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Junge Frühlinger würden gerne bauen

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Der Bürgerdialog zum Thema Erweiterung der Ortschaft Frühling im Studio des k1 war sehr gut besucht. Vor allem waren die Bürger von Frühling gekommen, um sich über die geplante Ausweisung zu informieren. (Foto: Rasch)

Traunreut – Sollte in Frühling Bauland ausgewiesen werden, würden dies vor allem die jungen Frühlinger begrüßen. Bei einem Bürgerdialog im k1-Studio, in dem es darum ging, den Ort zu entwickeln, äußerten rund zehn junge Frühlinger spontan Bauwünsche. Deutlich wurde aber auch, dass im Falle einer Ausweisung vorrangig Familien aus Frühling bauen können. Bürgermeister Klaus Ritter begrüßte es, dass die jungen Leute in ihrer Heimat bleiben möchten, hatte aber nicht mit den Bauwünschen gerechnet. »Das überrascht mich jetzt schon«, sagte Ritter. Die Überraschung als solche folgte auf die vorangegangene Diskussion. Elisabeth Theuschl forderte die jungen Frühlinger auf aufzustehen, die bereit wären, in Frühling zu bauen. Spontan erhoben sich die jungen Leute.


Über 30 000 Quadratmeter Bauland

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Wie wiederholt berichtet, hatte das städtische Bauamt eruiert, in welchem Umfang eine Bebauung in Frühling möglich wäre. Entsprechend dieses planerischen Ansatzes könnten im Süden, Westen und Osten über 30 000 Quadratmeter Bauland dazugewonnen werden. Dieser großzügige Ansatz würde aber auch bedeuten, dass sich das Ortsbild komplett verändern würde. Ob die Grundstücksbesitzer überhaupt bereit sind, ihren Grund und Boden für eine Bebauung zur Verfügung zu stellen, ist bis dato noch nicht geklärt.

Wie Ritter erklärte, habe der Stadtrat im Januar aufgrund einer Anfrage für ein Haus beschlossen, in Frühling mögliche Erweiterungsflächen auszuweisen. Daraufhin sei Stadtbaumeister Thomas Gätzschmann damit beauftragt worden zu eruieren, was maximal möglich wäre. Der jetzt vorliegende Ansatz sollte aber keine Intention in irgendeine Richtung sein. Es handle sich lediglich um einen planerischen Ansatz, erklärte Ritter. Er betonte auch: »Es wurde nichts hinter der Hand getroffen. Ich habe noch mit keinem Grundstücksbesitzer gesprochen.« Bevor überhaupt was passiert, habe der Stadtrat beschlossen, zunächst mit den Frühlingern zu sprechen.

Dass den Frühlingern das Thema auf den Nägeln brennt, zeigte der große Zuspruch beim Bürgerdialog. Das Studio im k1 war fast voll besetzt und die Frühlinger zeigten sich sehr diskussionsfreudig. Sie befürchten, dass durch eine großzügige Ausweisung der Charakter des Dorfes leiden könnte und nicht zuletzt durch den Verkauf der Grundstücke dem freien Immobilienmarkt Tür und Tor geöffnet werden könnte. »Ich habe große Angst, dass Frühling nicht mehr der beschauliche Ort bleibt«, befürchtete Stephan Hacker. Auch André Zitzelsberger und Alfons Danner warnten vor einer großflächigen Ausweisung: »So ein Dorf wie Frühling es ist, gibt es kaum mehr«, sagte Danner. »Es soll erst mal ermittelt werden, was wir für unsere Familien brauchen, wenn die Kinder hier bleiben möchten«, regte Peter Glück an.

Die Grundstücksfrage war generell ein beherrschendes Thema. »Sind die Grundstücksbesitzer überhaupt bereit, ihre Grundstücke zur Verfügung zu stellen?, fragte Stephan Mirbeth. Veronika Danner mutmaßte, dass die Grundstückspreise aufgrund der traumhaften Lage in die Höhe schnellen könnten. »Wenn Fremde das Dreifache bezahlen, dann kommen junge Einheimische nicht mehr zum Zug«, befürchtete die junge Frühlingerin. Engelbert Danner ist einer von vier Grundstücksbesitzern: »Ich kenne die Meinung der anderen Grundstücksbesitzer nicht, jeder kann machen, was er will«, sagte er und fügte hinzu, er selbst möchte aber keinen »Münchner« auf seinem Baugrund haben. »Außer es ist ein Münchner, der mit meiner Tochter verheiratet ist.«

Einheimischen-Modell kommt nicht in Frage

Auf mehrmalige Anfrage stellte Bürgermeister Ritter klar, dass die Stadt keine Grundstücke erwerben möchte und auch kein sogenanntes Einheimischen-Modell in Frage komme. Die Grundstücke sollen von den Besitzern selber vermarktet werden. »Jeder Grundstückseigentümer legt fest, wer was kriegt«, sagte Ritter. »Erst wenn wir wissen, wer bereit ist, ein Grundstück zur Verfügung zu stellen, kann eine entsprechende Bauleitplanung aufgemacht werden.« Dazu gehören auch ein Verkehrskonzept, das von Christian Theuschl angesprochen wurde, sowie der Erhalt des ländlichen Charakters. Die jetzt gesammelten Erkenntnisse sollen zunächst dem Stadtrat zur weiteren Diskussion vorgelegt werden. Erst dann soll Kontakt mit den Grundstücksbesitzern aufgenommen werden.

Ob das Konzept von Frühling auch auf andere Ortschaften umgestülpt werden könnte, wollte Johannes Gallinger wissen. Darüber müsse noch nachgedacht werden, meinte dazu der Bürgermeister. Dass es in der Stadt Traunreut an Bauland fehle, sei unbestritten, sagte Ritter. »Wir haben ein großes Problem. Der Bedarf ist enorm. Wir bräuchten 50 oder gar 100 Bauplätze.« ga