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Kein Spielplatz im Wohngebiet »Brandäcker«

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Mitten im Wohngebiet »Brandäcker« liegt derzeit noch das nicht bebaute Grundstück, das als Spielplatz dient. (Foto: Giesen)

Marquartstein – Mit dem Spielen wird es für die Kinder im Baugebiet »Brandäcker« vermutlich bald vorbei sein. Einen entsprechenden Beschluss fasste der Gemeinderat Marquartstein in seiner jüngsten Sitzung.


Schon im Juni diesen Jahres beschloss der Gemeinderat, den Bebauungsplan »Brandäcker« zu ändern: zwei Grundstücke des 2009 ausgewiesenen Baugebiets für junge Familien an der Freiweidacher Straße sollen vom ursprünglichen Plan mit zwei Doppelhaushälften auf ein Einzelhaus zusammengelegt werden. Grund ist, dass die Doppelhausgrundstücke nicht vermittelt werden konnten.

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Im August wurde der Änderungsbeschluss im Rathaus bekannt gemacht. Die Untere Bauaufsichtsbehörde hatte keine Einwendungen, erläuterte der Leiter des Bauamts, Erik Oberhorner, dem Gemeinderat. Mitte September erreichte die Gemeinde ein Schreiben der Anlieger des Baugebiets »Brandäcker«, die sich entschieden gegen die Änderung des Bebauungsplans aussprechen. Zehn Familien unterschrieben den Brief an die Gemeinde mit der Begründung, dass derzeit 27 Kinder in dem Wohngebiet die freien Grundstücke zum gemeinsamen Spielen nutzen. Deshalb seien dort auch zwei massive Fußballtore mit Hilfe einer Hochwasserspende speziell für die Kinder der Siedlung aufgestellt worden. Natürlich sei den Anrainern bewusst, dass die beiden Grundstücke bei berechtigtem Interesse an zwei Familien vergeben würden, die »Vehemenz jedoch, mit der die Veräußerung dieser Fläche (einschließlich Bauplanänderung) vorangetrieben« werde, sei nicht nachvollziehbar, heißt es in dem Schreiben.

Außerdem führten die Anlieger noch weitere Bedenken auf, dass nämlich der ursprüngliche Plan, mittelfristig für zwei Familien bezahlbare Grundstücke anzubieten, auf diese Weise verhindert werde. Außerdem könne die Zusammenlegung des Grundstücks wegen seiner Größe auch »einen unangemessenen, geldwerten Vorteil für einen Anrainer« bedeuten. So werde die Gleichstellung der Anrainer bei der Auswahl der Grundstücke missachtet. Familienförderung bedeute auch, Möglichkeiten für die Entwicklung der Kinder vor Ort vorzuhalten, wie zum Beispiel eine Spielfläche, heißt es in dem Brief weiter.

Erik Oberhorner setzte dem entgegen, dass ein Spielplatz für dieses Baugebiet nie vorgesehen gewesen sei. Es sei auch nicht erkennbar, dass die Familienförderung damit unterlaufen werde und den Kindern kein Spielplatz vor Ort geboten werde. Die Kinder hätten vielmehr die Möglichkeit, neben dem öffentlichen Spielplatz im Gemeindegebiet vor allem in der freien Natur zu spielen.

»Mit Vehemenz hat die Gemeinde den Verkauf des Grundstücks zu keiner Zeit betrieben«, betonte auch Bürgermeister Andreas Scheck. Die Gemeinde habe sich vielmehr acht Jahre Zeit gelassen, in der Zeit jedoch keinen geeigneten Bewerber gefunden. Doppelhäuser seien nicht mehr so gefragt. Deshalb habe sich die Gemeinde für die Ausweisung als Einzelhaus entschieden – so wie es alle anderen Gebäude im Baugebiet »Brandäcker« sind. Es entbehre jeder Grundlage, dass die Gleichstellung von Anrainern durch die Ausweisung eines Grundstücks miss-achtet würde oder gar ein »geldwerter Vorteil« für einen entstehe. Im Baugebiet seien von vorneherein die Grundstücke unterschiedlich groß gewesen. Das neu gebildete Grundstück sei 803 Quadratmeter groß, wohingegen ein anderes, bereits bebautes, 805 Quadratmeter groß sei.

Der Bürgermeister wies auch darauf hin, dass bei der Festlegung der Grundstückspreise so kalkuliert worden sei, dass alle Grundstücke bebaut werden. Andernfalls hätten die Preise höher kalkuliert werden müssen. So hielt der Gemeinderat trotz der Einwände an seiner bisherigen Planung fest und fasste den Satzungsbeschluss für den Änderungsplan zum Bebauungsplan »Brandäcker« in der vom Planungsbüro Huber aus Rosenheim gefertigten Fassung. gi