weather-image
20°

Jugendparlament soll gegründet werden

1.0
1.0

Traunstein – Erstmals in der 70-jährigen Geschichte des Landkreises Traunstein wird es ab Herbst 2015 ein Jugendparlament geben. Das beschloss der Kreisjugendhilfeausschuss gestern einstimmig.


Das neue Gremium setzt sich aus 40 ehrenamtlich tätigen Mitgliedern, darunter 31 Jugendliche zwischen 14 und 21 Jahren, zusammen. Ziel soll sein, Politikverständnis zu wecken, Politik für junge Leute erlebbar zu machen und generell die Belange der jungen Bürger in der Gesellschaft zu stärken.

Anzeige

Großes Angebot im Landkreis

»Durch ein Jugendparlament erhalten bereits junge Menschen die Möglichkeit, verantwortungsbewusst an politischen Entscheidungsprozessen in ihrem Umfeld mitzuwirken, von denen sie als Erwachsene selbst betroffen sein werden«, sagte Landrat Siegfried Walch. Vor allem junge Bürger hätten ein erhöhtes Bedürfnis, komplexe Vorgehensweisen praktisch zu erleben – um sie zu verstehen und sich dafür interessieren zu können.

Der Landkreis Traunstein zeichne sich durch ein breitgefächertes Angebot an Jugendarbeit in den Kommunen aus, so Walch weiter. Zu einer ausgewogenen, bedarfsgerechten sozialen Infrastruktur für Kinder und Jugendliche zählen Angebote wie Ferienprogramme, Jugendkultur und unterschiedliche Projekte, die Einrichtungen der Kinder- und Jugendarbeit, Partizipationsmöglichkeiten wie Jugendstammtische, Jugendforen und Jugendwerkstatt oder auch Veranstaltungen des Kreisjugendrings. Dazu kämen die Jugendarbeit in Vereinen, Verbänden und Initiativen sowie die Jugendorganisationen der Parteien und Wählergruppen.

Ein Jugendparlament schafft nach Worten des Landrats die Chance, politische und gesellschaftliche Zusammenhänge nachvollziehbarer zu machen. Jugendliche könnten sich stärker mit dem demokratischen Gemeinwesen ihres Lebensumfelds, aber auch mit »ihrem Landkreis, ihrer Heimat« identifizieren. Weiterer wichtiger Punkt sei: »Die Arbeit des Jugendparlaments soll sicherstellen, dass die Belange von Kindern und Jugendlichen nicht übersehen werden.«

Die wesentlichen Grundsätze des Jugendparlaments erläuterte Florian Amann vom Landratsamt. Die Wahlperiode soll ein Schuljahr umfassen. Jeweils zwei Sitzungen sollten in dieser Zeit stattfinden. Den Vorsitz wird der Landrat beziehungsweise seine Stellvertreter haben. Mitglieder sind eine festgelegte Zahl von Schülersprechern (mindestens zehnte Klasse) sowie sechs Jugendvertreter aus dem Kreistag und drei Jugendvertreter vom Kreisjugendring Traunstein. Das Parlament solle »frei sein in der Wahl seiner Themen und Anträge.« Mehrheitsbeschlüsse sollten als Empfehlungen für die Kreisgremien dienen. »Jede Stimme wird gehört«, hob Amann heraus. Mit Blick auf die stetig zurückgehende Beteiligung an Wahlen solle das Interesse an Politik geweckt werden – auch hinsichtlich künftiger Kandidaten für kommunale Ämter. Das Kreisjugendamt am Landratsamt wird die Geschäftsführung des Jugendparlaments übernehmen. Angemessene Haushaltsmittel, zum Beispiel Beförderungskosten, sollten eingeplant werden.

In der Diskussion hatten die Ausschussmitglieder einige Ergänzungswünsche. So sollten nach Markus Schupfner, Bayernpartei, und Andreas Huber, ÖDP, nicht nur sechs Kreisräte in das Jugendparlament entsandt werden, sondern acht, und damit Vertreter aller Parteien und Gruppierungen. Dafür fand sich am Dienstag keine Mehrheit. Kurt Stemmer vom Bayerischen Roten Kreuz forderte mehr Vertreter des Kreisjugendrings, während Georg Schmid vom Kreisjugendring Repräsentanten der Vereine vermisste. Dazu der Landrat: »Um Gottes Willen. Lasst uns nicht alles abwürgen durch übertriebene Diskussionen im Vorfeld. Lasst uns starten. Dann könnt Ihr sagen, was wir falsch gemacht haben.«

»Unterschätzt die Jugend nicht«

Vize-Landrätin Resi Schmidhuber, CSU, erinnerte, in vielen Städten und Gemeinden habe es bereits Jugendparlamente gegeben. Manche seien eingeschlafen. Durch den Start auf Kreisebene würden sie vielleicht wieder aktiv. Mehrere Ausschussmitglieder wie Marianne Penn von den Grünen begrüßten die Initiative: »Eine spannende Aufgabe, packen wir es an.«

»Vor 20 Jahren war ein Jugendparlament ein No-Go«, rief Margarete Winnichner vom Diakonischen Werk ins Gedächtnis. Sie mahnte: »Unterschätzt die Jugend nicht. Je weniger etablierte Menschen in dem Parlament sind, desto besser ist es. Angesichts der demografischen Entwicklung tun wir gut daran, Jugendlichen eine Plattform zu geben.« kd