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»Kein Fehlstart, sondern eine Bruchlandung«

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So sehen die modernen Züge aus, die auf der Strecke München-Salzburg fahren sollten. Doch derzeit sind auch einige museumsreife Modelle der Bayerischen Oberlandbahn unterwegs, denn nicht alle Flirts (unser Bild) sind betriebsbereit. Kritik gibt es auch, weil viele Züge zu spät oder gar nicht kommen.

Traunstein. Die Zugpendler aus Traunstein und der Region sind stinksauer. Denn der Start der Bayerischen Oberlandbahn (BOB) auf der Strecke München-Salzburg verläuft alles andere als reibungslos. Viele Züge sind zu spät dran, andere fallen ganz aus. Und wenn ein Zug kommt, dann ist er oft überfüllt oder alt. »Ich saß in einem totalen Rumpelzug, da gingen die Türen kaum auf«, erzählt eine Traunsteinerin. »Außerdem war es in dem Zug sehr dunkel, es gab nur so eine kleine Leselampe über dem Sitz.«


Bis zuletzt war unklar, ob die Züge überhaupt ab Sonntag auf der Strecke München-Salzburg fahren werden. Denn auch bei der Zulassung gab es Probleme. Sozusagen in letzter Minute – zwei Tage vor Fahrtbeginn – bekamen die Flirt-Triebwagen der unter der Marke Meridian operierenden Bayerischen Oberlandbahn (BOB) vom Eisenbahn-Bundesamt das Okay.

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»Da von den bestellten neuen Triebfahrzeugen vom Typ Flirt bislang nur acht betriebsbereit zur Verfügung stehen, fährt das Unternehmen ein Übergangskonzept mit Ersatzzügen«, teilt die Pressestelle der Bayerischen Oberlandbahn mit. Darunter sollen auch wirklich museumsreife Modelle sein.

Das Versprechen – moderne Züge, mehr Sitzplätze und kürzere Fahrzeiten – kann die BOB, die zum französischen Veolia-Konzern gehört, zum Start also nicht einlösen. Aus diesem Grund hatte das Unternehmen nämlich den Zuschlag bei der europaweiten Ausschreibung für die Strecken München–Salzburg, München–Kufstein und Rosenheim–Holzkirchen–München erhalten.

»Der Start des Pendlerverkehrs auf der Bahnstrecke Freilassing-München durch die Bayerische Oberlandbahn war kein Fehlstart, sondern eine Bruchlandung«, kritisiert der Traunsteiner Landtagsabgeordnete Klaus Steiner. Völlig überfüllte Züge, Verspätungen und überfordertes Personal würden bei tausenden Pendlern auf absolutes Unverständnis stoßen. »Es geht nicht darum, etwas schlecht zu reden oder kleinere Startschwierigkeiten zu kritisieren, sondern um Probleme, die sich schon länger abgezeichnet haben und die bei sorgfältiger Planung nicht aufgetreten wären«, betont Steiner. Fehlende Betriebsgenehmigungen oder unzureichende Betriebsstrukturen seien bereits vor Monaten angesprochen worden und die Pannen bei den Fahrkartenautomaten würden zeigen, »dass die BOB einfach nicht vorbereitet ist«.

Diese Kritik weist die Pressereferentin der Bayerischen Oberlandbahn entschieden von sich: »Wir arbeiten seit drei Jahren daran, also seit wir den Zuschlag bekommen haben. Wir gehen davon aus, dass es sich um Startschwierigkeiten handelt, die bald behoben sind. Unsere Werkstattmitarbeiter arbeiten rund um die Uhr, um die Zuverlässigkeit der Züge zu erhöhen.«

Das ist auch nötig. Denn bei der Strecke München-Salzburg handelt es sich um eine der wichtigsten Pendlerstrecken Bayerns. KR