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Kein »blinder und müder Bürgermeister«

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Fastenredner Christian Lucke überzeugte wieder mit ironisch-hintergründigem Humor. (Foto: vom Dorp)

Übersee. Zu einem Höhepunkt im Veranstaltungskalender ist auch heuer wieder das Starkbierfest des Überseer Trachtenvereins »D' ´Buchwäldler« im Trachtenheim geraten. Rund 200 Gäste aus Übersee und Umgebung, darunter auffällig viele junge Leute, genossen das frisch gezapfte »Augustiner Maximator« sowie die inzwischen fünfte Fastenrede von »Pater Augustinus« alias Christian Lucke.


Mit zwei Schlägen zapfte Bürgermeister Marc Nitschke dann das Holzfassl an und kam mit Trachtenvorstand Sepp Pfisterer und dem Zweiten Vorstand Herbert Strauch als erste in den Genuss des süffigen Starkbiers.

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Höhepunkt des Abends war natürlich die Fastenrede von »Pater Augustinus« alias Christian Lucke. Der Stammspieler beim Theaterverein präsentierte sich in Höchstform. Bei seinem Auftritt wusste der sich behäbig gebende Kuttenträger mit seinem ironisch-hintergründigen Humor und seinen abstrus-naiven Gedankenspielen zu gefallen und erhielt Beifall mitten in der Szene.

Luckes Verbalattacken galten diesmal nahezu ausschließlich der Ortspolitik und dem gerade beendeten Wahlkampf. Entgegen seinen sonst zumeist moderaten Kommentaren, ließ er sich heuer sogar zu ein paar heftigen Attacken gegen die politische Opposition hinreißen. Seine Lieblingszielscheibe war dabei ohne Zweifel Anton Stefanutti, Gegenkandidat von Amtsinhaber Marc Nitschke um den Bürgermeisterposten.

Verwundert stellte der Fastenprediger Stefanuttis Äußerung in den Raum, er habe in »einer gewissen Betriebsblindheit die Bebauungsplanänderung Chiemseeufer verschlafen« und sei nach 24 Jahren als Gemeinderat von »einer beträchtlichen Amtsmüdigkeit« geplagt. »Ein Glück, dass wir von so einem blinden und müden Bürgermeister verschont geblieben sind«, gab sich der Pater erleichtert.

Stefanuttis Äußerungen als Zielscheibe

Auch Stefanuttis Klassifizierung des künftigen Chiemgauhofs in eine »riesige Fünf-Sterne-Bettenburg« führte er ad absurdum. Im Vergleich zu einem solchen Haus, etwa wie dem Sporthotel in Grassau, sei der Chiemgauhof eine kleine Jugendherberge. Für »ganz bedenklich« hielt der Prediger Stefanuttis Äußerung, dass es am Chiemseeufer wegen eines fehlenden Verkehrskonzeptes Tote geben werde.

Ihr Fett weg bekam auch die neue Gruppierung der »Aktion Demokratie für Übersee« (ADfÜ), die aus der Bürgerinitiative »Chiemseeufer« hervorgegangen ist. Wenn man mit dem Schreckgespenst auf Stimmenfang für ein Bürgerbegehren gehe, dass die Russen schon die Hand auf dem Chiemseeufer haben, und andererseits den Anspruch einer niveauvollen politischen Arbeit vor sich her trage, sei das geradezu grotesk, empörte sich der Pater. Eine Rüge bekam in diesem Zusammenhang auch Bürgermeister Nitschke. Er hätte den Bürgern bei der – später als unzulässig – deklarierten Fragestellung zum Bürgerbegehren helfen müssen. Schließlich verstünden die Bürger ja nicht einmal die Antworten der Politiker. Wie sollten sie da im Stande sein, die richtigen Fragen zu formulieren?

Wenig Verständnis zeigte der Pater auch für einige Ereignisse außerhalb von Übersee. So wunderte er sich, dass die Fernsehserie »Dschungelcamp« für den renommierten Grimme-Preis vorgeschlagen worden ist. Und dass 2500 Arbeitsplätze beim katholischen Weltbild-Verlag aufgegeben werden, während der Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst von goldenen Tellern fresse. »Und unseren Uli Hoeneß sperren sie ein, obwohl der Millionen gespendet hat und der Bischof sie sich ins Wohnzimmer stellt!«

»Gardinchen« im Jagdstand

Abschließend hatte der Pater noch ein Kompliment für Trachtenvorstand Pfisterer parat, »weil der sich nun endlich ein Fax-Gerät zugelegt hat und Nachrichten empfangen kann. Nur antworten tut er leider selten.«

Bewunderung zollte Bruder Augustinus auch dem Dritten Bürgermeister Alois Huber für dessen beweglichen und mit »Gardinchen« ausgestatteten Jagdstand, der seinesgleichen in der Umgebung suche.

Als Schlusspunkt rief er die Sieger und Verlierer des Wahlkampfes zur Versöhnung auf: »Mögen die Verlierer ihre Niederlage verkraften und die Gewinner ihre Weisheit zum Wohle der Gemeinde einsetzen und sich dann alle wieder vertragen.«

Zünftig und stimmungsvoll durch den Abend führte die »Blechmusi« mit Vorstand Thomas Strohmayer. bvd