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Keine genveränderte Maissorte: Da stimmten bis auf einen alle zu

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Neun Parteien auf dem Podium (von links): Manfred Dannhorn (Linke), Alfons Baumgartner (Bayernpartei), Gisela Sengl (Bündnis 90/Grüne), Dirk Reichenau (SPD), Diskussionsleiter Georg Planthaler, Markus Fröschl (CSU), Lothar Seissiger (Freie Wähler), Helmut Kauer (ödp), Manfred Dannhorn (Linke), Johannes F. R. Schmidt (Piraten) und Tobias Thalhammer (FDP). (Foto: H. Eder)

Nußdorf. Neun Politiker – neun Meinungen zum Thema Landwirtschaft? Das hätte man meinen können, angesichts der Podiumsdiskussion der neun Landtagskandidaten im Gasthaus Zenz in Sondermoning. Am Ende aber gab es eine klare Zweiteilung: Sieben Kandidaten waren für eine ökologischere Landwirtschaft als bisher, mit Sicherstellung einer artgerechten Tierhaltung und weniger Exporte in Drittländer. Zwei der Kandidaten, von CSU und FDP, waren jedoch mit dem Status quo durchaus zufrieden, betonten das Prinzip des Marktes und der Selbstbestimmung der Landwirte.


Letztere saßen nur vertretungsweise am Podium: CSU-Bezirksrat Markus Fröschl für den erkrankten Klaus Steiner und MdL Tobias Thalhammer aus Neubiberg, der den Traunsteiner FDP-Kandidaten Dr. Walter Buggisch vertrat. Die andere Seite vertraten Dirk Reichenau (SPD), Gisela Sengl (Bündnis 90/Grüne), Lothar Seissiger (Freie Wähler), Helmut Kauer (ödp), Alfons Baumgartner (Bayernpartei), Manfred Dannhorn (Linke) und Johannes F. R. Schmidt (Piraten).

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Der »ökologischen Mehrheit« am Podium sprach Bayernpartei-Kandidat Baumgartner wohl aus der Seele, als er meinte, die Menschen seien dabei, ihre eigenen Lebensgrundlagen zu zerstören und die von Drittländern gleich mit – etwa durch die Futtermittelimporte und Lebensmittelexporte. Von daher sollte man sich soweit möglich auf die eigenen Ressourcen besinnen. Und Gisela Sengl fügte an, dass die Menschheit durchaus auch von einer kleinbäuerlichen Landwirtschaft ernährt werden könnte.

»Bayerische Lebensmittel sind in der Welt gefragt«

Fröschl dagegen war es wichtig zu betonen, dass der Bauer die Freiheit haben müsse, sein Land so zu bewirtschaften, wie er wolle. Ohne den Export der »Prämiumprodukte« aus Bayern wäre die Landwirtschaft und die verarbeitenden Firmen »aufgeschmissen«. Dem schloss sich in dem Fall auch FW-Kandidat Seissiger an: Der Export, so sagte er, trage maßgeblich zu soliden Erzeugerpreisen bei; zudem seien bayerische Lebensmittel in der Tat in der ganzen Welt gefragt.

Diskussionsleiter Georg Planthaler vom Agrarbündnis Traunstein-Berchtesgadener Land, das dieses Podiumsgespräch initiiert hatte, stellte dazu fest, es seien hier in den Aussagen der Politiker doch gewisse Unterschiede zu erkennen. Er schob noch eine spontane Umfrage nach, ob die Kandidaten für oder gegen die Einführung einer neuen genveränderten Maissorte sind. Dies verneinten alle – mit Ausnahme des FDP-Kandidaten, der einschränkte: »Wenn es einen Rechtsanspruch gibt, dann ja.«

Als Instrumente zur Förderung von ökologischer Landwirtschaft und artgerechter Tierhaltung wurden von den meisten Kandidaten entsprechende Zuschüsse ins Gespräch gebracht. Baumgartner meinte zu dem Thema, man brauche gewiss keine intensivere Landwirtschaft mehr, wenn man sehe, dass fast die Hälfte der produzierten Lebensmittel weggeworfen werde.

FDP-Vertreter Thalhammer legte dagegen Wert auf die Feststellung, dass der Landwirt ein freier Unternehmer sei. Aufgabe der Politik müsse es aber sein, für einen fairen Wettbewerb zu sorgen. In den EU-Ländern müssten überall die gleichen Standards gelten. Und Fröschl stellte fest, die Bauern würden sich schon aus eigenem Interesse darum kümmern, dass ihre Tiere gut gehalten und gesund seien.

SPD-Kandidat Reichenau sprach sich für bessere Kennzeichnung von Lebensmitteln aus, die Konzerne sollten sich an den Kosten von Kontrollen beteiligen, forderte er, und die SPD sei, wie er sagte, gegen Patente auf Leben und gegen Gentechnik. Außerdem sollten die Tiertransporte aufs Notwendige reduziert werden.

»Billiges Fleisch für Menschen mit wenig Geld«

Eine längere Diskussion mit sehr unterschiedlichen Positionen gab es auf dem Podium zum Thema Massentierhaltung. Während die eine Seite sich vehement dagegen aussprach – Linken-Kandidat Dannhorn: »Massenhaltung ist da, wo man die Tiere nicht mehr beim Namen kennt« – stellte sich FDP-Mann Thalhammer auf den Standpunkt, es müsse für die Menschen mit weniger Geld auch billigeres Fleisch produziert werden. Was wiederum den Piraten-Vertreter Schmidt zu der Aussage brachte, jeder, der für Massentierhaltung sei, sollte sich solche Ställe einmal selber anschauen.

Gisela Sengl sprach die Vorbildfunktion der öffentlichen Hand und des Tourismus an. Krankenhäuser oder Altenheime sollten ihre Lebensmittel lieber in der Region als bei den großen Ketten einkaufen. Dem schloss sich Helmut Kauer an und kritisierte dabei die Vorschrift, europaweit ausschreiben zu müssen.

Als dann gegen 22 Uhr die Diskussion für die rund 60 Besucher eröffnet wurde, kritisierte der Kirchanschöringer Bürgermeister Hans-Jörg Birner den FDP-Vertreter Thalhammer, der sich immer auf die aktuellen gesetzlichen Bestimmungen berief: »Sie sind doch diejenigen, die die rechtlichen Grundlagen ändern können.«

Das Preisargument wollte BDM-Vertreter Aschauer nicht gelten lassen: »Alle könnten sich etwas höhere Preise leisten, sonst würde nicht soviel weggeworfen.« Es sei zwar richtig, dass die Politiker den Milchpreis nicht festsetzen könnten, aber sie könnten für die Bauern die Marktinstrumente so gestalten, dass sie auf Augenhöhe mit der Ernährungsindustrie und den Molkereien verhandeln können.

Gegen die FDP-Devise, jeder könne wirtschaften, wie er wollte, wandte sich AbL-Bundesvorsitzende Gertraud Gafus: »Die Folgekosten zahlen wir alle.« Auch das Thema Biogas in Verbindung mit den daraus resultierenden hohen Pachtpreisen und einer zumindest fragwürdigen Ökobilanz wurde noch angesprochen. Seissiger erwähnte in dem Zusammenhang, dass 75 Prozent der Biogasanlagen bereits in den Händen von Konzernen seien.

Diskussionsleiter Planthaler war am Schluss sehr zufrieden mit den Podiumsteilnehmern. Er sei überrascht, sagte er, wie gut und reibungslos die Diskussion verlaufen sei, trotz der vielen Kandidaten. Die Vorgehensweise war so gewesen, dass jeder Redner immer nur maximal eineinhalb Minuten Zeit hatte – und er nach Ablauf dann auch von einer Klingel gestoppt wurde.

Gegenseitige Angriffe gab es nicht. Lediglich CSU-Mann Fröschl und FDP-Vertreter hatten einige ihrer Mitstreiter zwischendurch mal kritisiert, als diese ihrer Meinung nach zu vorschnell den Bauernverband als wesentliche Ursache vielen Übels in der Landwirtschaft genannt hatten. Immerhin aber räumte Fröschl ein, dass neben Politik, Industrie, EU auch der Bauernverband seinen Teil zur aktuellen Situation beitrage. he