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Junge Union stellt eigene Ideen für neues Jugendzentrum vor

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Inzwischen ist es ein halbes Jahr her, dass sich die Traunsteiner im Rahmen eines Bürgerentscheids gegen die Sanierung der Güterhalle und für den Neubau eines Jugendzentrums ausgesprochen haben. Die Initiatoren haben jetzt einen Arbeitsbericht zur Möglichkeit eines Neubaus erstellen lassen. (Foto: Archiv Hohler)

Traunstein – Neuen Ärger gibt es derzeit um das neue Jugendzentrum und die Güterhalle. Die Initiatoren des Bürgerentscheids, Stadträtin Isabelle Thaler (CSU), Konrad Baur und Maximilian Röde von der Jungen Union, kritisieren, sie seien damit beauftragt worden, »qualifiziert zu ermitteln, ob ein Neubau für ein Jugendzentrum mit einer Nutzfläche von 565 Quadratmetern unter Berücksichtigung aller von der öffentlichen Hand zu beachtenden Rahmenbedingungen auf einem fiktiven Grundstück auf dem Bahnhofsareal für die Stadt zu günstigeren Gesamtkosten erreicht werden kann«.


Dies solle im Übrigen »auf Kosten der Initiatoren« erfolgen, schreibt die Junge Union (JU) Traunstein in ihrer Einladung zur Vorstellung ihres Arbeitsberichts zu ihrer Neubauplanung und entrüstet sich über »das absolute Novum, dass Arbeitsaufträge an Bürger delegiert werden.«

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Knackpunkte fehlender Grund und Strommasten

Knackpunkt war bisher immer das fehlende Grundstück. Pendlerparkplatz und Güterhallengelände, die der Stadt bereits gehören, kamen beide nicht infrage (wir berichteten). Der Pendlerparkplatz sei zum einen öffentlich gefördert worden – es müssten erhebliche Zuschüsse zurückgezahlt werden, müsste er dem neuen Jugendzentrum weichen – zum anderen beweise die Auslastung seine Notwendigkeit. Und drittens liege er sehr nah an der Wohnbebauung – Ärger mit Nachbarn wäre vorprogrammiert, so die Stadt.

Hauptproblem aber ist eine Vereinbarung mit der Deutschen Bahn, die einem Abriss der Güterhalle – die ihr zu einem Drittel gehört – aus Sicherheitsgründen nur zustimmen würde, wenn die beiden Strommasten versetzt würden. Die Kosten dafür bezifferte die Stadt in der Vergangenheit mit rund 360 000 Euro, die die Stadt wegen der dinglichen Sicherung der Masten zu zahlen hätte.

Eine Arbeitsgruppe aus Stadträten und Stadtverwaltung bemüht sich daher gemeinsam um Lösungen, etwa um den Kauf eines geeigneten Grundstücks für den Neubau eines Jugendzentrums. Festgelegt wurde im Rahmen der jüngsten Sitzung der Arbeitsgruppe, dass die Stadtverwaltung die Grundeigentümer am Bahnhofsareal nochmals anschreiben wird mit dem Hinweis, dass die Stadt auch an einer Fläche mit rund 1000 Quadratmetern interessiert wäre. »Diese Empfehlung wurde von Frau Thaler, der Vertreterin der CSU-Fraktion, ausgesprochen«, heißt es im Protokoll der Sitzung, das dem Traunsteiner Tagblatt vorliegt.

Weiter heißt es darin, die Stadtverwaltung habe darauf hingewiesen, dass aufgrund der »sehr allgemein gehaltenen Vorgaben zu einem Neubau (zum Beispiel keine Angaben zur Geschoßigkeit), der fehlenden Angaben zu einem Grundstück (zum Beispiel Zuschnitt/Lage) und der Beschlüsse des Stadtrates zum Raumprogramm nicht davon ausgegangen wird, dass 1000 Quadratmeter ausreichen.«

»Frau Thaler wird veranlassen, dass ...«

Die Initiatoren des Bürgerentscheids lesen aus der Formulierung »Frau Thaler wird veranlassen, dass von Seiten der Initiatoren und auf deren Kosten qualifiziert ermittelt wird, ob ein Neubau für ein Jugendzentrum (...) für die Stadt zu günstigeren Gesamtkosten (...) errichtet werden kann, als dies anteilig bei einer Sanierung der Güterhalle der Stadt wäre« einen konkreten Arbeitsauftrag heraus und machen auch mündliche derartige Aussagen geltend. Zugleich kritisiert Konrad Baur, es könne ja eigentlich nicht sein, dass die Stadt die Vertreter des Bürgerbegehrens auf ihre Kosten mit der Entwicklung von Alternativen beauftrage.

»Da im Arbeitsauftrag davon gesprochen wird, dass wir 'qualifiziert' Kosten ermitteln sollen und wir davon ausgehen, dass das Ingenieurbüro »Lechner Lechner« über ausreichende Qualifikation verfügt, werden wir uns bei der Kostenschätzung an den darin enthaltenen Einheitspreisen orientieren«, so Baur. »Zusätzlich arbeiten wir mit zwei weiteren Traunsteiner Ingenieurbüros zusammen, welche über ausreichend Fachqualifikation verfügen, die allerdings namentlich von uns nicht genannt werden.«

Alleine durch den zweckmäßigen Bau eines neuen Jugendzentrums – genau am künftigen Bedarf ausgerichtet – erwarten Baur und seine Mitstreiter eine Kostenminderung von rund 25 Prozent. »Ebenso haben wir bereits die Zusage für eine Förderung der Baukosten im mittleren sechsstelligen Bereich.« Mit den »Zielkosten« von rund 800 000 Euro »werden wir somit nicht nur konkurrieren können, sondern diese auch unterbieten können, genau wie im Bürgerentscheid beschlossen.«

»Zugestimmt, dass Thaler Nachweis zu führen versucht«

Oberbürgermeister Christian Kegel stellt allerdings auf Nachfrage des Traunsteiner Tagblatts schriftlich klar: »Ich habe keinen Auftrag in meiner Funktion als Oberbürgermeister erteilt. Innerhalb der Arbeitsgruppe wurde dem Vorschlag von Isabelle Thaler zugestimmt, dass sie auf eigene Kosten über ein qualifiziertes Büro den Nachweis zu führen versucht, dass ein Neubau des Jugendzentrums im Bahnhofsgelände kostengünstiger sein kann, als die (anteilmäßige) Sanierung der Güterhalle für ein Jugendzentrum.«

Wer sich für die Arbeitsergebnisse der Initiatoren des Bürgerentscheids interessiert, kann die öffentliche Vorstellung derselben am Mittwoch, 26. Oktober, um 20 Uhr im Hofbräustüberl am Stadtplatz besuchen, um sich selbst ein Bild zu machen. coho