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Keine Festival-Filiale am See

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Übersee – Erstmals sollte es heuer während des Chiemsee-Summers eine »Open Decks«- Bühne für Nachwuchsmusiker am Strandkiosk »Inselblick« geben. Doch daraus wird nichts. Aufgrund einer langen und quer durch alle Fraktionen kontrovers, aber sachlich geführten Diskussion zog »Inselblick«-Betreiber Oliver Parker einen entsprechenden Antrag in der jüngsten Sitzung des Überseer Gemeinderats zurück.


Am Chiemseeufer startete vor 21 Jahren das erste Chiemsee-Reggae-Festival. Und hier wollten die CRP-Konzertagentur und Parker heuer ergänzend zum großen Festival in Almau an drei Tagen, vom 21. bis 23. August, vor einem kleinen Kreis von 250 bis 300 Besuchern junge Musiker präsentieren. Die Bands sollten »unplugged«, also ohne Verstärker, nachmittags von 12 bis 17 Uhr auf einer kleinen, vier mal vier Meter großen Bühne spielen.

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»Zurück zu den Wurzeln«, hatte Martin Altmann, Geschäftsführer der Agentur, im Vorfeld bereits geschwärmt. Im Einvernehmen mit der Gemeinde Übersee hatte er sich seit langem bemüht, den Ort mehr ins Festivalgeschehen einzubinden.

Doch die Reaktion im Gemeinderat war nicht so positiv, wie erhofft. Stefan Haneberg (ADfÜ) erinnerte an die ersten Jahre des Reggae-Fests im Landschaftsschutzgebiet des Seeufers mit seinen »katastrophalen Müllbergen« und fragte: »Sollen wir diese Baustelle wirklich wieder öffnen?« Auch Maria Steinert (SPD) und Margarete Winnichner (Grüne) wollten »dieses Fass nicht wieder aufmachen«.

»Der Chiemsee-Summer in Almau ist genug Musik«, meinte Alois Huber (CSU). Er befürchtete zudem an einer neuen Baustelle am See weitere Bezugsfälle.

Parker räumte ein, die Situation »nicht so dramatisch« gesehen zu haben. Er hatte eher die Vorstellung von einem »schönen, kleinen Musikevent in lockerer Atmosphäre für eine überschaubare Zahl von Besuchern« gehabt. Er gab aber auch zu bedenken, dass die Leute bei schönem Wetter in jedem Fall an den See kommen, »ob mit oder ohne Musik«.

Bürgermeister Marc Nitschke wies darauf hin, dass die Veranstaltung ohnehin nur auf Widerruf und mit strengem Auflagen grünes Licht erhalten würde. Weil ein Abbruch also jederzeit möglich wäre, plädierte er dafür, dem Betreiber eine Chance zu geben. So sahen es auch Christian Huber (ADfÜ) und Wolfgang Hofmann (BP), der wegen der neuen Baustelle am See allerdings zuvor auch Bedenken geäußert hatte.

Rupert Kink (CSU) fand es von einigen Gemeinderäten »komisch«, immer die Einbeziehung des ganzen Orts in das Festivalgeschehen gefordert zu haben, bei der Umsetzung jetzt aber dagegen zu sein. Er mahnte eine einheitliche Linie an.

Angesichts des unerwarteten Gegenwinds und weil ihm der Ortsfrieden nach eigenen Worten sehr wichtig sei, zog Oliver Parker als Ausrichter vor Ort schließlich seinen Antrag zurück. »Es geht hier nicht um mich«, meinte er.

Eine Abstimmung war somit überflüssig. Eine Brücke in die Zukunft baute am Ende Bürgermeister Nitschke. Er regte die antragsgemäße Musikveranstaltung am »Inselblick« einmal probeweise außerhalb des Chiemsee-Summers an. bvd