weather-image

Kein Bauland zwischen Anning und Fasanenjäger

0.0
0.0

Traunreut – Der Traunreuter Stadtrat sprach sich nach intensiver Diskussion mit knapper Mehrheit gegen eine Baulandausweisung zwischen dem Ortsteil Anning und der Siedlung Fasanenjäger aus. Die Mehrheit vertrat die Ansicht, dass es wegen des Grundwasserproblems unverantwortlich wäre, dort Bauland auszuweisen.


Durch die Grund- und Oberflächenwassersituation, die nicht in den Griff zu bekommen ist, haben die Anlieger im Fasanenjäger immer wieder mit Überschwemmungen zu kämpfen. »Mindestens einmal im Jahr muss die Feuerwehr anrücken, wenn wieder Wasser von den Feldern in die Keller läuft«, heißt es in einer der Stellungnahmen von betroffenen Anliegern, die dazu in der Stadtverwaltung eingegangen sind.

Anzeige

Auf die Oberflächenwasserproblematik und der daraus möglicherweise resultierenden Schadenersatzansprüche wies auch die Untere Bauaufsichtsbehörde im Landratsamt Traunstein in einer Stellungnahme hin. Das Kreisbauamt rät auch aus ortsplanerischer Sicht von einer Baugebietsausweisung ab und verweist auch auf eine Stellungnahme der Höheren Landesplanungsbehörde der Regierung von Oberbayern, die vor einem Zusammenwachsen der beiden Ortsteile Anning und Fasanenjäger warnt und der Stadt empfiehlt, von einer Planung Abstand zu nehmen.

Oberflächenwasser kann nicht mehr versickern

Auch Stadtbaumeister Thomas Gätzschmann wies auf die problematische Situation hin. Es sei zu befürchten, dass sich durch eine neue Bebauung die Wasserproblematik auf die bestehende Bebauung noch mehr auswirken könnte. Wie er dem Traunsteiner Tagblatt erklärte, sei das Problem auf den Bodenaufbau zurückzuführen. Bei Starkregen könne das Oberflächenwasser dort nicht mehr versickern und verschärfe dadurch die Situation des Schichtenwassers. Dies habe zur Folge, dass sich kleine Seen bilden, die letztendlich auch die Gebäude beeinträchtigen können. Laut Gätzschmann laufen in einem Privatgebäude im Fasanenjäger ständig Pumpen, um den Grundwasserspiegel zu senken. Trotzdem sei der Druck immer noch sehr hoch, so Gätzschmann.

Wegen der ständigen Überflutungen haben die Anlieger ihren Angaben nach in ihren Häusern bereits Hochwasserschutzfenster eingebaut und würden »keinesfalls – in Kenntnis dieser Lage – mehr hier bauen«. »Wenn ich das gewusst hätte, hätte ich da nicht hingebaut«, sagte die neue Grünen-Stadträtin Helga Zembsch, die unmittelbar neben der beantragten Ausweisung im Fasanenjäger wohnt. Bürgerlistenchef Sepp Winkler erklärte, dass die »vernichtenden Stellungnahmen« ganz klar gegen eine Ausweisung sprechen würden. Paul Obermaier (FW) sieht im Falle einer Ausweisung einen grundlegend vorprogrammierten Ärger. Aufgrund der Kenntnis von dem hohen Grundwasserspiegel wäre es unverantwortlich, dort Bauland auszuweisen. Martin Czepan (Grüne) warnte davor, der immer mehr weichenden Natur eine Bebauung vorzuziehen und dabei die Wildtiere zu verscheuchen. Es gebe andere Baugebiete, die sich eignen würden.

Fachgutachten gefordert

In der Diskussion wurde mehrfach vorgeschlagen, im Zuge einer Neuausweisung die Chance zu nutzen, gleichzeitig das Problem des Niederschlagswassers durch technische Maßnahmen in den Griff zu bekommen. »Das wäre auch für die bestehenden Häuser super«, meinte Andrea Haslwanter (CSU). Zweiter Bürgermeister Hans Peter Dangschat forderte ein Fachgutachten, mit dem man dann in das Verfahren einsteigen sollte. Der Meinung schloss sich auch Bernhard Seitlinger (CSU) an, der auch mit einem Zusammenwachsen der beiden Ortsteile kein Problem hat.

Ernst Ziegler (SPD) sprach sich für eine durchgehende Bebauung aus und lehnte sich damit einem kürzlich in der Verwaltung eingegangenen Antrag eines Grundstücksbesitzers an, neben den beantragten 7000 Quadratmetern zusätzlich 6000 Quadratmeter Bauland auszuweisen. »Es gehört durchgehend gebaut«, forderte Ziegler. Damit könnte für das gesamte Gebiet nördlich der Siedlungsstraße nicht nur ein vernünftiger Bebauungsplan aufgestellt werden, der auch Gewicht habe, sondern auch eine ordentliche Entwässerung hergestellt werden.

Gretl Gineiger (Grüne) warnte davor, dass sich durch die Wasserproblematik die Grundstücke verteuern könnten. Bürgermeister Ritter erinnerte daran, dass die Stadt für die Wasserentsorgung zu sorgen hätte. »Das muss uns klar sein.« Deshalb sollte man gut überlegen, ob dort gebaut werden soll.

Mit 16:13 Stimmen wurde der Antrag auf eine Baulandausweisung schließlich abgelehnt. In der Folge ebenfalls abgelehnt wurde der Zusatzantrag, weitere 6000 Quadratmeter Bauland auszuweisen. ga

Dieses Video könnte Sie auch interessieren: