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Kein Dauerwohnen – dafür Wochenendnutzung

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Die Gemeinde Siegsdorf hat dem Dauerwohnen im Ferienpark Vorauf-Feichten einen Riegel vorgeschoben. Geduldet werden nur jene Bewohner, die vor dem 13. Dezember 2013 ihren Erstwohnsitz angemeldet haben. Alle anderen dürfen ihr Häuschen oder ihre Wohnung nur in den Ferien und am Wochenende nutzen. (Foto: Augustin)

Siegsdorf. Die Würfel sind gefallen: Der Ferienpark Vorauf-Feichten soll, der vielen Dauerbewohner zum Trotz, wieder in erster Linie ein Feriendorf sein. Auf Dauer geduldet werden nur jene Häuschen- bzw. Wohnungsbesitzer, die bis zum Stichtag 13. Dezember 2013, also gestern, ihren Erstwohnsitz in der Gemeinde Siegsdorf angemeldet haben. Das sind etwa 200 Personen. Weitere Dauerbewohner will die Gemeinde Siegsdorf in Vorauf nicht zulassen. Das gilt auch für die Nachkommen, denn die Duldung ist personenbezogen.


Diese Grundsatzentscheidung hat der Gemeinderat mit großer Mehrheit Anfang der Woche in nichtöffentlicher Sitzung gefällt. Vorausgegangen waren der Entscheidung eine jahrelange Diskussion, zwei Klausurtagungen der Gemeinde mit Baujuristen und Städteplaner und eine Befragung der fast 700 Eigentümer.

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Knackpunkt am Ferienpark Vorauf-Feichten ist der Bebauungsplan, der als Sondergebiet nur einen ständig wechselnden Personenkreis als Bewohner vorsieht. Das bedeutet streng genommen, dass Eigentümer ihr Häuschen nicht einmal regelmäßig am Wochenende nutzen dürften. Die Realität sieht aber längst anders aus. In dem Anfang der 70er Jahre errichteten Feriendorf nutzen 80 Prozent der Eigentümer ihre Häuschen und Wohnungen selbst; immer mehr sogar dauerhaft. Während es vor etwa zweieinhalb Jahren noch 130 Personen waren, stieg die Zahl jetzt auf fast 200, wie Bürgermeister Thomas Kamm im Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt erläutert: »Vorauf droht schon jetzt, den Charakter als Feriendorf zu verlieren.« Die Infrastruktur hinkt dementsprechend der Realität hinterher.

Der Gemeinderat hatte sich als Lösung überlegt, den Ferienpark zur Nutzung als Ferien- und Wochenendhaussiedlung für die Eigentümer zu öffnen und – unter bestimmten Voraussetzungen – sogar Dauerwohnen zuzulassen. Das ist baurechtlich aber nicht möglich, wie der Bayerische Verwaltungsgerichtshof und das Bundesverwaltungsgericht im Sommer diesen Jahres klarstellten: »Eine Dauerwohnnutzung widerspricht dem Inhalt des Bebauungsplanes; Dauerwohnen und Feriennutzung sind unvereinbar.«

Die Alternativen lauten: Den Ferienpark in ein allgemeines Wohngebiet umwandeln, was laut Auskunft der Regierung von Oberbayern unter anderem aufgrund der Lage und Struktur sehr schwierig werde und auch nicht im Sinne aller Eigentümer sei (zum nötigen Ausbau der schmalen Straßen und Wege wollen nach der Eigentümerbefragung 60 Prozent keinen Grund abtreten); oder eben den aktuellen Bebauungsplan als Sondergebiet beizubehalten und konsequent umzusetzen. Zu viele Dauerbewohner würde dazu führen, dass das Baugebiet »umkippt« und ein anderes Baurecht eintritt, was die Gemeinde verhindern will.

»Die Thematik Ferienpark Vorauf ist so vielschichtig, dass wir da jetzt gezwungen sind, die Bremse reinzuhauen«, begründet der Bürgermeister die Grundsatzentscheidung des Gemeinderates. »Und wir setzen das um, was der Bebauungsplan hergibt.« Vorauf soll in erster Linie wieder ein Feriendorf sein, also ohne Dauerbewohner, ohne längerfristige Vermietung, beispielsweise an Bautrupps, wie es jüngst immer wieder vorkam. Das stoße sich mit den Gästen, die in Vorauf eine unbeschwerte Urlaubszeit verbringen wollen.

Kamm: »Wir tun im Moment keinem weh«

Konkret besagt die Grundsatzentscheidung also, dass Bewohner, die vor dem Stichtag 13. Dezember 2013 ihren Erstwohnsitz in Vorauf angemeldet haben, geduldet werden. »Das Dauerwohnen wird langsam also wieder weniger werden.« Legitimieren will die Gemeinde hingegen mit einer Bebauungsplan-Änderung die Ferien- und Wochenendhausnutzung; auch soll es Regelungen geben für die energetische Sanierung der Häuser.

»Wir tun im Moment keinem weh«, so Kamm zum gewählten Zeitpunkt der Grundsatzentscheidung. Ein Weihnachtsgeschenk sieht dennoch anders aus, denn für die Nachkommen der Dauerbewohner und alle anderen Eigentümer hat die Gemeinderatsentscheidung deutliche Auswirkungen: Sie dürfen in Vorauf nicht dauerhaft wohnen. ka