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Kalkbrennen: Erste Aufgabe geschafft

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Per Hand werden die schweren Kalksteine von Helfern den Hügel hinaufgeschleppt, in den der Kalkofen eingebaut ist. (Foto: H. Eder)

Waging am See. Jetzt sind die Ottinger Kalkbrenner wieder aktiv. Am vergangenen Samstag ist das Gelände um den Kalkofen und den angebauten Schuppen, am Waldrand hinter Dieperting gelegen, nach jahrelangem »Winterschlaf« wieder zu regem Leben erwacht. Im Mittelpunkt der Arbeiten stand das Zusammenfügen der Kalksteine zu einer Kuppel innerhalb des siloförmigen Rundofens, eine Arbeit, die bis zum Abend abgeschlossen war.


Nachdem die Kuppel jetzt steht, wird der Rundofen kommenden Samstag bis an den Rand befüllt. Am 18. Juni wird in dem Ofenloch unterhalb dieser Kuppel das Feuer entzündet, das dann weit über 100 Stunden brennen wird, bis Sonntagabend, 22. Juni. Während dieser Tage bieten die Kalkbrenner, wie Vorsitzender Franz Gröll informierte, ein abwechslungsreiches Programm an: mit Bands, mit einem Wettbewerb alter Traktoren, mit Essen und Trinken sowie mit einem selbst verfassten Theater, in dem die alte Tradition des Kalkbrennens bei Dieperting in unterhaltsamer Form aufgegriffen wird.

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Zunächst aber stand am Samstag die schweißtreibende Arbeit des Kuppelbaus an. Die Kalksteine, die großflächig um den Ofen verteilt herumlagen, insgesamt rund 750 Zentner, wurden teilweise noch maschinell verkleinert und per Hand den Hügel hinaufgeschleppt, um schließlich mit Hilfe des sogenannten Galgens per Hebelwirkung in die Grube abgelassen zu werden. Am Fuß der Grube hatten diesmal Anton Gröll und Markus Helminger die Ehre, die Kuppel bauen zu dürfen.

Das ist eine Arbeit, die nicht nur Kraft erfordert, sondern auch ein gutes Auge und viel Geschick. Denn die Kuppel muss nicht nur das enorme Gewicht der danach auf ihr gelagerten Kalksteine aushalten, sondern darf auch dann nicht einstürzen, wenn der Ofen brennt und die Steine an Masse verlieren. Letztlich ist – und das bestätigte auch Franz Gröll, der vor fünf Jahren am Aufrichten beteiligt war – das Aufschichten der Steine die entscheidende Arbeit.

Der Verein hat sich die Steine aus der näheren Umgebung organisiert, die traditionell sehr kalkhaltige Böden hat. Aus Baugruben bei Oberweißenkirchen, Brünning oder Polsing hat man sich in Absprache mit den Bauherren und Baggerfirmen die Steine beschafft und bei Dieperting angesammelt. Auch bei den Kanalarbeiten in der Umgebung fand sich mancher Kalkstein.

Was man neben den Kalksteinen noch braucht, ist Holz. Rund 100 Ster lagern in einem Schuppen neben dem Kalkofen. Dieses Holz stammt von landwirtschaftlichen Stadeln, die in den letzten Jahren abgerissen worden waren. Die 100 Ster werden wohl auch diesmal wieder weitgehend verbrannt werden, ehe aus den Steinen Kalk geworden ist. Der Verein hat dabei die Aufgabe, aus seinen etwas mehr als 20 aktiven Mitgliedern, von denen einige schon seit Jahrzehnten mit dabei sind, einen Heizdienst zu organisieren, der darauf achtet, dass das Feuer gleichmäßig brennt und vor allem nicht ausgeht.

Auch aus diesem Grund sorgt der Verein für ein Programm, damit die Arbeit nicht so eintönig ist und damit sich rundum etwas rührt. Aber die Bewirtung, die Musik und das sonstige Unterhaltungsprogramm soll auch Geld in die Kasse bringen. Diesmal kommt noch eine zusätzliche Aufgabe dazu. Die Damen der Mitglieder haben angeregt, dass ein großer Backofen gebaut wird, der mittlerweile im Rohbau schon fast fertig ist. Hier wollen sie dann während der Heizperiode Brot backen.

Nicht zuletzt soll auch mit dem geplanten Theater, um dessen Inhalt sich Franz Gröll kümmert und das zusammen mit Mitgliedern des Theatervereins aufgeführt werden soll, der jüngeren Generation nahegebracht wird, welch wichtige Tätigkeit das Kalkbrennen einst war. he