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Kammer war das Mekka der Chiemgauer Narren

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Spott und Hohn müssen seit Jahren die Sechz’ger Fans ertragen. Wer jedoch glaubt, es handelt sich um eine aussterbende Rasse, der irrt.
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Auch befreundete Faschingsvereine aus nah und fern marschierten mit.

Traunstein – In der ehemaligen Gemeinde Kammer waren am Sonntag die Narren los. Ein Faschingszug, wie ihn der Chiemgau in den letzten Jahren in dieser Größe nicht oft gesehen hat, bewegte sich vom nördlichen Ortseingang auf der Kreisstraße TS1 nach Rettenbach. Weit mehr als 60 Gruppen mit mehr als 40 Festwagen nahmen teil. Von Rosenheim bis Salzburg, von Berchtesgaden bis Mühldorf: Faschingsvereine aus der gesamten Region gaben sich ein Stelldichein und zogen in einem bunten Korso durch Kammer die knapp zwei Kilometer nach Rettenbach, wo im und ums Gasthaus Jobst anschließend ein buntes Narrentreiben stattfand.


Schon bei der Aufstellung zwischen Zweckham und Kammer herrschte bei den vielen Hundert Zugteilnehmern beste Laune. Die Sonne lachte zwar nicht vom Himmel und auch die Temperaturen lagen nur knapp über dem Gefrierpunkt – das alles tat aber der guten Laune keinen Abbruch. Die Narren aus nah und fern hatten wieder jede Menge witzige Ideen, nach denen sie ihre Gefährte gestalteten. Mit viel Humor wurden zum Beispiel die jahrzehntelangen vergeblichen Versuche der Sechz'ger aufs Korn genommen, im Fußball wieder erstklassig zu werden. Humorvoll wurde auch der Dopingskandal um die russischen Biathleten dargestellt und gleich ein weiter Bogen zu Kremlchef Putin gespannt. Vom viel beklagten Bienensterben war beim Faschingszug in Kammer nichts zu merken: Mehrere Gruppen hatten sich als fleißige Honigsammlerinnen gewandet. Der Nektar, den sie während des Zuges zu sich nahmen, war meist auch honiggelb – verriet sich aber durch die Schaumkrone obenauf selbst. Auch blaue Schlümpfe waren unter den Narren mit dem Hinweis, wenn alle Menschen, die dumm sind, blau wären, es viel mehr Schlümpfe gäbe.

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Andere Gruppen gewandeten sich in Trachten ferner Länder. Da sah man feurige Spanier und Mexikaner, aber auch Chiemgauer Ureinwohner in voller Tracht-Pracht. Eine Reihe von Musikgruppen heizte Teilnehmern und Besuchern ein. Die meisten Festwagen hatten ihre eigene Beschallung dabei, sodass die kleine närrische Reise von Kammer nach Rettenbach zu einer sehr lautstarken selbigen wurde. Ein Anwohner, sonst eher Faschingsmuffel, nahm's mit Humor und zitierte den Lyriker Eugen Roth: »Man sollte statt der lauten Rassen nur noch die Leisen reisen lassen.«

Beim Gasthaus Jobst in Rettenbach löste sich der Zug auf. Das lustige Treiben setzte sich aber im und ums Gasthaus noch bis spät in den Abend fort. Bei den veranstaltenden Faschingsfreunden »Blau-Weiß« Kammer sah man nur zufriedene Gesichter. Präsident Martin Litwinschuh freute sich, dass alles so perfekt geklappt hat und dass so viele Zuschauer gekommen sind: »Das ist der beste Lohn für all unsere Mühen.«

Und wer weiß, vielleicht beginnt man nach diesem »Jubiläumszug zum 33-jährigen Bestehen von »Blau-Weiß« Kammer in ein paar Jahren schon, sich Gedanken darüber zu machen, zum 44-Jährigen wieder einen Gaudiwurm vorzubereiten.