weather-image
26°

Jugendsozialarbeit an zwei weiteren Schulen

1.0
1.0
Bildtext einblenden
Dass die Jugendsozialarbeit an Schulen zu einer deutlichen Verbesserung der Problemlagen beitragen kann, sieht die Mehrheit der Befragten so. Der Jugendhilfeausschuss stimmte daher auch den beiden neuen Stellen an der Grundschule Grassau und der Mittelschule Schnaitsee zu. (Symbolbild: AWO)

Traunstein – An der Mittelschule Schnaitsee und der Grundschule Grassau wird die im Landkreis Traunstein bereits sehr erfolgreich laufende »Jugendsozialarbeit an Schulen« (JaS) eingeführt.


Der Jugendhilfeausschuss hat dazu in seiner gestrigen Sitzung den Weg jeweils einstimmig frei gemacht. Die beiden Anträge waren der Anlass dazu, das JaS-Angebot im Ausschuss ausführlich vorzustellen. Es war vor über zehn Jahren erstmals an einer Schule im Landkreis eingeführt worden. Seitdem ist die Zahl der JaS-Schulen auf 20 gestiegen.

Anzeige

»Oft bekommen wir die Frage gestellt, wie erfolgreich diese Projekte im Endeffekt sind. Präventionsmaßnahmen sind nicht immer einfach zu messen«, hatte Jugendamts-Leiter Franz Feil in der Sitzungsvorlage formuliert. Deshalb habe das bayerische Sozialministerium eine Evaluation der Jahre 2012 bis '14 in Auftrag gegeben. Deren Ergebnisse sind laut Feil »sehr interessant, durchaus erfreulich und untermauern den Weg, den der Landkreis Traunstein in diesem Bereich in den vergangenen Jahren gegangen ist«. Stefan Dufter vom Jugendamt stellte dem Ausschuss jetzt die wichtigsten Ergebnisse vor.

Derzeit werden 20 Projekte im Landkreis bezuschusst

Demnach werden aktuell 20 JaS-Maßnahmen im Landkreis durch das bayerische Förderprogramm bezuschusst. Alle Mittelschulstandorte mit den Jahrgangsstufen fünf bis neun oder mit M-Zug verfügten über eine JaS-Stelle – mit Ausnahme von Unterwössen und bisher Schnaitsee. Dazu kommen die Berufsschulen I, II und III in Traunstein sowie die Förderschulen in Traunstein und Traunreut. JaS gibt es ferner an beiden Grundschulen in Traunreut, ab September an der Grundschule Trostberg – und nach dem aktuellen Beschluss bald auch in Grassau.

Bei der Evaluation waren Schüler, Familien, JaS-Fachkräfte und Lehrer in ganz Bayern befragt worden, ob sich aus ihrer Sicht Problemlagen, Noten und Sozialverhalten verbessert haben. Die Rückmeldungen waren positiv: Die große Mehrheit sah eine deutliche oder zumindest teilweise Verbesserung. Die Werte einer geringen oder gar keiner Verbesserung lagen bei jeweils unter zehn Prozent. Fachkräfte waren etwas kritischer als Kinder und Eltern. »Sie haben offensichtlich höhere Maßstäbe und gehen nicht euphorisch, sondern sehr realistisch mit ihrer eigenen Arbeit um«, lobte Dufter.

Analysiert wurden auch die Gründe, warum die jungen Menschen Unterstützung brauchten. Ursachen in der individuellen Persönlichkeit, in der Familie und im sozialen Umfeld machten dabei 80 Prozent aus. Probleme beim Übergang von Schule in Beruf, im gesundheitlichen Bereich, in der Ausbildung oder Arbeit, im wirtschaftlichen Bereich oder in der Partnerschaft spielten nur eine untergeordnete Rolle. Weit über die Hälfte der betreuten Jugendlichen haben mindestens einen Elternteil mit ausländischer Herkunft, in mehr als einem Viertel der Haushalte werde nicht Deutsch gesprochen. Bei mehr als einem Drittel aller betreuten Schüler habe die JaS-Fachkraft Erziehungshilfe angeregt.

»Zahlen lassen keinen Zweifel an der Wirksamkeit«

»Die Zahlen lassen keinen Zweifel an der Wirksamkeit von JaS«, lautete Dufters Fazit. Man bekomme auch Zugriff auf Kinder, die außerschulisch Probleme hätten und ansonsten vom Jugendamt schwer zu erfassen seien, weil die Schwelle viel niedriger sei. So könne man früh und effektiv eingreifen, »bevor es zur großen Eskalation kommt«.

Die »beeindruckenden Ergebnisse« (Marianne Penn, Grüne) gaben auch den Ausschlag, die Anträge der Grundschule Grassau und der Mittelschule Schnaitsee einstimmig zu billigen – sofern die jeweiligen Kommunen 20 Prozent der Gesamtkosten tragen.

Im Grassauer Fall liegen diese für eine Vollzeitstelle bei 35 000 Euro. Dort besuchen 244 Schüler die ersten vier Klassen. Durch das Inklusionsprofil haben 17 Kinder, teils auch aus benachbarten Orten, einen hohen sonderpädagogischen Förderbedarf. Vier Kinder haben eine Schulbegleitung, fast ein Drittel aller Schüler Migrationshintergrund. Die Schulleitung habe von vermehrten Problemen berichtet, die die seelische Entwicklung und Gesundheit der Kinder gefährden, wie es in der Sitzungsvorlage hieß.

Häufig seien zerrüttete Elternhäuser die Ursache. Leistungsdruck beim Wechsel auf weiterführende Schulen und problematisches Sozialverhalten tun das Ihre, bei Kindern aus Asylbewerberfamilien komme die Belastung einer drohenden Abschiebung dazu. Das Jugendamt ließ keinen Zweifel daran, dass der Bedarf für JaS gegeben sei. Die Schule habe alles in ihrer Macht Stehende versucht, die Möglichkeiten der Lehrer reichten jedoch nicht aus, versicherte Feil.

Das gelte auch für die Mittelschule Schnaitsee, für die eine 30-Stunden-Stelle mit Kosten von 25 000 Euro gebilligt wurde. 110 Schüler der Jahrgangsstufen fünf bis neun werden unterrichtet. Darunter sind zwei Kinder aus Asylbewerberfamilien – Tendenz deutlich steigend, da eine Unterkunft mit fast 100 Plätzen gebaut wurde. Die Schulleitung habe verstärkt soziale und disziplinäre Probleme beobachtet, hieß es in der Sitzungsvorlage.

Die Ursachen seien meist nicht schulischen Ursprungs, immer wieder müsse bei Krisen interveniert werden. Wegen Mobbings habe sogar schon öfter die Polizei eingeschaltet werden müssen: »Gegen einen Schüler musste Anzeige erstattet werden, ein anderer wurde von der Schule verwiesen, eine weitere Schülerin hat die Schule freiwillig verlassen.«

Versagensängste als Ursache weiterer Schwierigkeiten

Konflikte im Elternhaus, Schwierigkeiten beim Übergang in den Beruf, schulische Misserfolge und damit verbundene Versagensängste, die zum Teil in Leistungsverweigerung gipfelten, sieht die Schulleitung als Ursachen für teils sehr problematisches Sozialverhalten, das den Unterricht deutlich erschwere. Auch im Drogenbereich müsse man intervenieren, speziell im Bereich der sogenannten »Legal Highs«. Die Bemühungen der Schule sollen von der JaS gestützt werden, der Bedarf war aus Sicht des Jugendamts unstrittig.

Der Schulsprengel erstreckt sich bis Babensham im Landkreis Rosenheim. Stephan Bierschneiders Frage, ob der Nachbarlandkreis mitzahle, verneinte Feil: »Der Sitz der Schule ist bei uns im Landkreis und damit sind wir für die JaS zuständig.« Der Freistaat Bayern erstatte für eine Vollzeitstelle pauschal 16 360 Euro, für eine halbe Stelle 8180 Euro. rse