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Jugendliche diskutierten mit Traunreuter Stadträten

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Traunreut – Zweimal im Jahr organisiert der Kreisjugendring Traunstein eine Podiumsdiskussion mit unterschiedlichen politischen Themen und bietet damit Jugendlichen eine Plattform, um der Politik ihre Wünsche und Ansichten näher zu bringen. Diesmal stellten Schülerinnen und Schüler des Johannes-Heidenhain-Gymnasiums, der Walter-Mohr-Realschule und der Werner-von-Siemens-Mittelschule Fragen an Traunreuter Stadträte und Bürgermeister Klaus Ritter. Die dabei vorgebrachten Themen sind nicht nur für junge Menschen in der Stadt von Interesse.


Die jungen Damen und Herren hatten sich bestens auf den Abend vorbereitet und konfrontierten die Stadträte gleich zu Beginn mit der Frage, ob es nicht doch eine Möglichkeit gebe, das Freibad während der Bauarbeiten am Nichtschwimmerbecken im nächsten Sommer offen zu halten. In den Antworten der Stadträte zeigte sich deutlich, dass man sich auch im Gremium nicht einig ist. Klaus Ritter sagte, dass durch die komplette Schließung des Bades während der Bauzeit rund 50 000 Euro eingespart werden könnten, dass die Baumaßnahme ohne Publikumsverkehr schneller durchgezogen werden könne und verwies außerdem auf das Haftungsproblem bei einem eventuellen Unfall.

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Jugendreferentin Andrea Haslwanter würde es begrüßen, wenn bei einer kompletten Schließung gleich eine Generalsanierung durchgeführt würde, die auch das Gebäude mit den Umkleiden und dem Kiosk mit einbezieht. Reinhold Schroll verwies darauf, dass erst einmal der Ausgang des angestrebten Bürgerbegehrens abgewartet werden müsse. »Dann sehen wir weiter.«

»Ihr könnt keinen Automatismus erwarten«

Ein weiteres Thema, das sehr ausführlich und konträr diskutiert wurde, war die nach Ansicht der Jugendlichen mangelhafte Kommunikation zwischen Stadt und jungen Leuten. Sie wüssten meist gar nicht, was geboten sei. Eine Schülerin schlug vor, dass die Stadt Traunreut Facebook nutzen sollte.

Aus Gründen des Datenschutzes sehe er die Nutzung von Facebook für eine öffentliche Einrichtung wie die Stadt sehr problematisch, sagte Bürgermeister Klaus Ritter. »Eine App wäre vielleicht eine Möglichkeit«, so sein Vorschlag. Im weiteren Verlauf der Wortmeldungen wurde jedoch deutlich, dass die Jugendlichen sich selber die Informationen, die für sie von Interesse sind, besorgen müssten. Herbert Kusstatscher formulierte es sehr deutlich: »Ihr könnt keinen Automatismus erwarten. Informationen werden nicht nach dem Gießkannenprinzip verteilt, da müsst ihr euch schon selber drum kümmern.« Für Sepp Winkler ist die genannte mangelhafte Kommunikation gar eine »Alibi-Aussage«, denn bei den Veranstaltungen der Parteien zur Kommunalwahl oder übers Jahr seien auch nie Jugendliche zu sehen. Wenn sie Interesse hätten, bräuchten sie doch nur dort hinzugehen. Für Hans Danner gilt: »Man kommt nicht drum herum, sich Informationen von verschiedenen Seiten einzuholen. Das kann auch sehr spannend sein, probiert es mal aus.«

»Es gibt sehr viele Falschparker«

Dass sich die jungen Leute auch mit dem Verkehr in der Stadt befassen, zeigte die Wortmeldung eines Gymnasiasten. Er monierte, dass an verschiedenen Straßen im Stadtgebiet die Autos am Rand parken und der Verkehr um sie herum geführt werden muss. »Es gibt sehr viele Falschparker in der Stadt, die trotz Halteverbot an den Straßenrändern stehen«, so die Meinung des Schülers. Das war das Stichwort für Verkehrsreferent Roger Gorzel, der für eine kommunale Verkehrsüberwachung plädierte. Die Polizei habe einfach nicht die Zeit, alle Falschparker zu überwachen. Deshalb sei er gerade dabei, zu überprüfen, inwieweit eine Überwachung in Händen der Kommune machbar und sinnvoll sei.

Reinhold Schroll gab zu bedenken, dass durch die parkenden Autos der Verkehr automatisch eingebremst werde, und Martin Czepan erklärte: »Eine Gefahr geht immer vom fahrenden Auto aus und nicht vom parkenden.« Für ihn sollten überhaupt viel mehr Flächen verkehrsberuhigt sein. Er regte eine Fußgängerzone im Stadtkern an.

Einen völlig überraschenden Vorschlag gab es schließlich am Ende der sehr lebhaft geführten Diskussion. Die Schüler fragten nach, was aus der geplanten Instandsetzung des Bolzplatzes am Weisbrunner Waldfeld geworden ist. Im Haushalt 2014 waren Gelder dafür eingestellt, es ist jedoch bisher nichts geschehen. Ohne über die dafür anfallenden Kosten Bescheid zu wissen, meinte der Schülersprecher des Gymnasiums, man könnte eventuell nach amerikanischem Vorbild »einen Käfig« anstelle des Bolzplatzes errichten. Die Jugendlichen bräuchten nach seinen Angaben keine Wiese, ein betonierter Hartplatz zum Ballspielen reiche aus. Und mit einem hohen Zaun drum herum wäre gewährleistet, dass keine Anwohner durch fliegende Bälle gestört würden. Außerdem wäre so ein Platz auf lange Sicht angelegt und es entstünden nur geringe Instandhaltungskosten. Bürgermeister Klaus Ritter war völlig überrascht über diesen Vorstoß und versprach, die Machbarkeit und die Kosten prüfen zu lassen.

Projekt »Grün statt Gelb«

Im Rahmen der Podiumsdiskussion stellten sechs Schülerinnen des Johannes-Heidenhain-Gymnasiums ihr Projekt »Grün statt Gelb« vor. Sie entwickelten im Rahmen eines P-Seminars Ideen, wie die Aufenthaltsqualität in der Marktstraße in Traunreut verbessert werden könnte. Daraus entstand ein Konzept für einen »schönen zweiten Stadtplatz im Herzen der Stadt«, wie es die jungen Damen nennen. Mit Sitzbänken, Blumenbeeten und Wasser würden sie das Areal aufwerten. Der Entwurf soll demnächst dem Stadtbaumeister vorgelegt und anschließend im Stadtrat präsentiert werden. Der Wunsch der Schülerinnen wäre es, dass ihre Ideen in naher Zukunft umgesetzt werden. Bei einer Präsentation am 17. Dezember im Gymnasium stellen sie ihre Ideen vor. mix