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Jugendparlament entfachte längere Diskussion

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Traunreut. Jugendliche sollen sich aktiv in der Kommunalpolitik einbringen. Dieses Ziel verfolgt der Kreisjugendring. Zehn Politiker auf Kreisebene und die Bezirksschülersprecherin Leslie Stumhofer stellten sich im Johannes-Heidenhain-Gymnasium deshalb nun bereits zu dritten Mal den Fragen des jungen Publikums.


»Was bewegt ihr für uns?« lautete das Thema der Veranstaltung. Der Stellvertretende Vorsitzende des Kreisjugendrings, Georg Schmid, brachte es auf den Punkt: »Engagiert euch, setzt euch ein, denn es ist eure Zukunft, die ihr gestalten könnt.« Auf dem Podium saßen der Stellvertretende Landrat Sepp Konhäuser, Helmut Kauer (ÖDP), Alfons Baumgartner (Bayernpartei), Traunreuts Bürgermeister Franz Parzinger, Christian Schnorbusch (Jungliberale), Sandra Sonntag (FDP), Dirk Reichenau (SPD), Siegi Walch (CSU), Sepp Hohlweger (Bündnis 90/Die Grünen), Dr. Lothar Seissiger (FW) und die Schülersprecherin Leslie Stumhofer. Christian Hanreich moderierte die Diskussion.

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Teils katastrophale Zustände im Heidenhain-Gymnasium

Zu den, laut einer Schülerin, teils katastrophalen Zuständen in den stark sanierungsbedürftigen Gebäuden des Johannes-Heidenhain-Gymnasiums gab Sepp Konhäuser bekannt, dass noch in diesem Herbst Teile des Gymnasiums abgerissen werden. Ein teilweiser Neubau und eine Generalsanierung der restlichen Gebäudeteile würden in den nächsten Jahren durchgeführt, geplante Fertigstellung sei 2017. Der Stellvertretende Landrat appellierte wie Bürgermeister Franz Parzinger auch an die Geduld der Schüler, da so eine große und teure Maßnahme nicht »von heute auf morgen« durchzuziehen sei.

Noch länger warten müssen nach Aussage der anwesenden Kreistagsmitglieder auch die Schüler am Traunsteiner AKG, die sich eine Turnhalle wünschen, um nicht so viel Zeit mit den Transfers zu den Sportstätten zu vergeuden. Wie Konhäuser ausführte, gebe es für derartige große Bauvorhaben jedoch eine feste Reihenfolge entsprechend des Finanzplanes. Nach dem Traunreuter Gymnasium seien erst noch Maßnahmen am Trostberger Gymnasium an der Reihe, ehe die Turnhalle für das AKG in Angriff genommen werden könne. Parzinger führte aus, dass der Landkreis sich nicht endlos verschulden wolle und daher manche Maßnahmen verschoben werden müssten.

Ein großes Problem gerade an den Schulen in Traunreut sprach Katharina Schmidt an. Die Busse seien morgens und mittags total überfüllt, sagte sie. Konhäuser verwies darauf, dass derzeit ein neues Konzept für den ÖPNV im Landkreis erstellt werde und er die Ausführungen der Schülerin zu den Schulbussen in der betreffenden Abteilung im Landratsamt einbringen werde.

Für leichte Verwunderung bei den Politikern sorgte eine junge Dame mit ihrer Frage, warum in Traunstein »schon« um 4.30 Uhr Sperrstunde ist und ob man diese nicht ganz aufheben könnte. Parzinger führte dazu aus, dass die Sperrstunde Sache jeder einzelnen Kommune sei und die Polizei generell für eine Sperrstunde sei, weil gerade in den Nachtstunden zwischen drei und fünf Uhr die schlimmsten Unfälle passierten.

Zu einer längeren Diskussion mit kontroversen Meinungen kam es bei der Frage nach der Einrichtung eines offiziellen Jugendparlamentes im Landkreis. Für Sepp Konhäuser ist eine wichtige Voraussetzung dafür erst einmal die Einführung von Jugendparlamenten in den Gemeinden. »Die Aktivität muss von unten nach oben gehen. Die Jugendlichen müssen erst einmal formulieren, ob sie so etwas wollen und wie es aussehen soll«, sagte er.

Sandra Sonntag dagegen würde sich wünschen, dass die Initiative für ein Jugendparlament vom Kreistag aus geht: »Die Jugendlichen wollen sich schon einbringen, sie haben nur bisher keine Plattform dafür.« Für Helmut Kauer müsste erst einmal geklärt werden, welche Aufgaben so ein Gremium hätte und inwieweit es Mitspracherecht bekäme, damit nicht am Ende eine »Pseudoveranstaltung« daraus wird.

Dirk Reichenau stellte fest, dass die Jugendlichen sich selber erst ein Konzept erarbeiten müssten und damit dann auf die Politiker zugehen könnten. Der Kreisjugendring erarbeitet derzeit ein Konzept für ein mögliches Jugendparlament. »Einen Anfang haben wir ja schon mit diesen Podiumsgesprächen gemacht«, erklärte Georg Schmid.

Kritische Stimmen zum »Intensivierungsjahr«

Auch das Intensivierungsjahr an Gymnasien war ein Thema. Dr. Robert Anzeneder, Direktor des Johannes-Heidenhain-Gymnasiums, erklärte, das Kultusministerium plane, dass die Gymnasiasten künftig entscheiden können, ob sie in der Mittelstufe ein weiteres Jahr mit weniger Wochenstunden einlegen und damit wieder einen neunjährigen Aufenthalt am Gymnasium erreichen wollen. Leslie Stumhofer nennt diese Version ein »Schein-G-9« und bezweifelt daran, ob sich überhaupt Schüler dafür entscheiden werden. mix