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»Jimmy Hendrix der Steirischen« begeisterte

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Waging am See – Ein fasziniertes Publikum mit strahlenden Gesichtern und leichtem Kopfschütteln ob der Genialität auf der Bühne - das war nach dem »Zeltln«-Konzert in Waging am See zu beobachten. Schon seit Januar 2016, kurz nach Beginn des Kartenvorverkaufs, war das Konzert des Pixner-Projekts ausverkauft.


Trotz der frischen Herbsttemperaturen ließ Herbert Pixner mit seinem neuen Programm »Summer« den Sommer Revue passieren. Und sein mitreißender Mix aus Volksmusik, Jazz, Blues, Tango und Rock überzeugte. Flott und unbeschwert, locker und virtuos, mal melancholisch und verträumt, mal fröhlich und verspielt – Heidi Pixner (Harfe), Manuel Randi (diverse Gitarren), Werner Unterlercher (Kontrabass) und Herbert Pixner (Steirische Harmonika, Klarinette, Saxofon, Flügelhorn) haben so ziemlich alles drauf. Ihre Musik klingt frisch, jung und rebellisch.

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Wunderbar versteht sich Herbert Pixner darin, sein Publikum mit auf die musikalische Reise zu nehmen. Charmant und witzig weiß er durch seine Anmoderationen die Zuhörer in die Atmosphäre des nächsten Stücks einzuführen. So nimmt er die Zuhörer mit »Centro Lire« mit in seine Kindheitserinnerungen oder mit »Almerisch Landlerisch« mit auf die Alm. Stücke wie »Breaking bad« wären ohne die Erzählung über eine Autopanne auf der Autostrada Sud bei 45 Grad Celsius nicht einzuordnen.

Auch die schaurige Geschichte von der gruseligen Sage vom Sennentuntschi, die ihn zur Rockballade »Hiatabua« inspirierte, erzählten sie mit gefühlvollen Flügelhornklängen und heulender E-Gitarre. Und »Morgenrot« entwickelt als Soundtrack eines Sonnenaufgangs in den Bergen eine enorme hypnotische Kraft.

Dass er nicht nur ein begnadeter Harmonikaspieler ist - der »Jimmy Hendrix der Steirischen Ziehharmonika«, wie er auch schon mal bezeichnet wird - sondern auch ein fantastischer Klarinettist, Saxofonist und Trompeter, setzt die Zuhörer noch mehr in Erstaunen. Einfühlsam, virtuos und ausdrucksstark präsentiert er sein vielseitiges Talent, immer im Dialog mit seinen Partnern. Mit Manuel Randi an seiner Seite – dem »schönsten und besten Gitarristen Italiens«, so Pixner – ergänzen sich schlicht kongenial zwei Musiker der Extraklasse. Immer scheinen die beiden in einen kleinen Wettstreit zutreten und gegenseitig zu Höchstleistungen anzustacheln. Pixners Schwester Heidi sowie Werner Unterlercher breiten einen verlässlichen und nicht weniger virtuosen Rhythmus- und Klangteppich aus, auf dem sich Pixner und Randi richtig austoben können. Die Musiker können sich aber auch wunderbar zurücknehmen: Wenn Manuel Randi in seinem »janga Sai« auf der Flamencogitarre glänzt, funktioniert Pixner seine Ziach zum Perkussionsinstrument um. Und alle lauschen gespannt bei Heidi Pixners faszinierendem Solo »Nightingale«.

Mit jedem Stück scheinen die vier Musiker sagen zu wollen: »Nehmt´s es leicht, lasst's es kommen, wie´s kommt.« Die Zuhörer genießen, saugen die Leichtigkeit und Spontanität der Musiker auf und applaudieren von Anfang bis zum Ende des zweistündigen Konzerts. rb