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Das ist der neue Vorstand der SHK-Innung Traunstein (von links): Thomas Aigner, Josef Pflügl, Stefan Ottenthaler, Timo Kleinschroth, Markus Fischer und Herbert Reininger.

Josef Pflügl bleibt Obermeister der SHK-Innung – Hohe Auslastung in schwierigem Umfeld

Josef Pflügl bleibt auch für die kommenden drei Jahre Obermeister der Innung für Spengler, Sanitär- und Heizungstechnik Traunstein. Bei der Jahreshauptversammlung der Innung, die mit 166 Betrieben in den Landkreisen Traunstein, Altötting und Mühldorf die größte Innung unter den 14 aktiven Mitgliedsinnungen in der Kreishandwerkerschaft Traunstein-Berchtesgadener Land ist, wurde er erneut in das Ehrenamt gewählt.


Pflügl ging in seinem Bericht unter anderem auf die aktuelle Lage des SHK-Berufsstands und die Situation in der Innung ein. Er freue sich über weitgehend stabile Mitgliederzahlen in der Innung (zwei Eintritte, ein Austritt) und aktuell 210 Lehrverträge (21 Spengler und 189 Anlagenmechaniker). Die Ausbildungszahlen im Bereich Spengler seien allerdings »ein heißes Thema«, und in der Gesamtzahl unbefriedigend, weil weiter rückläufig.

Die Situation nach den großen Belastungen durch die Corona-Pandemie in den Jahren 2020 und 2021 sei mit dem Krieg in der Ukraine, steigenden Rohstoffpreisen, Lieferengpässen mit Lieferzeiten von bis zu einem Jahr und teilweise unterbrochenen Lieferketten alles andere als einfach. Die steigende Inflation, eingeschränkte Verfügbarkeit der Materialien und die angespannte Lage am Gasmarkt bringen für das SHK-Handwerk enorme Herausforderungen mit sich. Noch verfügten die heimischen Betriebe über einen hohen Auftragsbestand, aktuell dauere es im Schnitt rund 33 Wochen bis ein Auftrag erfüllt werden könne. Eine abnehmende Investitionsbereitschaft dürfte sich aber auch auf die Auftragsbestände im Handwerk negativ auswirken, sagte der Obermeister. »Die Stimmung in den Betrieben ist verdammt schlecht«, so Pflügl, der auch auf eine überbordende Administration und Bürokratie hinwies, die zu den vielfältigen Herausforderungen und Problemen hinzu komme.

Ungelöste Nachfolgeregelungen

Pflügl ging auch auf die Problematik von ungelösten Nachfolgeregelungen bei vielen der bundesweit rund 53 000 SHK-Betrieben ein. Die Problematik gelte auch für die rund 7500 Betriebe in Bayern, von denen rund 4500 im Fachverband freiwillig organisiert seien. Hier rechne man mit rund 1500 Betrieben, die bei weiter ungelöster Nachfolgeregelung mittel- bis langfristig schließen müssten.

Zufrieden zeigte er sich über die Gehaltssteigerungen im Rahmen der Tarifverhandlungen, die dem SHK-Handwerk zusätzlich Attraktivität als Arbeitgeber im Vergleich zu potenziellen Mitbewerbern am Ausbildungs- und Arbeitsmarkt verleihe. Er ging außerdem auf eine Verbandserklärung der Elektriker (ZVEH) und Haustechniker (ZVSHK) ein, in der die Vertreter beider Gewerke etwas näher zusammenrücken und wechselseitig einzelne Tätigkeiten ausführen dürfen, die bisher jeweils der »anderen Seite« vorbehalten waren.

Zum Berufsschulneubau in Traunstein und zur Renovierung in Mühldorf betonte Pflügl, dass die öffentliche Hand in Sachen Bildung viel Geld in die Hand nehme, was auch für den geplanten Bildungscampus in Traunstein gelte, auch wenn da die Verhandlungen zwischen dem Landratsamt Traunstein und der Handwerkskammer im Moment aus Sicht des SHK-Handwerks stocken würden. Er rechne mit einer Dauer von mindestens zehn Jahren, bis der Bau realisiert sei. Zufrieden zeigte er sich mit den neuen Räumlichkeiten für die Überbetriebliche Ausbildung in Traunstein, wo in drei Werkstätten im SHK-Handwerk unterrichtet wird.

Lambert Axthammer betonte als ehemaliger Prüfungsvorsitzender, dass die Zusammenarbeit im Prüfungsausschuss gut funktioniere, was auch für die Berufsschulen und das Bildungszentrum gelte. Die Corona-Belastungen und das getrennte Lernen unter Corona habe die Noten und Leistungen etwas nach unten gedrückt, was man künftig wieder ausgleichen wolle.

Die von Dagmar Sinzinger von der Kreishandwerkerschaft vorgetragenen Zahlen der Jahresrechnung 2021 brachten zufriedene Gesichter, nachdem auch der Überschuss der Innung trotz hoher Abgaben für den Fachverband auf einem hohen positivem Niveau verharrte. Die Zahlen wurden – auch nach dem positiven Votum der Rechnungsprüfer Klaus Berreiter und Reinhard Bösch – ebenso ohne Gegenstimme durchgewunken wie die Haushaltszahlen des laufenden Jahres. Die Innungsbeiträge bleiben unverändert.

Einen breiten Raum der Hauptversammlung nahmen die Neuwahlen der Führungsmannschaft der Innung ein. Als Obermeister wurde als einziger Kandidat bei einer Gegenstimme Josef Pflügl bestätigt. Sein Stellvertreter ist mit 37:5 Stimmen wie bisher Thomas Aigner. Neu ins Ehrenamt wurde mit 42:0 Stimmen ebenfalls als Stellvertreter Timo Kleinschroth gewählt. Als Vorstandsmitglieder wurden Markus Fischer, Stefan Ottenthaler, Herbert Reininger und Helmut Schorer gewählt. Als Rechnungsprüfer fungieren weiterhin Klaus Berreiter und Reinhard Bösch. Der langjährige stellvertretende Obermeister Georg Stürzer wurde für sein langjähriges Engagement in der Innung mit der Silbernen Ehrennadel – die zweithöchste Auszeichnung im bayerischen Handwerk – geehrt.

Rechtsanwalt Peter Masluk vom Fachverband SHK Bayern ging auf die Frage nach den rechtlichen Grundlagen von kurzfristigen Preisveränderungen des Großhandels ein – beuteln diese doch die Handwerker aber auch die Kunden und Verbraucher gleichermaßen. Gleichzeitig zeigte sich in den Ausführungen, dass die Rechtslage – auch im Verhältnis zwischen Handwerker und Kunde – Preisanpassungen bei veränderten Rahmeneckdaten zuließen, sofern die Märkte zu unkalkulierbaren, kurzfristigen Preissprüngen ansetzen. Unter dem Motto »Spannende Zeit in der Energiewirtschaft« erläuterte der per Zoom aus Berlin zugeschaltete John Werner der Firma Zukunft Gas, die als Verband betont, dass Gas »in allen Sektoren ein unverzichtbarer Eckpfeiler für die Energiewende und die Versorgungssicherheit ist«, die aktuelle Situation am Energiemarkt. Gas habe im industriellen Bereich als wichtigster Energieträger eine herausragende Bedeutung, aber auch die Hälfte der deutschen Haushalte heize mit Gas, das weiterhin den wichtigsten Wärmeerzeuger darstelle, betonte Werner, der von einem kritischen Trend sinkender Produktion und gleichzeitigem steigenden Verbrauch sprach. Am Beispiel der Glasindustrie berichtete er von rund 50 000 Arbeitsplätzen, die potenziell in Gefahr seien.

»Ist schon eine dramatische Lage«

Die Wärmepumpe – von politischer Seite gerne als Allzweckwaffe in der Vermeidung fossiler Energieträger gepriesen – erweise sich gerade im schlecht oder nicht sanierten Altbestand oft genug als Lösung mit Fragezeichen. »Ist schon eine dramatische Lage«, sagte Werner mit Blick auf die Ausrufung der Frühwarnstufe zwei im Rahmen des Notfallplans Gas der Bundesregierung. Umso mehr forderte er, dass Gasmärkte gesichert und Speicher gestärkt werden müssten. Auch der Bedarf müsse durch Erhöhung der Effizienzen reduziert werden, Bezugsquellen müssten diversifiziert werden. Gleichzeitig forderte er, einen »Transformationspfad Gas hin zu langfristiger Versorgungssicherheit.

awi

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