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Keine Mehrheit für Feuerwehrhaus in Oderberg

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Nach intensiver Suche nach einem Standort für den Neubau eines Feuerwehrhauses der Freiwilligen Feuerwehr Traunwalchen ist man im neuen Gewerbegebiet Oderberg auf ein städtisches Grundstück gestoßen. In der Sitzung des Bauausschusses wurde der Standort an der Georg-Simon-Ohm-Straße jedoch aus unterschiedlichen Gründen abgelehnt. Die endgültige Entscheidung liegt aber beim Stadtrat, der am Donnerstag nächster Woche tagt. (Foto: Gabi Rasch)

Traunreut. Das gut gehütete Geheimnis des möglichen Standortes für ein neues Feuerwehrhaus der Freiwilligen Feuerwehr Traunwalchen (wir berichteten) wurde in der Sitzung des Bauausschusses zwar gelüftet. Eine endgültige Entscheidung, ob das Feuerwehrhaus, in dem auch die Schützengilde Traunwalchen untergebracht werden soll, im Gewerbegebiet Oderberg letztendlich gebaut wird, wurde noch nicht getroffen. Für die Ausschussmitglieder spielten mehrere Faktoren eine Rolle, den Standort auf dem städtischen Grundstück an der Georg-Simon-Ohm-Straße mit 7:4 Stimmen abzulehnen. Die endgültige Entscheidung muss der Stadtrat am Donnerstag nächster Woche treffen.


Gegner wollten Bauvorhaben nicht übers Knie brechen

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Während Bürgermeister Franz Parzinger und drei CSU-Stadträte dafür plädierten, Nägel mit Köpfen zu machen und sich für das städtische Grundstück im Gewerbegebiet Oderberg zu entscheiden, war die Mehrheit der Meinung, über das Projekt nochmal eine Grundsatzdebatte zu führen. Bei den Gegnern herrschte die Meinung vor, das Bauvorhaben sollte nicht übers Knie gebrochen werden. Die Debatte sollte nach den Kommunalwahlen mit dem neuen Stadtrat fortgeführt werden. »Jetzt hat es schon so lange gedauert, deshalb kommt es auf ein paar Monate auch nicht mehr an«, meinte Günther Dzial (SPD). Josef Winkler kündigte an, bis zur Stadtratssitzung einen Antrag der Bürgerliste einzureichen, die Standort-Entscheidung zu vertagen. Winkler hält ebenso wie Paul Obermaier (FW) den Standort im neuen Gewerbegebiet Oderberg für absolut ungeeignet und kritisierte, dass die Möglichkeit eines Anbaus an das Matzinger Feuerwehrhaus offenbar nicht intensiv genug untersucht worden sei. Auch Josef Siglreithmayr (CSU) vermisste eine Stellungnahme für einen möglichen Anbau an das Matzinger Feuerwehrgerätehaus.

Nach Angaben des Kommandanten der Freiwilligen Feuerwehr Traunwalchen, Günther Dorfhuber, hätten sich die beiden Wehren inständig mit der Thematik eines Anbaus befasst. Eine Einigung konnte aus unterschiedlichen Gründen nicht erzielt werden. Die Matzinger, die ihr Haus mit finanziellen Mitteln der Stadt in Eigenregie gebaut haben, seien der Ansicht, sich dadurch zu verschlechtern, räumte Dorfhuber ein. Ein großes Problem sei auch, dass es von der Hauptstraße nur eine Zufahrt zum Feuerwehrhaus gebe und zu wenig Platz für Parkplätze und dergleichen zur Verfügung stünde. Gegen das Vorhaben spreche aber vor allem, dass bei einem Hochwasser der Traun die Straße nach Matzing erfahrungsgemäß nicht mehr passierbar sei.

Dangschat: »Wir sollten es jetzt angehen«

Diesen Argumenten lehnte sich auch Hans-Peter Dangschat (CSU) in seiner Eigenschaft als Feuerwehrreferent an und plädierte für den Standort im Gewerbegebiet Oderberg. »Wir haben lange und ausgiebig darüber beraten und sollten es jetzt angehen«, betonte Dangschat. In seinen Augen decke der Standort in Oderberg nicht nur das Schutzgebiet Traunwalchen ab, sondern liege geradezu ideal, um auch die Kernstadt im Falle eines Einsatzes schnell zu erreichen. Unabhängig vom Standort regte Johann Jobst (CSU) an, bei der Maßnahme die rege Vereinstätigkeit und Jugendarbeit nicht außer Acht zu lassen. »Der Verein lebt mit der Feuerwehr und umgekehrt.« Er erinnerte auch daran, dass dieselbe Debatte, die beiden Wehren zusammenzuführen, schon vor über 25 Jahren geführt worden sei. Schon damals habe sich herauskristallisiert: Weder die Matzinger noch die Traunwalchner wollten über die Traun. Für die Matzinger Wehr wurde dann in Pertenstein ein Domizil gefunden und in Traunwalchen wurde an die Turnhalle ein neues Feuerwehrgerätehaus gebaut.

Nach Ansicht von Bernhard Seitlinger (CSU) wäre Oderberg auch der zukunftsträchtigste Standort, sollte der Fall eintreten, dass sich die drei eigenständigen Feuerwehren Pierling, Traunwalchen und Matzing auflösen und sich unabhängig von der Vereinstätigkeit als eine Wehr zusammenschließen. Dass das funktionieren kann, belegte Josef Siglreithmayr am Beispiel der Gemeinde Engelsberg: »In Engelsberg teilen sich drei Feuerwehren ein Gerätehaus.«

In eine ganz andere Richtung zielte Herbert Kusstatscher (SPD). Er brachte den Standort an der Hörzinger Kreuzung ins Gespräch, der ebenfalls geprüft worden war. Seiner Meinung nach wäre das Grundstück nördlich der Zufahrt nach Hörzing auch wegen der Nähe zur Bundesstraße 304 der beste Standort. Aus landschafts- und städtebaulicher Sicht riet Stadtbaumeister Thomas Gätzschmann jedoch davon ab.

Nur drei CSU-Kollegen standen Parzinger zur Seite

Die Versuche des Bürgermeisters, die Stadträte doch noch vom Standort in Oderberg zu überzeugen, schlugen jedoch fehl. Lediglich seine CSU-Parteikollegen Johann Jobst, Rosl Hübner und Bernhard Seitlinger schlugen sich auf seine Seite. Die Diskussion eines Neubaus, der vom Stadtrat einstimmig abgesegnet wurde – im Haushalt 2013 wurden auch bereits 50 000 Euro an Planungsmitteln eingestellt – zog sich wegen der Standortfrage hin.

Er sei selber nicht glücklich, dass sich alles so lange hingezogen habe, sagte Parzinger. »Wir haben uns große Mühe gegeben, um gemeinsam mit der Feuerwehr, der Kreisbrandinspektion und den Behörden alles nochmals abzuklären. Insgesamt seien fünf Standortalternativen konkret geprüft worden. Vor allem die Vereinbarkeit der einsatztaktischen Belange mit dem Lärmschutz und den ortsplanerischen Interessen habe sich als überaus schwierig erwiesen. Parzinger: »Intensiver kann man es nicht vorbereiten.« ga