter gefeiert wurde.

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Kirchenpflegerin Lotte Namberger erklärte, der deutsche Name Kindergarten habe sich weltweit durchgesetzt. »Er-funden« habe ihn der Pädagoge Friedrich Fröbel, der am Gründungstag des ersten deutschen Kindergartens vor 170 Jahren erklärt habe, wie er sich die Einrichtung vorstelle: Unter dem Schutz Gottes sollen die edelsten Geschöpfe, unsere Kinder, als Glieder der Menschheit in Übereinstimmung mit Gott und der Natur erzogen werden.

Das beste Spielzeug ist ein anderes Kind

Dabei sollten den Kindern keine Kenntnisse eingetrichtert, sondern das herausgeholt werden, was an guten Anlagen in ihnen schlummert. Dies kann nur durch Spielen und Singen gelingen. Seine Ansprache schloss er mit den Worten: Das beste Spielzeug eines Kindes ist ein anderes Kind. Es bedarf nur einfacher Dinge: Würfel, Bausteine und Reifen. Die von Fröbel entwickelten Spiel- und Lernmaterialien seien auch heute noch anerkannt, betonte Namberger.

Spiel- und Lernmaterialien hätten vor 40 Jahren im Haslacher Kindergarten gefehlt, sagte sie. Die Pfarrei habe einen wunderschönen Neubau gehabt, aber leer, ohne Spielgeräte und Spielzeug. Dafür sollte die Pfarrei sorgen. Darum habe die Pfarrei ein zweitägiges Fest veranstaltet, an dem sich fast jedes Pfarrmitglied und die Ortsvereine in irgendeiner Art beteiligt hätten. »Wer nicht helfen konnte, der spendete«, so die Kirchenpflegerin.

Im Zelt hätten die Blaskapellen Jung Otting und Vachendorf gespielt. Schirmherr sei Bürgermeister Sebastian Rosenegger gewesen. Am Schluss habe man Pfarrer Joseph Schenk 10 000 Mark zum Kauf von Spielzeug übergeben können.

Zum 40. Jubiläum hatte auch sie etwas mitgebracht: Die Genehmigung zur Innenrenovierung des Kindergartens. »Ob wir die Maßnahme im Sommer 2016 oder erst 2017 verwirklichen werden, muss erst noch geklärt werden«, meinte sie. Nachdem es sich um eine größere Maßnahme von über 200 000 Euro handle, sei ein mehrstufiges, über eine längere Zeitspanne dauerndes Antragsverfahren notwendig gewesen. Sie dankte im voraus der Stadt Traunstein, die sich mit 50 Prozent an der Baumaßnahme beteiligen wird.

Ordinariat wollte keine Festbauweise

Als vor 40 Jahren das Ordinariat sehr viel für die Kindergärten getan habe, habe auch Haslach die Chance erhalten, sagte der langjährige Kirchenpfleger Franz Ober senior. Damals seien die Grundlagen geschaffen worden. Pfarrer Schenk habe viel getan. Bürgermeister Franz-Xaver Steber habe angepackt. Alle hätten einen festen Bau gewollt. Die Diskussion sei daher vielfältig gewesen. Die Festbauweise sei 1974 vom Ordinariat aber abgelehnt worden. Pfarrei und Gemeinde hätten unbedingt ein Gebäude in herkömmlicher Festbauweise gewollt, aber das erzbischöfliche Ordinariat als Geldgeber habe auf den vermeintlich günstigeren Bau in Fertigbauweise bestanden.

»Anfang der 70er Jahre war es nicht selbstverständlich, dass Familien ihre Kinder in den Kindergarten geschickt haben«, stellte Ober fest. Die besondere Atmosphäre des Haslacher Kindergartens sei stets von der Bodenständigkeit, Beständigkeit und persönlichen Verbundenheit des Personals geprägt gewesen.

Die Kindergartengebühren seien immer ein Thema gewesen. Heute sei der Kindergarten im Umbruch, weil die Eltern ganz andere Ansprüche an ihn stellten. Man rede darüber, was der Kindergarten für die Kinder tun solle, aber wenn man darüber rede, was das kosten solle, dann werde es schwierig.

»Ich bin der festen Überzeugung, dass eine gute Kinderbetreuung und Angebote zur frühzeitigen Förderung für alle Kinder zu den wichtigsten Zukunftsaufgaben einer Stadt gehören«, sagte die Referentin für Kindertagesstätten und städtische Schulen in der Stadt Traunstein, Christa Fuchs. Deshalb sei die Zusammenarbeit zwischen Kommune, Kirche und freien Trägern bei der Kinderbetreuung so wichtig. »Die Stadt Traunstein wäre ohne die kirchlichen und freien Kinderbetreuungseinrichtungen kurz- und mittelfristig nicht in der Lage, ein ausreichendes und qualitativ hochwertiges Platzangebot sicherzustellen«, unterstrich Fuchs.

In Traunstein sei in Zusammenarbeit mit den kirchlichen und freien Trägern gewährleistet, dass die Nachfrage an Krippen- und Kindergartenplätzen komplett abgedeckt werden könne, obwohl diese seit Jahren kontinuierlich ansteige. »Ohne kirchliche Einrichtungen wie den Kindergarten Haslach wäre eine Versorgungsquote von 100 Prozent nicht möglich«, erklärte Fuchs.

Derzeit werden 730 Kinder in 15 Einrichtungen betreut

In der Stadt würden derzeit 730 Kinder in 15 Einrichtungen betreut. Vor 40 Jahren seien es vier Kindergärten mit 300 Kindern gewesen. Die Stadt Traunstein übernehme zu 100 Prozent die jährlichen Defizite. Im vergangenen Jahr seien dies 2,8 Millionen Euro gewesen. »Eine Gemeinde kann ihr Geld nicht besser anlegen, als es in Kinder zu investieren«, sagte sie und übergab Kindergartenleiterin Gabi Wimmer ein persönliches Geschenk für sie und eines für den Kindergarten. Auch von den Ortsvereinen bekam der Kindergarten ein Geschenk. »Die Zusammenarbeit mit den Ortsvereinen, das macht Haslach aus«, betonte Wimmer. Sie sei stolz, hier arbeiten zu dürfen. Bjr