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Jugendstrafrecht für mutmaßlichen WM-Mörder?

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Der Angeklagte wird von seinem Anwalt Harald Baumgärtl vertreten. Foto: Kretzmer

Traunstein – Um die Persönlichkeit des Angeklagten und die Sanktionen im Fall der Verurteilung ging es am Montag im Schwurgerichtsprozess der Jugendkammer am Landgericht Traunstein.


Der 21-jährige Ex-Soldat, der mutmaßlich den Mord an einem 72-jährigen Mann und den versuchten Mord an einer inzwischen 18-jährigen Auszubildenden am 14. Juli 2014 in Reichenhall auf dem Gewissen hat, war einerseits laut Gutachten voll schuldfähig. Andererseits wies er zu den Tatzeiten deutliche Reifeverzögerungen auf, die den damals 20-Jährigen einem Jugendlichen gleichstellten. Somit sei laut dem Gutachten Jugendstrafrecht anzuwenden. Außerdem sei die Wiederholungsgefahr für ähnliche Verbrechen groß. Sicherungsverwahrung im Anschluss an eine Jugendstrafe könnte in Betracht kommen.

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Der im Oktober 2014 von der Bundeswehr wegen des Tatverdachts entlassene Hauptgefreite sprach am siebten Verhandlungstag kein Wort. Gegenüber der Vertreterin der Jugendgerichtshilfe, Sabine Kreutzer-Mühlthaler, hatte er ebenfalls nichts zu den Taten erzählt. Bei dem psychiatrischen Sachverständigen, Dr. Matthias Hollweg von der Justizvollzugsanstalt München-Stadelheim, hatte er sich hingegen etwas geöffnet. Der Gutachter zitierte Äußerungen des 21-Jährigen: »Nach dem Endspiel war ich gut gelaunt und froh. Meine Stimmung änderte sich nicht.« In den frühen Morgenstunden habe er sich hinsichtlich Alkohols »ganz normal gefühlt«, nur ein bisschen angeschwipst.


Dr. Hollweg berichtete im Gerichtssaal am Montag aber auch, dass der Soldat ihm von einem »Blackout« erzählt habe. An die Vorfälle habe der Ex-Soldat »nicht viel Erinnerung«, wisse nur noch »Bruchstücke« wie, dass er einen Hang hoch gelaufen sei. »Wie in einem Film«, sagte der 21-Jährige gegenüber Dr. Hollweg.


Die in der WM-Nacht konsumierte Alkoholmenge bezifferte der 21-Jährige bei dem Sachverständigen mit lediglich vier bis sechs Halbe Bier. In Zeugenaussagen war bisher von zehn Halben Bier in der Nacht die Rede. Ein anderer Gutachter, Professor Dr. Fritz Priemer aus Wonneberg, hatte aus den höheren Trinkmengen Blutalkoholwerte von 2,4 bis über drei Promille errechnet.

Oberstaatsanwalt Volker Ziegler und Staatsanwalt Björn Pfeifer sowie die Vertreter der Nebenklage stellten die Anwendung von Jugendstrafrecht in Frage und wollten auf Erwachsenenstrafrecht hinaus. Zustimmend reagierte hingegen Verteidiger Harald Baumgärtl aus Rosenheim. - kd

Mehr vom Prozesstag am Montag lesen Sie am Dienstag, 28. April, in den Ausgaben von Traunsteiner Tagblatt und Berchtesgadener Anzeiger.