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Kegel: Ein Vorzeigeprojekt geschaffen

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Symbolisch wurde der Betrieb des Unterwerks I durch das Zerschneiden des Bandes gestartet. Unser Bild zeigt (von links) stellvertretenden Landrat Josef Konhäuser, Oberbürgermeister Christian Kegel, Günther Hartmann vom planenden Ingenieurbüro und Stefan Will, Geschäftsführer der Stadtwerke Traunstein. (Foto: Wittenzellner)

Traunstein – Die Stadtwerke Traunstein setzen weiter auf den Ausbau von erneuerbaren Energien. Jetzt wurde das neue Wasserkraftwerk Unterwerk I an der Brunnwiese, das bereits seit März läuft, offiziell in Betrieb genommen. Einen dauerhaft optimalen Betrieb vorausgesetzt, ist hier mit dem Wasser aus dem Mühlbach die Erzeugung von einer Million Kilowattstunden pro Jahr vorgesehen, was in etwa dem Jahresverbrauch von 260 Haushalten entspricht.


Die Wasserkraft hat an dem Ort eine lange Tradition, nachdem dort seit 1896 Strom produziert wird. 1970 wurde das Kraftwerk stillgelegt, nach einem Umbau 1982 war es bis 2015 in Betrieb und lieferte rund 500 000 Kilowattstunden (kWh) pro Jahr. Die jetzt umgesetzte Idee war es, die Stromerzeugung des UW I um die Fallhöhe Hasselberger Mühle zu steigern. Die Stadtwerke waren Bauherr der rund eine Million Euro teuren Investition, der Landkreis Traunstein ist als Grundeigentümer beteiligt. Start der Bauarbeiten war im Oktober, seit März sorgt die neue Anlage für jederzeit verfügbaren »klimafreundlichen Strom«.

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»Ein Bauwerk, das sich sehen lassen kann«

Stefan Will, Geschäftsführer der Stadtwerke Traunstein, erklärte die wechselvolle Geschichte des Gebäudes, das in seinen Grundzügen aus der Zeit um 1582 stammt. 1896 habe man dort mit der Stromerzeugung begonnen. Konnte man damals mit dem Unterwerk und der Mittermühle den gesamten Strombedarf der Stadt decken, so leistet das Unterwerk I heute nur knapp ein Prozent des täglichen Traunsteiner Strombedarfs.

Umfangreiche Planungs- und Bauarbeiten waren erforderlich. Auch musste eine neue Turbine eingesetzt werden. Will lobte den reibungslosen Ablauf und würdigte den Stadtwerke-Aufsichtsrat und den Kreisausschuss. »Sie haben zu einem Bauwerk beigetragen, das sich in jeder Beziehung sehen lassen kann.« Ausdrücklich kritisierte er das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege, das auf dem Einbau von hundert Jahre alten Backsteinen bestanden hatte. »Die sieht unter dem Putz sowieso niemand«, so Will, der darauf hinwies, dass man deutlich Geld hätte sparen können. »Und trotzdem würde das Gebäude exakt so dastehen, wie jetzt.«

Oberbürgermeister Christian Kegel machte deutlich, dass sich die Stadt Traunstein dem Umwelt- und Klimaschutz verpflichtet sehe. Die Stadtwerke seien hier ein wichtiger Partner der Stadt, wie er am Beispiel des angrenzenden Hackschnitzelwerks Brunnwiese ausführte, das die Stadtwerke seit 2012 betreiben. Man setze auf einen Mix aller Formen erneuerbarer Energien, in der Wasserkraft finde man in Traunstein »optimale Bedingungen«.

Das Unterwerk I bessere die »regenerative Energiebilanz« der Stadt wie auch des Landkreises weiter auf. Er würdigte alle Beteiligten und lobte das »Vorzeigeprojekt«, das Landkreis, Stadtwerke und Stadt Hand in Hand geschaffen hätten. »Nutzung von Wasserkraft ist möglich, ja sinnvoll – das wird auch hier am Unterwerk I ganz deutlich«, sagte das Stadtoberhaupt.

Stellvertretender Landrat Josef Konhäuser lobte die »zukunftsweisende Investition der Stadtwerke«. Der Landkreis als Grundstückseigentümer habe selbst den Bau eines kleinen Kraftwerks zur Nutzung der ehemaligen Hasselberger Mühle überlegt. Letztlich habe man aber mit den Stadtwerken die Voraussetzungen für eine Stromerzeugung für geplante 100 Jahre geschaffen. Derzeit sorgen im Landkreis 152 Wasserkraftwerke mit dafür, das Landkreisziel zu erreichen, bis 2025 komplett auf Strom aus erneuerbaren Energien umzusteigen. Kritisch ging Konhäuser auf die Widerstände ein, auch die Salzach in die Stromerzeugung einzubeziehen. »Man kann nicht sonntags dafür predigen und am Montag dagegen stimmen.« Trotz der Steigerung des Anteils an erneuerbaren Energien sei es vor allem wichtig, den Energieverbrauch zu reduzieren.

Lebenselement Wasser nachhaltig nutzen

Dekan Peter Bertram und Stadtpfarrer Georg Lindl gaben der Anlage den kirchlichen Segen, trage Wasser doch zum Leben in Traunstein bei. Wasser sei ein lebensspendendes Element. Das »Lebenselement Wasser« müsse nachhaltig genutzt werden. Man bete, dass Gott seinen Segen dazu gibt. Dass Wasser auch eine Bedrohung sein kann, machte Stadtpfarrer Georg Lindl anhand der Überschwemmungen in Simbach am Inn deutlich.

Bis in den späteren Nachmittag hinein konnten dann die Bürger die Anlage ansehen und sich ihre Funktionsweise erklären lassen. Auch das Wasserkraftmuseum und das Biomasseheizwerk waren geöffnet, sodass es ein gelungener Tag der offenen Tür rund um die Energieerzeugung der Stadtwerke Traunstein war. Das Posaunenquartett der Musikschule Traunstein sorgte für Musik. awi