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»Kein Handlungsspielraum«

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Blick vom unverbauten Dürrnbachhorn zum Sonntagshorn, das nun offenbar auch in den Blick eines Unkener Unternehmers gerückt ist, der dort Skilifte erbauen möchte. (Foto: Ostermaier)

Reit im Winkl. Hohe Wellen schlug die Veröffentlichung von Plänen des Unternehmers Matthäus Unseld aus Unken, Jahrzehnte alte Bestrebungen wiederzubeleben, eine Verbindung für Skifahrer und Snowboarder vom Heutal aus auf Winklmoos/Steinplatte zu realisieren. Um diesem Wunsch ein deutliches Stück näher zu kommen, hatte Unseld, gleichzeitig Geschäftsführer der Heutal Lifte, die Mehrheitsanteile am Dürrnbachhornlift erworben, einem existenziellen Bindeglied zwischen beiden Bergregionen.


Auch die Gemeinde Unken unterstützt das touristisch bedeutsame Projekt, weswegen eigens eine Studie zur Nutzung des Gebietes zwischen Unken und der Landesgrenze in Auftrag gegeben wurde (wir berichteten). Mit mindestens der gleichen Energie und Ausdauer, wie von österreichischer Seite diese Erschließung forciert wird, wehrt sich die »Aktionsgemeinschaft zum Schutz der Saalforsten und des Sonntagshorns e.V.« gegen die wirtschaftliche Nutzung dieser von Skitourengehern überaus geschätzten Hänge.

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Nunmehr hat sich in diese Diskussion auch der Bayerische Landwirtschaftsminister Helmut Brunner (CSU) eingeschaltet. In einem Brief an den ehemaligen Landtagspräsidenten Alois Glück, der seit Jahren die Erschließungspläne sehr kritisch begleitet, fand Brunner klare Worte: »Ich halte eine Neuanlage aus forst-, umwelt- und wirtschaftspolitischer Sicht für nicht akzeptabel.« Glück wollte in einer Anfrage an das Landwirtschaftsministerium wissen, wie die derzeitige grundsätzliche politische Haltung gegenüber dem Schischaukelprojekt sei.

Auf Initiative von Alois Glück, der 2008 nach 38 Jahren aus dem bayerischen Landtag ausschied, war schon 1984 vom Parlament der »Bergwaldbeschluss« verabschiedet worden. Im Kern besagt diese Übereinkunft, dass »der Schutz des Bergwaldes grundsätzlich Vorrang vor allen anderen Nutzungsansprüchen hat«. Heißt übersetzt: Bergwald geht vor Neubau von Liftanlagen. »An diesem Landtagsbeschluss kommt man bei Genehmigungsverfahren nicht vorbei«, betonte Alois Glück auf Anfrage, da gebe es »keinen Handlungsspielraum«, er gelte zudem nicht nur für bayerische Bergwälder, sondern auch für die sogenannten Saalforste. Dies sind Forstflächen, die eigentlich auf österreichischem Hoheitsgebiet liegen, die aber privatrechtliches Eigentum der Bayerischen Staatsforsten sind.

Auch die hier betroffene Region auf Winklmoos zählt zu diesen Flächen. Brunner weist zudem darauf hin, dass vom »Dürrnbachhorn bis hinunter zur Finsterbachalm ein europäisches Vogelschutzgebiet ausgewiesen« sei, zudem sei der Liftbetrieb der Dürrnbachhornbahn »nur im Sommer genehmigt«. Ferner gebe es »keinerlei Abmachungen mit der österreichischen Seite zur Realisierung der Skischaukel«. Brunner endet seinen Brief mit dem Satz: »An dieser klaren Haltung von bayerischer Seite soll sich auch in Zukunft nichts ändern.«

Unterstützung gibt es aus Traunstein. In der jüngsten Stadtratssitzung stellte Oberbürgermeister Manfred Kösterke klar, dass sich auch die Kreisstadt gegen die Erschließungspläne stemmen werde, nachdem Traunstein bekanntermaßen sein Trinkwasser aus der von der möglichen Erschließung betroffenen Region bezieht. Trotzdem sieht Walter Kellermann, Mitbegründer der Aktionsgemeinschaft, keinen Grund zur Entwarnung: »Diese Erschließungspläne haben sich über einen so langen Zeitraum gehalten, dies beweist, dass die Interessenten hier offenbar einen sehr langen Atem haben«, sagte er. ost