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»Keine glückliche Stelle für ein Wohngebäude«

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Nußdorf – Am östlichen Ende der Waldhofstraße, an der Weggabelung von Kirchenweg und der Straße in Richtung Hartmann wird es keine Wohnbebauung geben. Mit deutlicher Mehrheit von 11 zu 4 Stimmen lehnte der Nußdorfer Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung die Änderung des Flächennutzungsplans für den betreffenden Bereich ab und damit auch die Grundlage für eine Wohnbebauung.


Der Tagesordnungspunkt fand großes Interesse – alle Zuhörerplätze im Sitzungssaal waren belegt, als Bürgermeister Hans Gnadl das bisher Beschlossene nochmals darstellte. Er erinnerte an die Ortsbesichtigung im Oktober, in deren Anschluss der Gemeinderat mit 9 zu 5 Stimmen beschlossen hatte, das Verfahren zur Erweiterung des Bebauungsplans »Waldhofstraße« einzuleiten und damit ein weiteres Wohngebäude im Anhang an die bestehende Bebauung möglich zu machen. Dazu hätte der, zwischen Waldhofstraße und Pfarrkirche St. Laurentius verlaufende, öffentliche Feldweg – im Volksmund als »Kirchenweg« bezeichnet – verlegt werden müssen.

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Anlieger sammelten Unterschriften

Wie in der Diskussion deutlich wurde, hat sich in den vergangenen Wochen die Meinung mehrerer Gemeinderäte geändert. Hans Stöger sagte, man dürfe die Meinung der Anlieger aus der Umgebung nicht ignorieren und sprach damit die Unterschriftenliste an, auf der sich 52 Bürger gegen eine Bebauung und gegen die Verlegung des Wegs aussprachen. Stöger sagte, er sehe mittlerweile deutlich mehr Nach- als Vorteile, die eine Bebauung an besagter Stelle mit sich bringe.

Für Franz Purzeller ist eine Bebauung dort »nicht vertretbar.« Es entstehe ein Einzelgrundstück, das aus der bestehenden Bebauung herausrage. Zudem müsse der Weg verlegt werden, was er schade und gravierend findet, so Purzeller. Auch zweiter Bürgermeister Peter Volk sprach sich gegen eine Änderung des Flächennutzungsplans aus. Damit werden Tür und Tor für eine Bebauung der Kirchenleite geöffnet, die ortsbildprägend sei und von Bebauung freizuhalten ist. Er mahnte den Flächenverbrauch an und die weitere Versiegelung unbebauter Grünfläche. Volk erinnerte auch an die Absichtserklärung des Gemeinderats, sich für verdichtete Bebauung in bestehenden Wohnsiedlungen und die Schaffung von Wohnraum in aufgelassenen Hofstellen einzusetzen. Die Bauwerber selbst hätten dies bei ihrem Gebäude in der Dorfmitte vorbildlich umgesetzt, würdigte Volk. Eine Bebauung am Kirchenweg sei jedoch das Gegenteil, eine Spornbildung in die Landschaft hinein.

Dem widersprach Bürgermeister Hans Gnadl: »Eine Gemeinde müsse sich entwickeln, auch mit der Ausweisung von Einzelgrundstücken.« Die Spornbildung sei dort schon durch die bestehende Bebauung gegeben, die vor rund 50 Jahren entstand. Auch die Argumentation der Unterschriftenaktion sei nicht richtig dargestellt. Es werde nur ein kurzes Stück des Kirchenwegs verlegt. Dadurch entstehe eine rechtwinkelige Anbindung an die Waldhofstraße beziehungsweise an die Straße nach Hartmann. Dies schaffe mehr Sicherheit, weil langsamer gefahren werde und man anhalten müsse.

»Aus den Fehlern der 1960er und 1970er Jahre lernen«

Helmut Braml meinte, aus den Fehlern der 1960er und 1970er Jahre müsse man lernen und dürfe sie nicht wieder machen. Auch Braml sprach von einer Spornbildung an markanter Stelle, die alles andere als eine Ortsabrundung wäre. Dritter Bürgermeister Gerhard Mittermaier zeigte sich enttäuscht, dass vor zirka zwei Jahren die Ortsmitte von Sondermoning verschandelt wurde, weil für eine Bebauung auf einer ortsbildprägenden Grünfläche gestimmt wurde, in Nußdorf aber aus selben Gründen eine Bebauung abgelehnt werde.

Uwe Kleinert bekannte, dass er anfänglich auch für die Einleitung des Verfahrens und damit für eine Wohnbebauung stimmte, denn die Gemeinde habe in den Kinderhort investiert und baue eine neue Schule, deshalb müsse man für Familien attraktiv sein und Wohnraum schaffen. Doch auch er habe seine Meinung geändert. Toni Wimmer lehnte die Änderung des Flächennutzungsplans ab, weil »enorm weit draußen eine Bebauung geschaffen wird – das ist keine glückliche Stelle für ein Wohngebäude.«

Durch die mehrheitliche Ablehnung einer Flächennutzungsplanänderung wurde der damit zusammenhängende Tagesordnungspunkt zur Erweiterung des Bebauungsplans Waldhofstraße nichtig. pv