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Kein weißer Fleck auf der Landkarte

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Eine Vitrine mit Bodenfunden aus der Bronzezeit um 1800 bis 750 vor Christus. (Foto: Giesen)

Marquartstein – Noch vor wenigen Jahrzehnten waren Archäologen überzeugt, dass das Achental vor der Besiedelung durch die Bajuwaren vor dem 7. Jahrhundert nach Christus menschenleer war. Erklärt wurde das mit schlechten klimatischen Bedingungen und kiesigen, durch die Tiroler Achen oft überschwemmten Böden und der Enge des Tals. Dass sich diese Annahme heute grundlegend geändert hat, ist den Amateur-Archäologen im Achental zu verdanken, die in jahrzehntelanger mühsamer Kleinarbeit und auf weiten Wanderungen mit dem Metalldetektor viele Bodenfunde aus rund 4000 Jahren zusammengetragen haben.


Eine neue Ausstellung des Heimat- und Geschichtsverein Achental im ehemaligen Forstamt Marquartstein zeigt eine hochinteressante Auswahl von Fundstücken aus der Bronzezeit (1800 - 750 v. Chr.) über die Eisenzeit (750 - 15 v. Chr.), die Römerzeit (15 v. Chr. - 450 n. Chr.), das Mittelalter (800 -1500 n. Chr.) bis hin zur Neuzeit (1500 - 1900 n. Chr.).

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Der Vorsitzende des Heimat- und Geschichtsvereins, Dr. Hans Jürgen Grabmüller, eröffnete die Ausstellung »4000 Jahre Geschichte im Achental – Was sagen uns die Bodenfunde?«, die von Vorstandsmitglied Karin Raab organisiert worden war. Grabmüller würdigte besonders die Amateurarchäologen Emil Huber und Hartmut Rihl aus Schleching sowie Josef Bock und Emil Huber aus Marquartstein, von denen ein Großteil der Funde stammt. Grabmüller freute sich, dass der Verein inzwischen auch einige neue und jüngere Mitglieder mit besten Kenntnissen auf dem Gebiet der Archäologie gewinnen konnte. Sie wollen namentlich nicht genannt werden, aber auch sie zeigen ihre Funde.

Transportweg für Kupfer und Bronze

Die inzwischen Hunderte von Fundstücken belegen, dass das Achental schon vor mehreren 1000 Jahren als Transportweg für Kupfer und Bronze in Form von Waffen, Schmuck und Zahlungsmitteln genutzt wurde. Kupfer kam aus den prähistorischen Bergwerken in Tirol, zum Beispiel von der Kelchalm bei Kitzbühel, aus der Gegend von Brixlegg und Schwaz und aus dem Salzburger Land am Mitterberg bei Bischofshofen. Der Vorsitzende erklärte, charakteristische Häufungen von Funden auf den alten Saumwegen durch das Achental lassen sogar vermuten, dass zum Beispiel am Streichen befestigte Stützpunkte existierten, wo Bronzegegenstände gegossen und zum Weitertransport gesammelt wurden. Nicht ausgeschlossen, aber auch bisher nicht bewiesen werden könne, dass das Achental schon viel früher, in der Steinzeit, ein Durchzugstal für Jäger war, so Grabmüller. Auf der Krautinsel habe man rund 11 500 Jahre alte Steinwerkzeuge gefunden. Der fehlende Nachweis im Achental könne schlicht daran liegen, dass Metallsonden nicht auf Steinwerkzeuge reagieren.

Keine Gräberfunde

Nach wie vor ist im Achental auch noch nicht nachgewiesen, dass es in vor- und frühgeschichtlicher Zeit besiedelt war: Gräberfunde als Nachweis für Sesshaftigkeit fehlen. Heimatforscher Josef Bock habe allerdings schon vor Jahren eine Liste mit einigen Stellen erstellt, wo möglicherweise Gräber sein könnten, erinnerte Grabmüller. Bisher konnte jedoch noch niemand für eine Grabung gefunden werden.

Bei der Eröffnung sprach auch die Archäologin Andrea Krammer als Spezialistin für provinzialrömische Archäologie in der Region. An vielen Beispielen verdeutlichte sie, wie stark die Region noch von römischer Kultur geprägt ist. Das ist zum Beispiel schon in der Sprache sichtbar: das typisch bayerische Wort »Brezn« stammt von lateinisch »brachiatellum«, was Armver-schränkung heißt, »Spezi« von »amicus specialis« (spezieller Freund) und das im Bayerischen noch gebräuchliche »der Butter« komme vom lateinischen »butyrus« mit männlicher Endung (nicht »butyra«).

In der reichhaltigen, übersichtlich gestalteten Präsentation können die Besucher zum Beispiel ein großes Schwert aus der Bronzezeit bewundern, Rasier- und andere Messer, Armspiralen und Gewandnadeln aus der gleichen Zeit. Auf Skizzen wird gezeigt, wie zum Beispiel die Schmuckstücke am Gewand getragen oder die Beile mit einem Strick am Holz kunstvoll befestigt wurden. Große Infotafeln geben Aufschluss über die jeweilige Zeit der archäologischen Stücke. Neu bei der Präsentation ist, dass auch viele Funde aus der sogenannten Neuzeit zu sehen sind, die von 1500 bis 1900 nach Christus reicht. Hier werden Knöpfe, Schuh- und Gürtelschnallen oder Glocken vieler Art gezeigt.

Die Ausstellung auf dem Forstamtshügel im ehemaligen Forstamt in Marquartstein, Bahnhofstraße 2, ist bis 30. Oktober jeweils sonntags von 16 bis 19 Uhr zu besichtigen. Für Besuchergruppen können Führungen unter der Telefonnummer 08641/699371 vereinbart werden. gi

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