weather-image
18°

»Kann mir keinen schöneren Beruf vorstellen«

3.0
3.0
Bildtext einblenden
Pfarrer Hans Krämmer ist auch im »Ruhestand« mit 77 Jahren noch sehr aktiv im Dienst der Kirche. Am Sonntag feiert er sein 50-jähriges Priesterjubiläum. (Foto: Giesen)

Marquartstein – Als sogenannter »Ruhestandspfarrer« ist Pfarrer Hans Krämmer alles andere als im Ruhestand. Nachdem er über 21 Jahre lang die Pfarrstelle in Inzell führte, wurde der beliebte Seelsorger zwar vor sieben Jahren mit 70 offiziell in den Ruhestand versetzt, aber von seinem Haus aus in Staudach-Egerndach ist er weiterhin für die Kirche sehr aktiv, vor allem in Marquartstein. Dort wird am Sonntag anlässlich seines 50-jährigen Priesterjubiläums ein Festgottesdienst gefeiert.


An jedem Wochenende hält Pfarrer Hans Krämmer mindestens einen Gottesdienst in Staudach, Marquartstein oder Grassau, bei Bedarf Trauungen, Beerdigungen und Hochzeiten. Regelmäßig besucht er Senioren nicht nur im Wohnstift Marquartstein, sondern zunehmend auch zu Hause, wenn Gläubige nicht mehr in die Kirche kommen können. Dazu führt er zwei Bibelkreise, betreut die Exerzitien im Alltag und arbeitet seit einiger Zeit auch bei der Achental-Tafel mit. »Dadurch entsteht ein guter Kontakt zur Diakonie und die ökumenische Arbeit macht Freude«, erklärt er.

Anzeige

Im Chiemgau fest verwurzelt

Hans Krämmer wurde 1939 als mittleres Kind und einziger Sohn einer Familie geboren, die fest im Chiemgau verwurzelt ist: der Vater kam von der Fraueninsel und arbeitete 38 Jahre lang bei der Chiemsee-Schifffahrt, die Mutter war eine Unterwössnerin. Den Wunsch, Pfarrer zu werden, hatte Hans Krämmer als Kind noch keineswegs. Während er noch die Oberrealschule in Traunstein besuchte, wollte er anfangs gerne Arzt oder Lehrer werden, wie er im Gespräch mit unserer Zeitung erzählt. Erst etwa mit 17 Jahren kam in ihm der Wunsch auf, sein künftiges Leben in den Dienst Gottes zu stellen. Er bemerkte zum Beispiel bei seinen Ferienjobs als Helfer auf den Schiffen zur Fraueninsel, dass die Menschen leichter Vertrauen fassten, wenn jemand im Dienst der Kirche stand. Er beobachtete und erfuhr im Gespräch mit jungen Geistlichen, dass sich auf dieser Vertrauensbasis oft schneller intensive Gespräche ergaben. So wechselte Krämmer zwei Jahre vor dem Abitur in das Studienseminar St. Michael in Traunstein, wo er auch altgriechisch nachlernen musste, was es auf der Oberrealschule nicht gegeben hatte. 1960 legt er hier die Prüfung zur Hochschulreife ab, gerade in dem Jahr, als sein Vater mit 66 Jahren starb. In der Prüfung im Fach Religion wählte er das Thema »Auferstehung«, erzählt er, denn die hatte in seiner persönlichen Situation eine besondere Bedeutung für ihn.

Anschließend studierte Hans Krämmer an der Philosophisch-Theologischen Hochschule in Freising. Am 29. Juni 1966 wurde er mit 26 anderen jungen Männern von Kardinal Julius Döpfner im Dom von Freising zum Priester geweiht. Es folgten drei Jahre als Kaplan in Engelschalking bei München und dann drei Jahre in der Pfarrkirche St. Nikolaus in Rosenheim, bevor Krämmer nach dieser praktischen Bewährungszeit die zweite Prüfung zum Priester ablegen konnte. Ab 1972 wurde er als Kurat nach Unterschleißheim versetzt, wo er die Aufgabe hatte, ein ganzes Kirchenzentrum aufzubauen.

Nachdem das abgeschlossen war, zog es ihn zurück in den Chiemgau. Er trat seine neue Stelle als Pfarrer für Inzell und Weißbach an. Gemeindeassistentin und Referentin war schon damals Brigitte Hübl, die ihn bei seiner Arbeit bis heute immer unterstützt. Auch nach ihrer und seiner Pensionierung führt sie den gemeinsamen Haushalt in Staudach-Egerndach. »Ganz besonders schätze ich ihre Kochkünste«, verrät Krämmer.

»Ganz nah bei den Menschen sein«

»Ich kann mir keinen schöneren Beruf vorstellen«, antwortet Pfarrer Krämmer auf die Frage, ob er es schon mal bereut habe, Pfarrer zu sein. Er hätte zwar gerne Kinder gehabt, sagt er, aber bei der Wahl für diesen Beruf sei es ihm natürlich klar gewesen, dass er auf Ehe und Kinder verzichten muss. Als besonders schön empfindet er es, die Menschen von der Wiege bis zur Bahre ganz nahe begleiten zu können. Auf Nachteile in seinem Beruf angesprochen, gibt er zu, dass ein negatives Bild der Kirche in der Öffentlichkeit ihn belastet. »Ich fühle die Voreingenommenheit. Das Positive wird oft so wenig gesehen«. Sein Wunsch ist es, dass die Kirche offener werden sollte, dass zum Beispiel die Eucharistie auch für Geschiedene und Wiederverheiratete erlaubt wird, das Zölibat eine freie Entscheidung ist und Frauen als Diakone zugelassen werden.

Die katholische Pfarrgemeinde Marquartstein feiert am Sonntag beim Festgottesdienst um 10 Uhr und dem anschließenden Pfarrfest das 50. Priesterjubiläum von Pfarrer Hans Krämmer. Die Feierlichkeiten beginnen um 9.45 mit einem Festzug vom Dorfbrunnen zur Pfarrkirche. Das Pfarrfest auch zum Patrozinium der Pfarrkirche zum Kostbaren Blut ist bei schönem Wetter vor der Kirche, bei schlechtem im Rathaus. gi