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Jubel für die Gladiatoren der Moderne

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Andreas Starzer aus Teisendorf nahm es mit einem Bagger auf. (Foto: Mergenthal)

Anger – »Ziag o, Lugge!«, »Geht scho no, Andi!«: Mit derlei Anfeuerungsrufen peitschten die etwa 500 begeisterten Zuschauer die hochmotivierten Athleten beim zweiten Chiemgau-Strongman-Cup in Anger an. In den sechs Disziplinen wie Auto- und Baggerheben, Aufladen und Stemmen schwerer Fässer oder Lkw-Ziehen schlugen sich die Lokalmatadoren wacker: In der Klasse bis 105 Kilo belegten Lukas Neumayer aus Schechen (Kreis Rosenheim), Anton Kusnezov aus Traunstein und Andreas Starzer aus Teisendorf die Plätze eins, zwei und drei.


Nach der Premiere im Vorjahr verwandelte sich der Parkplatz auf dem Angerer Dorfplatz bereits zum zweiten Mal in eine Art Kolosseum. Wie einst die Gladiatoren im Alten Rom zogen die teils höchst schwergewichtigen Muskelpakete ein. Moderatorin Martina Ollesch stellte die 17 Teilnehmer aus ganz Deutschland vor, Heinz Ollesch fungierte als Schiedsrichter. Initiator Max Steinbrecher bekam viel Lob für die Organisation. Unterstützung erhielt er von etwa 20 freiwilligen Helfern und etwa zehn Sponsoren aus der Region.

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Anton Kusnezov aus Traunstein zeigte konstant gute Leistungen und spielte seine Stärken besonders beim Ziehen eines 16 Tonnen schweren Lkws über 20 Meter (Platz acht insgesamt) aus. Wacker hob er auch zwei 110-Kilo-Fässer, die sechs Meter weit getragen werden mussten, und einen 110 Kilo schweren Sack mit feuchtem Sand auf eine 1,30 Meter hohe Ladefläche hinauf. Das schaffte er in nur 32,29 Sekunden und erreichte dafür in der Disziplin »Loading« Platz neun. Insgesamt konnte er nach seiner Premiere im Vorjahr in Anger mit Platz elf im Gesamtklassement zufrieden sein.

Der 32-Jährige trainiert seit 16 Jahren im Fitnessstudio in Traunstein und begann im Vorjahr auf Anregung seines Betreuers Thomas Lechner wegen seiner außerordentlichen Kraft mit dem Strongman-Sport. Beruflich ist er seit 14 Jahren Schichtführer in einem Chieminger Kunststofftechnik-Unternehmen. Ihn reizt als »Strongman« vor allem das »Kraftmessen mit den anderen«. Der 100-Kilo-Mann möchte zudem beweisen, dass man diesen Sport »auch mit einem durchschnittlichen Männergewicht« ausüben kann.

Der 35-jährige Andreas Starzer aus Teisendorf war beim Baggerheben mit einer Last von 345 Kilo (Platz vier) der Held – und auch beim »Farmerswalk« mit zwei 125-Kilo-Koffern, die er 32,95 Meter weit trug (Platz sechs). Vom Radsport hat der Kfz-Mechaniker Kondition mitgebracht, als er vor zehn Jahren seine Strongman-Laufbahn begonnen hat. Neben Kraft und Ausdauer spiele der Kopf eine wichtige Rolle: »Du musst über den Punkt drübergehen, wo du meinst, es geht nicht mehr.« Als Beißer erwies sich der eher klein gewachsene Kraftsportler, als er beim Laden des schweren Sacks nochmal neu ansetzen musste. Doch er gab nicht auf und schaffte es schließlich mit zusammengebissenen Zähnen.

Viel half den beiden Muskelmännern, dass sie von ihrem Betreuer und seiner Frau Caro Grammelsperger kräftig angefeuert wurden. »Sie trainieren bei uns vier bis fünf Mal pro Woche jeweils ein bis zwei Stunden lang«, verriet Thomas Lechner. Reinhard Maier aus Roßbach im Kreis Rottal-Inn, der mit Platz vier in der Gesamtwertung der beste Sportler aus Südostbayern war, hatte gleich seinen ganzen Fanclub dabei: seine Frau, seine Tochter, Nachbarn und Kameraden von der Freiwilligen Feuerwehr.

Von den Verletzungen her ging die Veranstaltung glimpflich über die Bühne, allerdings mussten nach der letzten Disziplin unter anderem zwei Sehnenrisse und mehrere Schürfwunden behandelt werden. Doch die harten Männer sind nicht wehleidig: »Abschneiden oder Sekundenkleber«, riet ein Kollege einem Sportler, dem durch den extremen Zug auf die geriffelten Koffergriffe an der Handinnenseite einige Hautfetzen herunter hingen.

In der Gesamtwertung siegte Sebastian Kraus aus Unterfranken, auf dem zweiten Platz landete Raffael Gordzielik aus Hessen, auf dem dritten Platz der Oberpfälzer Andreas Breu. Dieser Wettkampf in der höchsten deutschen Liga, der »German Pro League«, zählt für die Deutsche Meisterschaft. Das Finale findet am 13. August im Biathlon-Stadion in Ruhpolding statt. vm