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Kann sich die Stadt Museum leisten?

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Traunreut – Stadtrat Martin Czepan ist skeptisch, dass sich die Stadt Traunreut ein Museum an zentraler Stelle leisten kann. In der Stadtratssitzung rechnete der Grünen-Fraktionschef vor, dass bei einem Bau von angenommenen zwei Millionen Euro mit jährlichen Unterhaltskosten von 100 000 Euro auszugehen sei. »Für mich stellt sich hier die Frage, ob sich die Stadt langfristig ein Stadtmuseum leisten kann«, sagte Czepan.


Wie berichtet, schlagen die Grünen ein dezentrales Konzept vor, das auf den schon bestehenden Ausstellungen der Traunreuter Industriebetriebe basieren soll, während sich der Verein Heimathaus für ein zentrales Konzept auf dem Gelände des Heimathauses ausspricht. Welches Konzept letztendlich aber umgesetzt werden soll, liegt noch in weiter Ferne. Bis es soweit ist – man geht von fünf Jahren aus – soll die bereits archivierte Sammlung von Exponaten weiter vervollständigt und dafür ein jährlicher Betrag von 10 000 Euro im Haushalt eingestellt werden. Diese Empfehlung des Hauptausschusses wurde vom Gesamtgremium grundsätzlich mitgetragen. Der Vorschlag von Czepan, dafür jährlich nur 2000 Euro zu investieren, wurde jedoch mit großer Mehrheit – 22:5 Stimmen – abgelehnt.

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Die Kunsthistorikerin Dr. Henriette Holz hatte im vergangenen März eine Machbarkeitsstudie für ein Museum in Traunreut vorgestellt. Ein Stadtmuseum, in dem die Erfolge der Stadt in ihrer historischen Entwicklung dargestellt und dokumentiert würden, könnte nach Ansicht der Kunsthistorikerin für die Traunreuter selbst ein wichtiger Ort der Selbstvergewisserung werden. Laut ihrer Bestandsaufnahme wären wesentliche Voraussetzungen für die Einrichtung eines Museums auch durch eine bislang schon vorgehaltene, archivierte Teilsammlung bereits erfüllt.

Museum im Umfeld des Heimathauses?

Die Historikerin könnte sich bei der Standortfrage vorstellen, das Museum im Umfeld des Heimathauses zu errichten. Die Option – ein Um- und Ausbau des Heimathauses – verfolgen auch der Verein Heimathaus und der Ortsheimatpfleger und Bürgerlisten-Stadtrat Johannes Danner. Es wäre kein Grunderwerb notwendig und Synergien mit dem bestehenden Heimathaus vorhanden. Die Trägerschaft sollte in den Händen der Stadt liegen und als Museumspartner könnte sich der Verein einen Freundeskreis vorstellen.

Die Grünen im Stadtrat streben andere Überlegungen an. Um die bewegte Geschichte der Stadt darzustellen, braucht es ihrer Ansicht nach kein großes Gebäude mit Tausenden von Exponaten. Die bestehenden Museen und Ausstellungen der drei großen Industriebetriebe würden ihrer Ansicht nach eine hervorragende Ausgangslage für ein dezentrales Konzept bieten.

Der Traunreuter Geschichtsweg ließe sich durch einen Architekturweg und Energieweg ergänzen, auf denen die Entwicklung Traunreuts von einer Munitionsanstalt zu einer ökologisch vorbildhaften Kommune erlebt werden könne. Im Mittelpunkt sollte jedoch die Geschichte der Menschen in Traunreut stehen. Dies ließe sich eindrücklich, variabel und mit wenig Aufwand in einer interaktiven Medienschau darstellen. ga