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Kein Gelände für Motocross-Jugend

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Traunstein. Zwei Punkte sind in der jüngsten Sitzung des Stadtrates hitzig diskutiert worden. Die Stadtratsfraktion Bündnis 90/Die Grünen stellte einen Antrag auf Überprüfung der Mitgliedschaft der Stadt in der Arbeitsgemeinschaft »fahrradfreundliche Kommunen in Bayern (AGFK)«. Trotz mehrmaliger Aufforderung von Grünen-Stadtratsmitglied Wilfried Schott, den Antrag positiv zu bewerten, stimmte der Stadtrat dagegen. Auch der Rennsport- und Touristikclub (RTC) Traunstein ist mit seiner Anfrage, die ehemalige Schießanlage Trenkmoos als Übungsgelände für die Motocross-Jugend zu nutzen, abgeblitzt.


Die Aufnahmekriterien für die AGFK Bayern sind lang. »Und sie gestalten sich nicht ganz unproblematisch in der Umsetzung«, betonte Oberbürgermeister Manfred Kösterke. »Tatsache ist, dass wir mit erheblichen Folgeaufwendungen rechnen müssen,« führte er weiter aus. Schließlich seien vor allem in der Innenstadt die geforderten Maßnahmen nicht leicht umsetzbar. Schott hielt dagegen: »Dies ist eine sehr wichtige Grundsatzentscheidung.« Eltern und Kinder können sich dann sicherer im Straßenverkehr bewegen. Zudem könnte der Beitritt aus seiner Sicht auch den Tourismus weiter ankurbeln. Kösterke erwiderte: »Ihre Punkte sind sicherlich alle zutreffend.« Allerdings müsse man auch die Folgen beachten. Werden Radwege in der Innenstadt installiert, dann entfallen wohl einige Parkstreifen, führte Kösterke als Beispiel an.

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Auch Hans Zillner (CSU) pflichtete Kösterke bei: »Eine Mitgliedschaft bringt uns nicht weiter«, betonte er. In Traunstein werde ohnehin alles für die Radfahrer gemacht, wenn es umsetzbar und sinnvoll sei. Simon Steiner (Liste) sah ebenfalls gute Ansätze im Antrag, allerdings gestand auch er ein: »Die örtlichen Gegebenheiten in Traunstein lassen eine signifikante Verbesserung nicht zu.« Burgi Mörtl-Körner (Grüne) betonte, dies sei eine politische Willenserklärung. »Man muss auch nicht gleich alles umsetzen.« Dem widersprach Kösterke: »Es gibt einen klaren Arbeitsauftrag. Wir müssen dann jedes Jahr einige 100 000 Euro in den Haushalt einstellen.«

Nach längerer Diskussion stellte Ernst Haider (UW) fest: »Es gibt Punkte, die für Traunstein praktisch nicht umsetzbar sind.« Dennoch sah auch er interessante Ansätze. »Sollte der Antrag abgelehnt werden, dann sollte der Agenda Arbeitskreis prüfen, welche Punkte aus dem Programm bei uns umsetzbar sind unter Rücksichtnahme von topografischen, finanziellen und personellen Gesichtspunkten.« Kösterke fand dies einen guten Vorschlag: »Das kann ich ihnen jetzt schon zusichern, dass das in den Agenda Arbeitskreis geht, darüber brauchen wir nicht mehr abstimmen.« Der Stadtrat lehnte den Antrag mit drei Gegenstimmen ab.

Wesentlich knapper verlief die Abstimmung beim Antrag des RTC Traunstein. Dieser wurde letztlich mit 14:10 Stimmen abgelehnt. Der RTC überlegte, nachdem die Firma Tre-Aktiv seinen Antrag auf Nutzung der Schießanlage in Trenkmoos zurückgezogen hatte, die Fläche als Übungsgelände für seine Motocross-Jugend zu nutzen. Nach Auskunft des Landratsamts müsste der Verein dazu aber auch eine Genehmigung nach dem Immissionsschutzrecht einholen. Das Verfahren beim Landratsamt hat aber nur dann Erfolgsaussichten, wenn der Stadtrat die derzeitige Darstellung des Flächennutzungsplanes als naturschutzrechtliche Ausgleichsfläche ändert und den Bereich als Sondergebietsfläche »Motocross-Strecke« ausweist.

Der Stadtrat entschied sich dagegen – und das aus mehreren Gründen. Schott etwa betonte: »Ich habe nichts gegen einen Motocrossbetrieb, aber eine naturschutzrechtliche Ausgleichsfläche dürfen wir auf gar keinen Fall aufgeben.« Zillner machte sich dafür stark, dass der RTC seinen Übungsplatz bekommt: »Wir haben andere Vereine in Traunstein stark gefördert. Der RTC möchte kein Geld von uns, sondern nur ein Ja, damit er hier weitermachen kann.«

Einige Stadträte äußerten die Befürchtung, dass man durch eine solche Genehmigung auch die Schützen wieder auf den Plan rufe. Josef Kaiser (UW), selbst Mitglied im RTC, versuchte dieses Argument zu entkräften. Ein »Ja« bedeute die Förderung des Motorsports – »vor allem der Jugend«. Doch am Ende reichte es nicht, der Antrag wurde abgelehnt. SB