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Keine Annäherung der Standpunkte

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Foto: dpa

Waging am See – Soll es der Doppelpack Rewe/Rossmann sein, oder könnte Waging vielleicht auch mit Netto und dm handelseins werden? Viele Fragen auf der Infoveranstaltung der Bürgerinitiative...


Oder wie wär's mit Edeka zusammen mit ihrem neuen Drogerie-Anhängsel Budnikowski? Oder könnte man diese Firmen vielleicht noch anders kombinieren? Und wie schaut's mit den Standorten aus: Muss es die Ottinger Straße sein oder ließen sich doch auch an der Salzburger Straße oder gar an der Strandbadallee Einkaufsmärkte ansiedeln? All diese Fragen und manches mehr zogen sich als roter Faden durch die Infoveranstaltung der Bürgerinitiative (BI) gegen das Handelsprojekt Rewe/Rossmann an der Ottinger Straße das im Hotel Eichenhof stattfand.

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Dabei war keinerlei Annäherung zwischen den verschiedenen Standpunkten möglich. Walter Wimmer und seine Mitstreiter von der BI warben dafür, doch weitere Möglichkeiten zu prüfen und Rewe/Rossmann nicht als alternativlos anzusehen. Die Vertreter der Gegenseite betonten dagegen, dass ihrer Meinung nach Waging ohne neue Märkte bleiben würde, wenn Rewe-Rossmann nicht kommt; außerdem seien, wie vor allem Investor Heinz Rosenberger von der CEC Consult GmbH mit Nachdruck mehrfach hervorhob, alle anderen Möglichkeiten abgeprüft und für nicht realisierbar befunden worden.

Vor allem stellte er kategorisch fest, dass dm niemals nach Waging kommen werde: »dm hat definitiv abgesagt. Das ist Fakt«, so Rosenberger. Die BI hatte ja, wie berichtet, konkret für eine Kombination Netto/dm geworben (wir berichteten) und davon gesprochen, dass hier Gespräche im Gange seien. Rossmann-Vertreter Ralph Schulte ergänzte: »All diese Alternativen sind durchleuchtet worden, die Salzburger Straße ist ein alter Hut: zu wenig Parkplätze, zu kleine Grundstücke.«

Alle Möglichkeiten nochmals intensiv ausloten

Das will die BI so nicht stehen lassen und setzt sich dafür ein, dass weiterhin alle Möglichkeiten nochmals intensiv ausgelotet werden. Ihr sind die Flächen an der Ottinger Straße zu groß, das Gebiet zu weit vom Zentrum entfernt, was für den Ortskern negative Auswirkungen haben würde. Und die BI-Vertreter stellen Lösungen nochmals zur Diskussion, die sie für geeignet halten – aller Kritik zum Trotz.

Aussagen wie »Des geht gar nia net« wolle man nicht einfach so stehen lassen, sagte Georg Huber. Und, so Doris Waritschlager in Bezug auf die Aussagen des CIMA-Gutachtens, »der gute Zustand von Waging soll nicht gefährdet werden.« Dominik Streitwieser, der in der Salzburger Straße einen Bioladen betreibt, ist sich sicher, dass ein Handels-Standort an der Ottinger Straße Laufkundschaft vom Ortszentrum wegziehen würde.

An die Ausführungen der BI-Vertreter schloss sich eine rund eineinhalbstündige Diskussion an. Den Auftakt machte Gemeinderat Sepp Egger, dessen landwirtschaftlicher Betrieb nur gut 100 Meter von dem geplanten Geschäftszentrum an der Ottinger Straße entfernt liegt. Er befürchtet zum einen mögliche Einschränkungen für die Landwirtschaft und zum anderen, von weiteren Bauausweisungen gewissermaßen eingekreist zu werden, da viele landwirtschaftliche Nutzflächen Leuten gehörten, die nicht mehr Landwirte seien. Auch Doris Waritschlager, deren Hof ebenfalls in unmittelbarer Nachbarschaft liegt, hat Sorge, dass es Konflikte zwischen Handel und Landwirtschaft geben könnte, ganz abgesehen von dem zu erwartenden hohen Verkehrsaufkommen – bei zu erwartenden 800 bis 1000 Kunden täglich.

Salzburger Straße: Flächen zu klein, Verkehrslage prekär

Ein breites Diskussionsthema war ein möglicher Standort an der Salzburger Straße. Für die Firmenvertreter Rosenberger und auch Schulte von Rossmann sind – abgesehen von der bezweifelten Realisierungsmöglichkeit – die Flächen hier zu klein. Die »prekäre Verkehrslage« an diesem Standort sprach Gemeinderat Karl-Heinz Neumann an, auch Hans Kern gefällt dieser Platz nicht.

Sepp Sommerauer hält den Standort vor allem auch deswegen für nicht geeignet, weil hier Kindergarten und Altenheim ganz in der Nähe seien. Petra Huber dagegen fände diese Nachbarschaft ganz gut. Zum einen könnten die Mütter, wenn sie ihre Kinder in den Kindergarten bringen, hier gleich ihre Einkäufe erledigen, und zum anderen würde hier mehr Leben einkehren, was für die Bewohner des Altenheims keineswegs schlecht wäre, und diejenigen, die noch rüstig genug sind, könnten in der Nachbarschaft einkaufen.

Franz Patzelt fände den Platz auch im Sinne einer innerörtlichen Verdichtung durchaus bedenkenswert: »Das käme auch dem Zentrum zugute.« Ein anderer Kritikpunkt von Sommerauer am Standort Salzburger Straße war die Ausfahrt auf die Staatsstraße, die sehr problematisch sei: »Und ich glaube nicht an einen Kreisverkehr.« Einen solchen wünscht sich die Gemeinde schon lange an der Einmündung der Salzburger in die Staatsstraße 2105 – bisher aber ohne Erfolg. Ein Wortbeitrag aus dem Publikum verdeutlichte die Situation: Ein Verkehrsproblem gebe es an beiden Standorten.

Deutliche Kritik gab es von Gemeinderat Willi Reiter. Diese machten »in den letzten fünf Minuten« einen Riesenwirbel und verunsicherten die Bürger. Auch kritisierte er, dass für die von der BI in den Raum gestellten Geschäftsmodelle keine Firmenvertreter anwesend seien, die die Aussagen hätten bestätigen können.

Stefan Thums hielt dagegen: Es könne nicht Aufgabe der BI sein, planungsreife Konzepte aufzustellen; vielmehr sollten alle aktiven Kräfte in Waging zusammenwirken und miteinander reden – mit der Gemeinde in Vermittlerfunktion. Seinen »Respekt« für den Einsatz der BI-Vertreter sprach auch Sepp Egger aus: Man müsse ihnen für ihre Arbeit dankbar sein, meinte er, schließlich hätten »sie sich genug schimpfen lassen müssen«.

Georg Huber beschloss den Abend mit einem Aufruf, am Sonntag zur Abstimmung zu gehen; denn nun liege es an den Bürgern, die Entscheidung zu treffen. Und was die Diskussion betrifft, meinte er, dadurch werde wohl keiner seine Meinung geändert haben, aber es seien viele Argumente ausgetauscht worden: »Und beide Seiten haben gute und schlechte Argumente.« he

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