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Jetzt gilt es, einen Überblick zu bekommen

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Die Aufräumarbeiten nach der Hochwasserflut sind in vollem Gange. Jetzt geht es darum, wie die Geschädigten Hilfe bekommen können. Die Behörden arbeiten außerdem daran, eine grobe Schadenshöhe zu ermitteln. (Foto: FMT-Pictures)

Das Hochwasser zieht sich überall zurück, die Schäden bleiben. Wie hoch sie sind, das versuchen die Behörden derzeit mit Hochdruck herauszufinden. Aktuell liegen höchstens vage Schätzungen vor. Und natürlich geht es jetzt auch darum, denen zu helfen, deren Hab und Gut in den Fluten untergegangen ist.


»Es sind noch viele Fragen offen.« Der Leiter des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Alfons Leitenbacher, brachte gestern im Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt auf den Punkt, was zurzeit der Stand in vielen Behörden ist: Die Ämter sind dabei, sich einen Überblick zu verschaffen, für erste konkrete Angaben ist es aber in der Regel noch zu früh.

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»Alles läuft langsam an«, informiert Hans Studener vom Landratsamt Traunstein mit Blick auf die Ermittlung der Schadenshöhe und mögliche finanzielle Hilfen für Geschädigte. »Die Zahlen trudeln nach und nach ein«, erklärt Landratsamtssprecher Roman Schneider. Ende der Woche sollen erste grobe Schätzungen vorliegen.

Kommunen als erste Ansprechpartner

»In den Gemeinden sind gerade die Schätzkommissionen unterwegs«, erklärt Hans Studener. Vertreter von Bauämtern und Handwerksmeister gehören ihnen in der Regel an. Kaputte Möbel, defekte Heizungsanlagen, feuchte Mauern – die Fachleute nehmen alles genau unter die Lupe und schätzen grob den entstandenen Schaden. Wer möchte, dass die Gutachter zu einem ins Haus kommen, der muss sich an seine Gemeinde wenden; sie ist erster Ansprechpartner für alle Geschädigten. Wichtig, darauf weisen alle Ämter hin, sei es, die Schäden so detailliert wie möglich auch selbst zu dokumentieren – mit Fotos oder selbst gezeichneten Plänen.

Nicht ohne Grund arbeiten alle fieberhaft daran, möglichst schnell eine erste Schadenszahl für den Landkreis Traunstein zu erstellen. Schließlich geht es auch darum, in den Genuss finanzieller Hilfen zu kommen. 100 Millionen Euro Hochwasserhilfe hat der Bund bereits zugesagt, 150 Millionen Euro stellt das Land Bayern bereit. Landrat Hermann Steinmaßl und seine Mannschaft im Landratsamt wollen darum möglichst schnell mit konkreten Zahlen aufwarten können. Eine erste finanzielle Hilfe gibt es bereits ab heute, das »Sofortgeld« (siehe Kasten).

Beim Hochwasser 2002 lag der amtlich erfasste Schaden bei rund 12,7 Millionen Euro. Diesmal, davon gehen alle aus, wird es mehr sein. »Es war wesentlich mehr Fläche betroffen«, so Hans Studener. Der volkswirtschaftliche Schaden, so erste Schätzungen, wird voraussichtlich im dreistelligen Millionenbereich liegen. Alleine für die Schadensbehebung an der A 8 und an der Bahnlinie München-Salzburg in Übersee rechnet Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer mit Kosten von jeweils mindestens einer Millionen Euro.

2000 Hektar Grünland, 600 Hektar Ackerland überflutet

Was den Schaden in der Landwirtschaft betrifft, kann Behördenleiter Alfons Leitenbacher mit ersten Zahlen aufwarten. Mit Stand von gestern Mittag sind in den beiden Landkreisen Traunstein und Berchtesgadener Land etwa 2000 Hektar Grünland und 600 Hektar Ackerland überschwemmt gewesen. »Ob auf der gesamten Fläche Schaden entstanden ist, das ist noch nicht abzuschätzen; mancherorts steht schließlich noch das Wasser«, so Leitenbacher. Zum Beispiel muss sich zeigen, inwieweit der angesäte Mais das Hochwasser überstehen wird. Bei den Grünlandflächen sind die Hinterlassenschaften des Hochwassers – etwa Sand – das Problem. »Einige Flächen gehören sicherlich abgeschoben«, so Leitenbacher.

Beziffern kann der Behördenleiter bereits vage den Schaden, der an den Wirtschaftswegen in den beiden Landkreisen entstanden ist: Aktuell rechnet das Amt mit sieben Millionen Euro. »Die Wege wurden unterspült oder weggerissen«, so Leitenbacher.

In den Wäldern ist der Schaden nach ersten Erkenntnissen »eher nicht so dramatisch«, wie es der Behördenleiter formuliert. Der Forstbetrieb Ruhpolding geht von einem Schaden von gut einer halben Millionen Euro aus, der Forstbetrieb Berchtesgaden rechnet mit etwas weniger. »Alles in allem würde ich den Schaden im Forstbereich vorsichtig auf zwei bis drei Millionen Euro schätzen«, so Leitenbacher. Für die Bauern und Waldbesitzer, deren Besitz in den Fluten untergegangen ist, ist das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten der richtige Ansprechpartner.

Wer kann mit finanziellen Hilfen rechnen?

Was den Erhalt von finanziellen Hilfen betrifft, gibt es einen Knackpunkt, wie Hans Studener vom Landratsamt erklärt: Eigentlich können nur Betroffene, die in ihrer Hausrat- beziehungsweise Wohngebäudeversicherung auch die sogenannten erweiterten Elementarschäden wie Überschwemmung und Erdrutsch eingeschlossen haben, in den Genuss von Fördergeldern kommen. »Es ist aber möglich, dass die Politik noch eine andere Entscheidung trifft«, so Studener. Mit Fördergeldern rechnen könnten aber in jedem Fall Betroffene, die keine Versicherung abschließen konnten, weil sie in einem Ausschlussgebiet wohnen.

Die Landkreise Traunstein und Berchtesgadener Land haben bereits angekündigt, für die Entsorgung des Hochwasser-Sperrmülls aufzukommen. Die Kosten dafür schätzt das Landratsamt Traunstein auf rund 100 000 Euro. In den meisten betroffenen Gemeinden stehen Container bereit; Auskünfte gibt es in den Rathäusern. san