weather-image

Junge Familie bleibt wohl auf Schaden sitzen

3.7
3.7
Bildtext einblenden
Martin Hager, seine Frau Alexandra und ihr einjähriger Bub Sebastian vor ihrem VW Caddy. Der Wagen ist erst zwei Jahre alt.
Bildtext einblenden
Eine große Delle und einige Kratzer: Die Spuren des Unfalls sind deutlich zu sehen.

Unterwössen – Die Familie Hager aus Unterwössen bleibt wohl auf einem Unfallschaden sitzen. Ein Asylbewerber war Ende Juni in Grassau mit seinem Fahrrad in ihr Auto gekracht. Doch der junge Senegalese hat – wie praktisch alle Asylbewerber – keine Haftpflichtversicherung. Was das generelle Problem betrifft, scheint sich niemand zuständig zu fühlen.


Martin Hager, seine Frau Alexandra und ihr einjähriger Bub Sebastian hatten am letzten Juni-Samstag in Grassau ihren Wochenendeinkauf erledigt. Als sie mir ihrem VW Caddy auf dem Parkplatz eines Getränkemarkts standen, fuhr ein Asylbewerber mit seinem Fahrrad in ihr Auto. Die Unterwössner und der junge Senegalese überstanden den Unfall glücklicherweise unverletzt, allerdings hatte der VW eine Delle an der Beifahrertüre und etliche Kratzer, unter anderem am Kotflügel und an der Motorhaube. »Ich bin zwar kein Gutachter, aber ich schätze den Schaden auf rund 4000 Euro«, sagt der 33-jährige Martin Hager.

Anzeige

Bisher konnte niemand weiterhelfen

Heute, zwei Wochen nach dem Unfall, befürchtet er, dass er auf dem Schaden sitzen bleiben wird. Als die Polizei den Unfall aufgenommen hatte, erhielt er die Telefonnummer der Betreuerin der Grassauer Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber. Die Frau nahm auch alle Daten auf und schickte diese an die Regierung von Oberbayern weiter. Eigentlich hieß es, dass sich von dort jemand bei der Familie Hager melden wird. Doch als er eine Woche später immer noch nichts gehört hatte, ergriff Martin Hager die Initiative und rief selbst in München an. Dort sei ihm »ohne jegliches Verständnis geschildert worden, dass wir keinerlei Ansprüche haben und niemand für unseren Schaden aufkommt«, erinnert sich der Familienvater. Asylbewerber, so die Auskunft aus der Landeshauptstadt, hätten nämlich keine Haftpflichtversicherung.

»Das war ein großer Schock für uns«, erzählt Martin Hager. Schließlich hatte sich die junge Familie den VW Caddy erst vor einem Jahr als Jahreswagen gekauft – und einen Großteil ihrer Ersparnisse in das Fahrzeug gesteckt. Die Unterwössner nahmen darum Kontakt zu einer Rechtsanwältin auf – doch auch sie konnte fürs erste nichts erreichen. Im Traunsteiner Landratsamt bekam sie die Auskunft, dass es für Asylbewerber auch keine Gruppenhaftpflichtversicherung seitens der Behörde gebe. Asylbewerber hätten nur für den Notfall eine Krankenversicherung.

Eigene Kaskoversicherung als letzte Möglichkeit

Die letzte Möglichkeit, die der Familie Hager nun für eine Kostenübernahme bleibt, ist, den Schaden über die eigene Kaskoversicherung zu regeln. »Ich hoffe, dass wir da noch weiterkommen«, sagt Martin Hager. Dass er sich auch an die Presse gewandt hat, hat zweierlei Gründe: Freilich zum einen, weil er und seine Frau Alexandra »sehr enttäuscht sind, dass wir einfach so abgespeist werden, ohne Kostenübernahme«. Auf der anderen Seite will er aber auch die Öffentlichkeit auf das generelle Problem aufmerksam machen.

»Was ist, wenn ein kleines Kind von einem Asylbewerber mit dem Rad umgefahren wird und das Kind dann bleibende Schäden hat? Die Eltern sind dann total verlassen«, sagt Martin Hager. Oder er denkt auch an Senioren. »Was ist, wenn die nach einem Unfall im Pflegeheim landen?« Die Situation, so das Fazit des Unterwössners, sei »einfach nicht tragbar«.

Tatsächlich ist es schwierig, was das generelle Problem betrifft, jemanden zu finden, der sich zuständig fühlt. Eine Anfrage des Traunsteiner Tagblatts leitete die Pressestelle der Regierung von Oberbayern gestern an die Pressestelle des Bayerischen Sozialministeriums weiter – mit dem Hinweis, dass »es sich um eine grundsätzlich rechtliche Frage handelt, die Asylbewerber in ganz Bayern betrifft«.

Aber auch das Sozialministerium hat nicht mehr zu dem Vorfall zu sagen, als ein paar allgemeingültige Sätze. »Generell gilt in Deutschland, wer einen Schaden schuldhaft verursacht, ist zum Schadensersatz verpflichtet. Hier gilt auch keine Besonderheit für Asylbewerber«, heißt es in der Antwort an unsere Zeitung. Darüber hinaus bestehe keine Pflicht zum Abschluss einer Haftpflichtversicherung. »Dies gilt auch für Asylbewerber, die ebenso wie viele andere Mitbürgerinnen und Mitbürger nicht alle über eine Haftpflichtversicherung verfügen.«

Eine »subsidiäre Einstandspflicht des Staates oder der Kommunen« bestehe in diesen Fällen nicht, heißt es weiter. Die Antwort schließt mit dem Satz: »Im Streitfall steht dem Geschädigten immer der Rechtsweg offen.« Verständlich, dass diese Aussagen auch die Familie Hager nicht weiterbringen. »Es bringt ja nichts, in eine leere Tasche zu greifen«, stellt Martin Hager fest. san