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»Kapitän« Wolfgang Giese geht von Bord

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Der bayerische Justizminister Winfried Bausback (Mitte) lobte die Verdienste von Wolfgang Giese (rechts) und gab Nachfolger Ludwig Kroiss gute Wünsche mit auf den Weg. (Foto: Kretzmer)

Traunstein – Feier zum Amtswechsel an der Spitze der Staatsanwaltschaft Traunstein...


Die Feier zum Amtswechsel an der Spitze der Staatsanwaltschaft Traunstein mit Bayerns Justizminister Winfried Bausback und Stabübergabe von Leitendem Oberstaatsanwalt Wolfgang Giese an Professor Dr. Ludwig Kroiss lockte gestern Vertreter der bayerischen und grenznahen österreichischen Justiz, der Sicherheitsbehörden, aus Behörden und Politik in den Schwurgerichtssaal des Justizzentrums Traunstein. Vor 200 Gästen würdigte der Minister die Verdienste Gieses und wünschte dessen Nachfolger viel Erfolg. Beide sind nach Worten Bausbacks »Traunsteiner Urgesteine, die maßgeblich zum hohen Ansehen der Traunsteiner Justiz beigetragen haben und beitragen«.

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Der Justizminister flocht in seine Rede Zitate von Ludwig Thoma ein. Einen guten Juristen zeichne nicht nur sein Wissen aus: »Er muss es auch im täglichen Leben umsetzen, darf das Wesentliche nicht aus den Augen verlieren. Hinter jedem Fall stehen Menschen mit eigener Geschichte und manchmal tragischen Schicksalen.«

Das Wesen der Dinge zu erfassen – das treffe auf Wolfgang Giese ebenso wie auf Ludwig Kroiss zu. Giese, 65 Jahre alt, trete in einer Woche in den Ruhestand – nach 20 Dienstjahren bei der Staatsanwaltschaft Traunstein und fast vier Jahren als ihr Leiter. Giese habe 1982 als Richter beim Landgericht begonnen, auch als Direktor des Amtsgerichts und Vizepräsident am Landgericht gewirkt. Im September 2013 sei er zu »seiner« Staatsanwaltschaft zurückgekehrt und habe ihr in ihrer schwierigsten Zeit Gesicht und Stimme gegeben. Er habe exzellente Rechtskenntnisse, Planungsgeschick, Einsatzbereitschaft und eine ausgeprägte Gabe, mit Menschen umzugehen, hob Bausback heraus.

Schiff auch bei stürmischer See sicher manövriert

Als Führungskraft habe Giese alle verantwortungsvollen Positionen souverän gemeistert. Der Minister spielte auf die Leidenschaft Gieses für das Hochseesegeln und dessen Zeit als Marineoffizier bei der Bundeswehr an: »Er hatte das Ruder fest in der Hand, hat das Schiff sicher in den Hafen gebracht – auch, wenn die See stürmisch und rau war.«

Aufgrund der Grenznähe sei Traunstein von dem enormen Flüchtlingsstrom besonders betroffen gewesen. Das habe die Mitarbeiter »an die Grenzen der Belastbarkeit« gebracht. Allein in den ersten acht Wochen 2016 seien in Traunstein 30 000 Verfahren nach dem Asylgesetz gelaufen. »Für den großartigen Einsatz in dieser Zeit danke ich der gesamten Traunsteiner Justiz«, so Bausback, der schloss, er lasse Giese »nur ungern ziehen«.

Anfang Mai werde Ludwig Kroiss (58) die Leitung übernehmen. Sein Vorgänger habe ihm »wahrlich keine kleinen Fußstapfen hinterlassen«. 1987 sei Kroiss in den Dienst bei der Staatsanwaltschaft Traunstein getreten. 1993 wechselte er ans Landgericht, 2001 als Richter zum Oberlandesgericht München. 2003 kehrte Kroiss als Vorsitzender Richter zum Landgericht Traunstein zurück. Von 2006 an war er Direktor am Amtsgericht, ab 2013 Vizepräsident des Landgerichts.

Bei Kollegen und Vorgesetzten sei Kroiss hoch geschätzt ob seiner hervorragenden juristischen Fachkenntnisse, seines treffsicheren Blicks für lebensnahe Lösungen und seiner Entschlusskraft. Aus einer Beurteilung zitierte Bausback: »Er kann Menschen mitreißen und motivieren. Aber auch durch seine Art und seine Arbeitsweise ist er ein Vorbild.«

Der Minister würdigte Kroiss’ Einsatz in der Nachwuchsbildung: »Er hat in München und Traunstein mehr als 1000 Juristen das Handwerkszeug vermittelt.« Zudem habe er Unterrichtsmaterial entworfen, sich international wissenschaftlich einen Namen gemacht, Bücher geschrieben. Seit Jahren sei Kroiss in der Anwalts- und Notarfortbildung aktiv. Die Universität Passau habe ihn Mitte 2013 zum Honorarprofessor ernannt. Er habe nicht den geringsten Zweifel, dass Kroiss die neue Aufgabe erfolgreich lösen werde.

»Es fällt mir nicht leicht, Abschied zu nehmen«, gestand Wolfgang Giese. Der Schwurgerichtssaal sei für ihn ein Sinnbild seiner 35-jährigen beruflichen Laufbahn: »Mein Lieblingsplatz war auf der Staatsanwaltsbank.« Aber ohne seine Mitarbeiter wäre das alles nicht möglich gewesen. Giese sprach von einem »fantastischen, starken und schlagkräftigen Team«. Zu Beginn habe ihn Leitender Oberstaatsanwalt a.D. Manfred Kuchenbauer »mit Strenge erzogen, gefördert und gefordert«. Das sei für ihn wesentliche Grundlage geworden.

Giese bereits zum vierten Mal beruflich beerbt

Sein Nachfolger erinnerte sich ebenfalls an Kuchenbauer. Kroiss ging auf die wichtigsten Stationen seiner Laufbahn ein. Mit dem jetzigen Wechsel habe er Giese beruflich zum vierten Mal beerbt: »Ich freue mich auf eine spannende Zeit.« Schon jetzt habe er den Eindruck gewonnen, in der Staatsanwaltschaft eine »ganz tolle Mannschaft« vorzufinden. Das Kammermusik-Trio des Bayerischen Polizeiorchesters Bayern und Leitung von Mariam Heim umrahmte die Feierstunde musikalisch. kd