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Jetzt fehlt dem Dorf ein Lebensmittelnahversorger

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Dem langjährigen Pächter Alexander Lederer und seiner Frau Marion fällt der Abschied sichtlich schwer. Nur noch leere Regale erinnern an den Edeka-Markt Lederer in Traunwalchen. Am heutigen Samstag schließt das traditionelle Lebensmittelgeschäft. Es besteht aber Aussicht auf einen Neustart. (Foto: Rasch)

Traunreut – Aus, Schluss, vorbei: Was sich angekündigt hatte, ist jetzt bittere Wahrheit geworden. Nur noch leere Regale erinnern an den Edeka-Markt Lederer in Traunwalchen. Am heutigen Samstag schließt das Traditionsgeschäft auf dem Dorfplatz. Damit fehlt dem Dorf ein Lebensmittelnahversorger. Vor allem für die ältere Bevölkerung stellt das ein großes Problem dar. Der Ladenbesitzer, Paul Engelsberger, hatte sich zwar händeringend um einen Nachfolger bemüht, aber ohne Erfolg. Wie es scheint, flackert aber jetzt am Ende des Tunnels ein Licht auf: Der Traunwalchner Stadtrat Hans Jobst und Landtagspräsident a. D. Alois Glück haben ihre Fühler ausgestreckt, um den Nahversorgungsmittelpunkt zu erhalten. »Es wird jetzt jedenfalls eine Pause eintreten«, sagte Glück. Er und Jobst schließen aber einen erfolgreichen Neustart nicht aus.


Ein konkretes Modell, auf welcher Basis ein Neustart gelingen könnte, gibt es bislang noch nicht. »Es wird sicher noch einige Wochen dauern, bis wir klarer sehen«, erklärte Glück. Ideal wäre, einen Träger zu gewinnen, der bereit wäre, mit einzusteigen. Handlungsfähige Rechtsform könnte eine Genossenschaft, ein Verein oder eine GmbH sein. Dies alles gilt es jetzt noch zu eruieren. »Es braucht eine saubere, fachlich-qualifizierte Planung, die sich durchaus konstruieren ließe«, glaubt Glück. Es wäre jammerschade, wenn der letzte Lebensmittelnahversorger – es gibt nur noch eine Bäckereifiliale –, aus dem Dorf verschwinden würde. Über die reine Lebensmittelversorgung hinaus, würde damit auch ein Stück Tradition und Lebensqualität verloren gehen. »Das Geschäft ist auch ein Treffpunkt für die Menschen in dem Ort, der durch die Vereine und die Schule sehr stark von einem eigenständigen Leben geprägt ist.«

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Auch für Hans Jobst ist dieser Aspekt von enormer Bedeutung. Er sieht in einem Neustart sogar die Chance, durch eine Neuausrichtung den sozialen Treffpunkt wieder mehr in den Fokus der Bürger zu rücken. »Das Dorf braucht eine Schule, einen Wirt, einen Kramer und einen Bäcker.« Auch als Sprecher der Traunwalchner Vereine beobachtet Jobst den Ernst der Lage schon seit mehreren Jahren. »Die Nahversorgung war bei den Treffen der Vereine immer wieder Thema, auch als die Hauptschule in Traunwalchen aufgelöst wurde«, sagte Jobst. Dass sich die Situation des Geschäfts relativ kurzfristig verändern würde, davon sei zunächst nicht auszugehen gewesen. Obwohl schon Ende letzten Jahres die Gerüchteküche brodelte, dass das Geschäft schließen werde. Ende März, Anfang April diesen Jahres stand dann definitiv fest, der Edeka-Markt Lederer schließt zum 30. Juni. Dies habe ihn und seine Frau Irmi dazu bewogen, aktiv zu werden. Ein Versuch, während der verbleibenden Zeit bis zur Schließung doch noch eine Lösung zu finden, sei aber aus Zeitgründen nicht möglich gewesen.

Auch der neue Traunreuter Stadtmanager, Christian Ehinger unterstützt die Initiative. Bis jetzt ist aber noch nichts druck- und spruchreif, sagte Ehringer auf Nachfrage des Traunsteiner Tagblatts. Als Stadtmanger, verantwortlich für alle Stadtteile, werde er sich dafür einsetzen, jede Möglichkeit zu prüfen, auch in Verbindung mit der Wirtschaftsförderung Traunstein, die Projekte wie diese unterstützte. »Wir probieren alles, um eine Nahversorgung in Traunwalchen sicherzustellen«, versicherte er. Um diese am Leben zu erhalten, brauche man aber auch die Bevölkerung. »Die Bevölkerung muss dahinter stehen.« Das bedeutet: Ohne Kundschaft funktioniert keines der Modelle.

Dem langjährigen Pächter Alexander Lederer und seiner Frau Marion fällt der Abschied sichtlich schwer. »Es tut schon weh, wenn ich die leeren Regale sehe. Ich hoffe, dass es irgendwie weitergeht«, sagte Lederer. Er hatte mit seiner Familie das Geschäft 2001 übernommen und den Mietvertrag im März diesen Jahres aus gesundheitlichen Gründen gekündigt. Nach Angaben von Paul Engelsberger, der das seit 1933 bestehende Lebensmittelgeschäft 1951 von seinen Eltern übernommen hatte und es bis zur Verpachtung 2001 mit Leidenschaft und Hingabe geführt hat, hätte sich zunächst auch ein potentieller Nachfolger gemeldet. Dieser sei dann aber wieder abgesprungen. Umso mehr freue es ihn, dass es doch noch eine Hoffnung gebe. »Ich bin Hans Jobst und Alois Glück dankbar dafür, dass sie sich einsetzen.« Sollte das Rezept aufgehen, wäre sein Wunsch ein gutes Sortiment, wie es auf 300 Quadratmeter möglich ist. ga