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Keimzellen für Blumen und Pflanzen können von Hobbygärtnern auch selber geerntet werden

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Zum Vergleich: So sehen reife und unreife Samen der Ringelblume Calendula aus. Auch sie können leicht vermehrt werden. (Foto: Putzhammer)
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Gartenliebhaber, die ihre Lieblingspflanzen im nächsten Jahr wieder im Beet haben wollen, dürfen nicht zusehen, wie diese einfach verwelken. Viele Blumen- und Gemüsesorten lassen sich vermehren. Dafür braucht der Hobbygärtner lediglich ihren Samen.


»Grundsätzlich sollen Samen erst geerntet werden, wenn sie ganz ausgereift sind, da die Samen die Nährstoffe für den Keimling der jungen Pflanze einlagern«, rät Markus Putzhammer, Kreisfachberater für Gartenbau vom Landratsamt Berchtesgadener Land. Trockenes Wetter eignet sich am besten für die Samenernte, anschließend sollten die Samen für ein paar Tage an einem warmen, trockenen Ort nachgetrocknet werden, jedoch nicht im Backrohr oder auf dem Kachelofen.

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»Wenn die Samen trocken sind, bieten sich kleine verschließbare Kunststoffgefäße wie Kaugummidosen gut für die Lagerung an«, so Putzhammer. Diese sollte an einem kühlen Ort erfolgen. Samen dürfen auf keinen Fall feucht eingelagert werden, ansonsten wären Schimmel und Verderbnis vorprogrammiert.

Einjährige Blumen wie Zwergdahlien, Sonnenblumen, Tagetes, Salvien, Schmuckkörbchen, Spinnenblumen, Vergissmeinnicht oder Petunien sind perfekt für die Samenernten. »Bei diesen Blumen können die Nachkommen jedoch in der Blütenfarbe und der Pflanzengröße aufgrund der Erbgutvermischung leicht von der Mutterpflanze abweichen, informiert Putzhammer. Wer also eine konkrete Farb- und Größenvorstellung seiner Pflanze hat, dem bleibt nichts anderes übrig, als einen Samen zu kaufen.

Im Gemüsebeet kommen unter anderem Bohnen, Petersilie, Dill oder Tomaten gut für eine Samenvermehrung infrage. Bei den Tomaten müssen beispielsweise lediglich die Kerne aus dem Fruchtfleisch entnommen und getrocknet werden. Diese können dann im nächsten Jahr wieder ausgesät werden. »Grundsätzlich würden sich bei vielen Gemüsepflanzen, wie dem Kohl, im folgenden Jahr ebenfalls Samen ausbilden, aber unsere sehr kalten Winter machen dem leider einen Strich durch die Rechnung«, so Putzhammer.

Auch einige Gehölze lassen sich über Samen vermehren. Während sich Pfirsiche oder Kornelkirschen gut eignen, rät der Kreisfachberater von einer Samenentnahme bei Äpfeln und Birnen ab. »Diese Pflanzen sind gemischt-erbig, die neue Pflanze bildet also andere Eigenschaften als die Elternpflanze aus – möglicherweise auch unerwünschte«.

Allgemein empfiehlt Markus Putzhammer von sogenannten F1-Hybriden, das heißt, gezielten Inzuchtkreuzungen, keine Samen zu ernten, da diese Sämlinge von minderer Qualität hervorbringen. Ob es sich um eine F1-Saatgut handelt, erkennt man schnell an der Verpackung: Hybridpflanzen sind immer auf der Samentüte gekennzeichnet.

Der Kreisfachberater appelliert zudem, beim Samenkauf nicht das nächstbeste Tütchen zu nehmen, sondern bewusst nach Produkten zu suchen, die man selbst weitervermehren kann. »Einige unabhängige Samenzüchter haben sich darauf spezialisiert, wertvolle Sorten zu erhalten, was erst in jüngster Zeit im Rahmen einer EU-Saatgutverordnung noch auf dem Spiel stand«.

Für Markus Putzhammer ist das Entnehmen eigener Samen von Blumen- oder Gemüsepflanzen ein Stück gefühlte Unabhängigkeit. »Gerade in Hinblick auf die Gentechnik werden die bestehenden Sorten geschützt und bewahrt. Und letztendlich handelt es sich um eine gehobene gärtnerische Leistung, wenn im nächsten Jahr aus einem selbstgeernteten Samenkorn die Lieblingsblume wieder in voller Pracht im Garten erblüht. Caroline Irlinger