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»Jetzt geht es wirklich ans Eingemachte«

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Zahlreiche Bauern demonstrierten diese Woche vor Beginn des Agrargipfels in München – und verdeutlichten mit einem Kreuz mit der Aufschrift »Höfesterben«, wie existenzbedrohend die aktuelle Situation für sie ist.

Viele Bauern kämpfen um ihre Existenz – und immer mehr verlieren den Kampf. Das belegen auch die neuesten Zahlen des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Traunstein: In den Kreisen Traunstein und Berchtesgadener Land gibt es heuer wieder weniger landwirtschaftliche Betriebe als vor einem Jahr. Behördenmitarbeiter Albert Schönsmaul steht in dauerndem Kontakt mit vielen Bauern und weiß: »Jetzt geht es wirklich ans Eingemachte.«


Eine systematische Bestandsaufnahme, wie viele Höfe es aktuell im Kreis Traunstein und im Berchtesgadener Land gibt, führt das Landwirtschaftsamt nicht durch. Ein guter Indikator ist aber die Zahl der Mehrfachanträge, die in der Behörde eingehen. »Die ist nicht weit weg von der tatsächlichen Zahl«, erläutert Albert Schönsmaul. Denn so gut wie jeder Landwirt beantragt Fördermaßnahmen und Ausgleichszahlungen. 3969 Mehrfachanträge gingen im Landwirtschaftsamt Traunstein bis Anfang Juni ein.

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Vor einem Jahr waren es noch 3995 Anträge gewesen, also 26 mehr. Und da heuer laut Schönsmaul 28 neue Antragsteller dazukamen, sei davon auszugehen, dass in den beiden Landkreisen im vergangenen Jahr rund 50 Landwirte ihren Hof aufgegeben haben.

Im Kreis Traunstein gibt es damit aktuell etwa 2700 bewirtschaftete Höfe. Vor 20 Jahren, das weiß Schönsmaul auch, waren es noch rund 3300, also 600 mehr.

Aus den heuer eingereichten Mehrfachanträgen ergibt sich auch, dass ein Landwirt im Kreis Traunstein durchschnittlich 23,7 Hektar bewirtschaftet, im Berchtesgadener Land sind es 15,1 Hektar. Die meisten Bauern bewirtschaften zwischen 10 und 30 Hektar. Die Mehrheit, nahezu zwei Drittel aller Landwirte, würden ihren Betrieb im Nebenerwerb führen, erklärt Schönsmaul. Eine Faustregel sei etwa, dass Landwirte, die weniger als 25 Hektar bewirtschaften würden, nicht ausschließlich von ihrem Hof leben könnten. »Dann muss es etwa ein zweites Standbein wie Urlaub auf dem Bauernhof geben. Oder der Bauer beziehungsweise die Bäuerin müssen noch woanders arbeiten.«

Albert Schönsmaul, selbst Landwirt im Nebenerwerb, bekommt viel mit von den Nöten der Bauern. Er weiß, wie groß vor allem die Geldsorgen sind: »Jetzt geht es wirklich um die Existenz.« Immer wieder würden Landwirte bei ihm im Amt anrufen und nachfragen, wann die Förderzahlungen eingehen würden. »Die meisten brauchen das Geld vom Staat.« Bei vielen Bauern gingen jetzt auch die Rücklagen drauf.

Vieles setze den Landwirten zu, erklärt der Behördenmitarbeiter. Der sinkende Milchpreis, die zunehmenden Wetterkapriolen oder ihr schlechtes Image, etwa wegen umstrittenen Praktiken in der Tierhaltung. »Das alles bringt viele Bauern unter Druck.« Immer mehr landen mit Burnout in einer Klinik.

Seit langem heißt es, dass Bauern immer jammern. Aktuell tun sie es zu Recht, meint Albert Schönsmaul. »Genügend Betriebe rechnen sich nicht mehr« erklärt er. san