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Kann in Traunstein bald gesurft werden?

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Ein realistischer Standort für eine stehende Welle wäre am Kraftwerk am Triftweg. Ähnlich wie auf dieser Animation könnte dort vielleicht schon bald gesurft werden. Neben Lisa Springer, Benjamin Di-Qual und Hannes Weininger gehören auch Moni Vitzthum, Korbinian Kroiß und Maximilian Loid zum Kernteam der Gruppe »Eine Welle für den Chiemgau«. (Foto: Korbinian Kroiß)

Traunstein – Menschen, die mit Surfbrettern unter dem Arm durch Traunstein laufen. Was zunächst etwas unrealistisch klingt, könnte vielleicht bald Realität werden. Denn die Gruppe »Eine Welle für den Chiemgau« möchte das Surfen in Traunstein etablieren und eine stehende Welle im Stadtkanal realisieren.


»Wir sind alle begeisterte Surfer. Vor etwa einem Jahr habe ich festgestellt, so eine stehende Welle zum Surfen müsste es auch in Traunstein geben können«, erzählt Lisa Springer, die zum Kernteam der Gruppe »Eine Welle für den Chiemgau« gehört. Diplomingenieur Benjamin Di-Qual wurde daraufhin von ihr angesprochen, ob eine Welle nicht auch bei uns möglich wäre.

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Realistischen Standort am Triftweg gefunden

Aus der Idee entwickelten sich im vergangenen dreiviertel Jahr konkrete Planungen. Inzwischen gehören rund 30 Interessierte zum Team, die sich mit einer Welle in Traunstein beschäftigen, wie Lisa Springer und Hans Weininger unserer Zeitung erzählen. Da die Traun zu wenig Wasser hat und aus Gründen des Hochwasserschutzes auch nicht für eine Welle geeignet ist, ist man den Kanal abgegangen, auf der Suche nach möglichen Standorten, erzählt Benjamin Di-Qual.

Vier Stellen habe man entlang des Stadtkanals gefunden, an denen eine Welle für Surfer umgesetzt werden könnte. Der realistischste Standort befindet sich aufgrund der Lage und des geregelten Pegels am Kraftwerk am Triftwerk in der Nähe des Schwimmbadstegs. Wie Benjamin Di-Qual erklärt, seien dort nur kleinere Umbauten notwendig. Durch einen Höhensprung entsteht dann die stehende Welle. »Das optische Erscheinungsbild mit Kraftwerk und Steg bleibt aber gleich. Daran müssen wird nichts ändern«, so Di-Qual weiter. »Und es wird so umgebaut, dass die Energiegewinnung nicht eingeschränkt wird«, ergänzt Hannes Weininger.

Attraktiv wird der Standort am Triftwerk außerdem dadurch, da er das Erlebnis stehende Welle mitten in die Stadt an einen für Surfer und Zuschauer optimal erreichbaren Platz in Traunstein bringt. Erste Gespräche mit der Stadt und dem Kraftwerkbetreiber seien ebenfalls positiv verlaufen, so die Initiatoren.

Umsetzung ist mit Landesgartenschau einfacher

Schwierig sei es bisher, Aussagen über die Kosten einer Welle zu treffen. »Klar ist jedoch, mit der Landesgartenschau 2022 wäre es einfacher umzusetzen«, sagt Hannes Weininger. Das Projekt würde dann vor allem von der Förderung stark profitieren. »Eine größere Welle würde der Stadt dann gleichzeitig weniger Geld kosten«, so Benjamin Di-Qual. Ganz allgemein liegen die Kosten für eine Welle je nach Größe und Gestaltung des Umfelds zwischen 100 000 und bis zu einer Million Euro. »Das ist ungefähr so, wie ein teurer Skatepark«, erklärt Benjamin Di-Qual. »Nur dass eine Welle eben von deutlich mehr Sportlern und Zuschauern frequentiert wird als viele andere Sportstätten.«

Einen weiteren Vorteil, die Welle in die Landesgartenschau einzubinden, nennt Lisa Springer. »Die Welle würde die LGS verjüngen und viele Familien anziehen.« Von der besonderen Faszination von stehenden Wellen spricht auch Benjamin Di-Qual. »Vom Kleinkind bis zur Oma bleibt stehen, um den Surfern zuzusehen.« Eins machen die Initiatoren aber klar: »Wir werden die Welle mit oder ohne Landesgartenschau machen.« Nur an welchem Standort und in welchem Umfang lassen sie noch offen. Dafür müssen erst noch weitere Gespräche – auch mit den Anwohnern – geführt werden.

Idee des »Riversurfens« kommt aus dem Chiemgau

Mit dem Bau einer stehenden Welle in Traunstein würde sich auch ein Kreislauf wieder schließen, denn das »Riversurfen« hat seinen Ursprung im Chiemgau. In den 1960er Jahren entdeckte der Trostberger Arthur Pauli das Surfen für sich. Hinter dem Elternhaus an der Alz wagte er die ersten Surfversuche auf einem Holzbrett, baute sich Jahre später sein erstes Surfbrett und steckte andere mit der Begeisterung für das Surfen auf Flüssen an. Richtig bekannt wurde das Surfen in Flüssen schließlich vor allem durch den Eisbach in München. »Und jetzt kommt es wieder zurück in die Heimat«, hofft Benjamin Di-Qual – und mit ihm viele andere Surfbegeisterte in der Region. jar

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