Kaufsüchtig und essgestört

Ein unter Kaufsucht und Bulimie leidender Tachertinger beging zahlreiche Internet-Betrügereien, um seine »Süchte« zu befriedigen. Wegen der Vorwürfe aus gleich sechs Anklageschriften sprach das Schöffengericht Traunstein mit Richter Wolfgang Ott gestern zwei Strafen gegen den 28-Jährigen aus.


Für alle Straftaten, die der arbeitslose Angeklagte wegen seines Kaufrausches verübt hatte, verhängte das Gericht eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und zehn Monaten. Soweit der Hintergrund die 2013 beginnende Bulimie war, bekam er wegen eingeschränkter Schuldfähigkeit zwei Jahre Freiheitsstrafe mit fünfjähriger Bewährungszeit. Bis die Strafen rechtskräftig werden, kann der 28-Jährige zunächst seine freiwillige Therapie in einer Spezialklinik für Essstörungen fortsetzen. Wie es dann weitergeht, entscheidet die Staatsanwaltschaft im Rahmen der Strafvollstreckung.

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Insgesamt richtete der Angeklagte mit seiner Kaufsucht rund 40 000 Euro Schaden an. Er bestellte unter anderem Haushaltsartikel, Schneefräsen, Computer oder Baustoffe im Internet, um sie dann über Kleinanzeigen per Internet weiterzuverkaufen. Wenn die Kunden überwiesen hatten, sahen sie allerdings nichts von der bestellten Ware.

Außerdem informierte er das Jobcenter Traunstein nicht über seine illegalen Internet-Einkünfte, fälschte ärztliche Atteste und kassierte zu Unrecht Arbeitslosengeld in fünfstelliger Höhe. Weiterhin ergaunerte er bei der Behörde Miete, die ihm nicht zustand.

»Der Angeklagte finanzierte seinen Lebensunterhalt vorwiegend über Straftaten«, hob Staatsanwältin Julia Fetschele im Plädoyer heraus. Die Betrugstaten seien gewerbsmäßig begangen worden.

Verteidiger Michael Fraunhofer wies darauf hin, dass im Leben des Mannes viel falsch gelaufen sei. Früher hätten sich die Gedanken des Tachertingers »ums Einkaufen, später ums Essen und Brechen« gedreht. Viel Geld – täglich zwischen 100 und 150 Euro allein für Lebensmittel – sei erforderlich gewesen. kd

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