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»Jetzt wissen wir, wo er begraben liegt«

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Wer jemanden vermisst, der kann einen Suchantrag beim Roten Kreuz stellen. So können oftmals Schicksale aus den beiden Weltkriegen geklärt werden. (Foto: Jörg F. Müller/DRK)

Traunstein – Auch knapp 70 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs sind zahlreiche Schicksale, die von diesem Ereignis bestimmt wurden, noch ungeklärt. Unzählige Familien wurden zerrissen, von vielen Angehörigen fehlt bis heute jede Spur. Der Suchdienst des Deutschen Roten Kreuzes versucht, durch systematische Nachforschungen die Schicksale von verschollenen Personen zu klären. Kürzlich konnten wieder zwei beim BRK-Kreisverband Traunstein gestellte Suchanfragen geklärt werden.


Annemarie Brandauer aus Traunstein versucht seit mehreren Jahren, das genaue Schicksal ihres Onkels Leonhard Eder in Erfahrung zu bringen. Der gebürtige Altenmarkter wurde 1941 im Alter von 16 Jahren eingezogen und später dem Pionier-Bataillon der 97. Jäger-Division zugeteilt. Ab November 1944 blieben Nachrichten des damals in Mähren eingesetzten Soldaten an die Familie in der Heimat aus. Ein halbes Jahr später meldete die Mutter ihren Sohn als vermisst.

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»Die Erzählungen in der Familie waren bruchstückhaft, es gab keine Klarheit«, nennt Annemarie Brandauer das Motiv für den Beginn eigener Nachforschungen zum Schicksal ihres verschollenen Onkels. Im Februar 2014 wandte sie sich mit ihren bereits gesammelten Unterlagen an den BRK-Kreisverband Traunstein. Dieser konnte ihr als Resultat von Nachforschungen des Suchdienstes nun das genaue Todesdatum, den Sterbeort und den Friedhof übermitteln, an dem ihr Onkel begraben liegt.

»Mir hat das geholfen. Es ist eine Bestätigung dessen, was wir bislang nur vermuten konnten. Jetzt wissen wir genau, wo er damals war und wo er begraben liegt«, sagt Annemarie Brandauer. »Für mich ist es wichtig, wo er geblieben ist.« Diese Empfindungen nimmt Henning Hartenberger bei vielen Angehörigen von lange vermissten Personen wahr. »Die Menschen wollen wissen, was mit ihren Angehörigen passiert ist und den Ort kennen, wo sie ihre letzte Ruhe gefunden haben. Das ist ein ganz großes Anliegen », berichtet der Leiter der Sozialen Dienste beim BRK-Kreisverband Traunstein.

Aus diesem Grund hat sich auch eine Seniorin aus Schnaitsee an den Traunsteiner BRK-Kreisverband gewandt. Sie wollte endlich erfahren, welches Schicksal ihrem nicht aus dem Krieg heimgekehrten Vater widerfahren ist. Der in Schnaitsee geborene Gefreite kämpfte von 1942 bis 1944 in einer Infanterie-Einheit, die in mehrere schwere und verlustreiche Gefechte an der Ostfront involviert war. Die letzte Nachricht sandte der Soldat im Januar 1943 aus der Nähe von Stalingrad.

Mit Hilfe des Roten Kreuzes konnte nun die letzte Ruhestätte des Vaters ermittelt werden. Sein Name taucht auf einem deutschen Soldatenfriedhof nahe Wolgograd auf. Die Antragstellerin war sehr gerührt und bedankte sich persönlich bei den Mitarbeitern des BRK-Kreisverbands Traunstein für die Hilfe. Durch die erfolgreichen Nachforschungen des Suchdienstes ging für sie eine jahrzehntelange Zeit der Ungewissheit zu Ende. fb