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Keine Angaben über Wohnorte von Infizierten – nach wie vor »keine Hot-Spots« im Landkreis

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Traunstein: Keine Angaben über Wohnorte von Infizierten – nach wie vor »keine Hot-Spots« im Landkreis
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Foto: Kay Nietfeld/dpa

Traunstein – Das Landratsamt in Traunstein bleibt auf seinem Kurs: Auch weiterhin will die Behörde allein die Zahl der mit dem Coronavirus Infizierten im Landkreis Tag für Tag bekannt geben, nicht aber deren Wohnorte. Auf Anfrage des Traunsteiner Tagblatts hat Michael Reithmeier, der Pressesprecher im Landratsamt, mitgeteilt, dass die Veröffentlichung von Wohnorten bei bestätigten Covid-19-Fällen »unter anderem aus Gründen des Patienten- und Persönlichkeitsschutzes nicht erfolgt«.


Reithmeier weiter: »Gerade in kleineren Gemeinden wären die Personen schnell identifizierbar – mit allen möglichen Folgen einer sozialen Stigmatisierung und Ausgrenzung.«

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Angesichts immer weiter steigender Zahlen im Landkreis ist zuletzt auch die Verunsicherung in der Bevölkerung gewachsen. Viele Bürger wollen Informationen über »Hot-Spots« bekommen und haben sich an das Landratsamt gewandt.

Einer von ihnen ist Klaus Lippstreu aus Traunstein. »Die Zahl der Corona-Infizierten im Landkreis Traunstein nimmt permanent zu«, schreibt er. »Die Steigerungswerte liegen deutlich über den prozentuellen Werten von Deutschland und Bayern.« Er kritisiert, dass das Landratsamt keine Informationen über die »lokalen oder sachbezogenen Schwerpunkte der Ausweitung im Landkreis Traunstein« verbreitet.

»Gewisses Unbehagen« macht sich breit

Das »informelle Vorgehen«, das die Behörde in Traunstein an den Tag legt, hält Lippstreu »grundsätzlich für richtig«. Denn alles andere würde womöglich »zu lokalen Exzessen, zur Verfolgung oder Ausgrenzung einzelner Personen oder Personengruppen führen«. Und damit sei niemandem gedient. Doch nicht nur für ihn persönlich, sondern vermutlich wohl auch für viele andere Bewohner des Landkreises Traunstein bleibe »ein gewisses Unbehagen in Anbetracht der Entwicklung der Infektionsfälle« übrig.

Wenn weitere Informationen vorhanden wären, dann könnte man sein Verhalten an die lokalen Gegebenheiten anpassen und Infektionsschwerpunkte meiden. Den »goldenen Mittelweg« in der Information über die Ausbreitung der Pandemie zu finden, sei zweifellos »sehr schwierig«. Die »momentane Informationsverweigerung« berge aber die Gefahr in sich, »dass vorhandene Infektionsschwerpunkte, dass sinnvolle Verhaltensregeln nicht gesehen und nicht beachtet werden«.

Ein »Mehr an Informationen«, wie Lippstreu fordert, wird es aber von Seiten des Landratsamts nicht geben. Die Behörde bleibt auf ihrem Kurs. »Wir gehen im Landkreis Traunstein äußerst verantwortungsbewusst mit jedem bestätigten Fall um und setzen dabei auf direkte und unmittelbare Information der tatsächlich betroffenen Personen«, sagt Reithmeier. Bei allen Fällen ergreife das Gesundheitsamt unverzüglich die erforderlichen Maßnahmen, um eine mögliche Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern. »Die erkrankten Personen werden sofort isoliert und erhalten medizinische Behandlung.« Zudem konzentriere sich das Gesundheitsamt darauf, möglichst schnell zu ermitteln, mit wem die erkrankten Personen in Kontakt standen. »Die ermittelten Personen werden unverzüglich direkt informiert und entsprechend großflächig isoliert.«

Michael Reithmeier sagt, dass bei einer Veröffentlichung der Wohnorte von Infizierten »soziale Stigmatisierung und Ausgrenzung« drohten. »Bei den ersten Fällen im Landkreis Traunstein ist leider genau das passiert. Und nach wie vor erreichen uns entsprechende Meldungen.«

»Es gibt nach wie vor keine 'Hot Spots'«

Unabhängig davon sei die Veröffentlichung von Wohnorten bei bestätigten Covid-19-Fällen »medizinisch-fachlich nicht relevant«. Denn das neuartige Coronavirus verbreite sich im Landkreis Traunstein gleichmäßig und flächendeckend. Reithmeier: »Es gibt nach wie vor keine 'Hot Spots'«. Alle Bürgerinnen und Bürger seien folglich dazu aufgerufen, sich und ihre Mitmenschen bestmöglich zu schützen, indem sie die allgemeinen Verhaltens- und Hygieneregeln beachten und sich an die derzeit geltenden Ausgangsbeschränkungen halten – und zwar unabhängig von ihrem Wohnort.

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