weather-image

Keine Ramschware, sondern Mittel zum Leben

0.0
0.0

Es müsse sich jeder Verbraucher selbst fragen, welche Lebensmittelqualität er bei einer, in Großmärkten angebotenen, Lasagne für 1,99 Euro für zwei Personen erhalte. Das betonte Rudolf Riedler, Obermeister der Metzger-Innung Traunstein-Berchtesgadener Land, im Rahmen der Jahreshauptversammlung der Innung.


»Lebensmittel sind keine Ramschware, sondern Mittel zum Leben«, so Riedler. Der Pferdefleischskandal habe die Wertschätzung für regional hergestellte Fleisch- und Wurstwaren erhöht. »Immer wenn wir einen Lebensmittelskandal zu beklagen haben, haben wir Metzger einen verstärkten Zulauf der Verbraucher zu verzeichnen«, sagte der Obermeister, beklagte aber gleichzeitig: »Das ist leider nicht nachhaltig, das hält meist nicht lange.« Zum Ärger über die Lebensmittelskandale mischte sich die Zuversicht, dass der Verbraucher dem Metzgereibetrieb »um die Ecke« verstärkt Vertrauen entgegen bringe. Die Regionalität, die die Metzgereien verkörperten, sei »in«.

Anzeige

Sorgen um den Nachwuchs machen

Riedler kritisierte die Ausweitungen der Größe von Einzelhandelsflächen von 800 auf 1200 Quadratmeter, wie dies im Landesentwicklungsplan vorgesehen sei. Am Beispiel von Großansiedlungen in Freilassing sagte er, so werde »das Sterben des Stadt- und Dorfkernlebens beschleunigt.« Negativen Auswirkungen für die kleineren Betriebe müsse dann teuer wieder mit Maßnahmen wie einem Citymanager entgegengewirkt werden.

In der jüngsten Zwischenprüfung habe man sechs Metzger und neun Verkäuferinnen geprüft. »Das zeigt, dass wir uns mehr um die Nachwuchswerbung kümmern müssen.« Man wolle sich auch an örtlichen Berufsinformationstagen engagieren. »Der Metzger muss sein Berufsbild präsentieren«, so Riedler.

Fritz Adler von der Staatlichen Berufsschule Traunstein I schilderte das Problem, dass man im zweiten Lehrjahr keine Metzgerklasse habe. Die Auszubildenden müssten dann in Rosenheim und Altötting beschult werden, wobei Altötting ähnliche Probleme wie Traunstein habe. Metzgereiverkäuferinnen würden weiter mit Bäckereiverkäuferinnen beschult. »Die kommende 10. Klasse ist die entscheidende«, so Adler. »Es wird nicht an den zur Verfügung gestellten Stellen scheitern, sondern wenn dann an den Bewerbern.«

Man müsse 12 Metzger und 6 Verkäuferinnen oder die umgekehrte Zusammensetzung erreichen, um im Herbst eine neue Klasse bilden zu können. »Wenn uns jetzt die Luft ausgeht, wird die Regierung von Oberbayern das im Rahmen der Bildung von Kompetenzzentren nutzen und die Ausbildungsstandorte schließen«, machte Adler deutlich. In der Oberpfalz gebe es beispielsweise nur mehr drei Standorte. Gleichzeitig würden damit in der Folge die Ausbildungszahlen weiter zurückgehen. Kreishandwerksmeister Peter Eicher regte an, zu prüfen, ob der Berufsschulstandort Salzburg aufgrund seiner Nähe zumindest für Auszubildende aus dem Berchtesgadener Land eine Alternative sein könnte.

Die Jahresrechnung 2012 und der Haushaltsplan 2013 wurden von Gerhard Wittenzellner, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Traunstein-Berchtesgadener Land, vorgelegt. Die noch gesunden Finanzverhältnisse der Innung wurden nach einem positiven Votum der Rechnungsprüfer ohne Gegenstimme verabschiedet und die Rechnungsprüfer Maria Wimmer aus Trostberg und Raimund Hölzl aus der Schönau in ihren Ämtern bestätigt. Deutliche Beitragserhöhungen des Fleischerverbandes Bayern kommen allerdings auf die Innungen zu. Dies könne mittelfristig zu einer Beitragserhöhung für die Innungsmitglieder führen, da die Innung diese Erhöhungen weitergeben müsse.

Truna allenfalls als Imagewerbung ansehen

Diskussionen gab es auch um die Beteiligung an der Gewerbeschau Truna. Man könne hier die Kosten nicht mehr verdienen, was auch zum Teil mit etwas späteren Öffnungszeiten zusammen hänge, wie Kreishandwerksmeister Eicher einbrachte. »Wegen einem finanziellen Gewinn brauchen wir das nicht machen. Wir können das nur als Imagemaßnahme für unser Handwerk sehen.« Auch die Innung Rosenheim sei finanziell bei ähnlichen Veranstaltungen nicht auf ihre Kosten gekommen.

Dass der Tierschutz hohe Priorität bei der Schlachtung hat, machte dann Dr. Fritz Gruber vom Veterinäramt im Landratsamt Berchtesgaden deutlich. Die neue Tierschutzschlachtverordnung, die seit Anfang des Jahres in Kraft ist, verstärke diesen Trend. Mit der Sensibilisierung beim Thema Tierbetäubung traf er auf offene Ohren, da einzelne Metzgermeister, die selbst schlachten, deutlich machten, dass sie stets auf eine verordnungskonforme Betäubung Wert legen. Wenig Verständnis zeigte der Veterinär dafür, dass die nationalen Verordnungen den EU-Verordnungen an Strenge »noch eins drauf setzen« würden. »Wir sind im Tierschutz weltweit vorne dran«, betonte er mit Verweis auf einige Bilder besonders aus Asien.

Den »Hygienepranger« habe man zweimal für zwei Betriebe im Landkreis Berchtesgadener Land in Abstimmung mit Landrat Georg Grabner in Anspruch genommen. »Aber für keine Metzger, die kommen hier eh nicht in Frage«, lobte er die Anwesenden.