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»Jeder Tag und jeder Patient stellt eine neue Herausforderung dar«

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Eine Staatspreisurkunde erhielten (von links) Isabel Lemberg, Sonja Zehentner, Annabell Zhao, Julia Wörndl, Michaela Neuhauser, Sina Noetzel, Laura Krammer und Jessica Schulz. Unser Foto zeigt sie mit Klassenleiterin Renate Gellert (links), stellvertretende Landrätin Resi Schmidhuber (Zweite von rechts) und Schulleiter Alexander Hoh. (Foto: Buthke)

Siegsdorf – Nachdem sie ihr Staatsexamen erfolgreich bestanden haben, dürfen 23 Schüler der Berufsfachschule für Krankenpflege im Bildungszentrum für Gesundheitsberufe der Kliniken Südostbayern AG nun die Berufsbezeichnung »Staatlich geprüfte Gesundheits- und Krankenpfleger/innen« führen. Acht von ihnen bekamen einen Staatspreis überreicht, weil sie einen Notendurchschnitt von 1,5 und besser haben.


Schulleiter Alexander Hoh und die stellvertretende Landrätin Resi Schmidhuber überreichten die Staatspreisurkunden an Laura Krammer aus Palling, Isabel Lemberg aus Teisendorf, Michaela Neuhauser aus Traunreut, Sina Noetzel aus Palling, Jessica Schulz aus Traunreut, Julia Wörndl aus Stephanskirchen, Sonja Zehentner aus Laufen und Annabell Zhao aus Berchtesgaden. Schmidhuber gratulierte Zehentner ferner zum zweiten Platz im Bundeswettbewerb »Bester Schüler in der Alten- und Krankenpflege«.

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»Ab sofort übernehmen Sie Verantwortung für sich selbst in einem anstrengenden Beruf, für die Pflege unserer Patienten und für unsere zukünftigen Schüler, die Sie anleiten und begleiten werden«, erklärte Hoh bei der Abschlussfeier im Siegsdorfer Festsaal. Dabei dürfe man eines nie aus dem Blick verlieren: die Qualität der pflegerischen Versorgung am Patientenbett.

Insgesamt 91 Krankenpflegefachkräfte entlasse das Bildungszentrum in diesem Jahr mit seinen Schulstandorten Traunstein und Bad Reichenhall in die Pflegewelt, betonte dessen Leiter Rupert Übelherr. Beherrschendes Thema sei der Fachkräftemangel mit Unterversorgung und Mangelverwaltung sowie deren Auswirkungen auf die Qualität der Versorgung. Dagegen helfe nur eins: ausbilden und nochmals ausbilden. Um genügend Nachwuchs sicherzustellen, habe das Bildungszentrum für Gesundheitsberufe mit der Berufsfachschule für Altenpflege und Pflegefachhilfe »Insula« in Bischofswiesen ein Ausbildungsbündnis für Kranken- und Altenpflege geschlossen. Eine weitere Option sei die Integration von Migranten, die dauerhaft hierbleiben wollen.

Jeder Tag und jeder Patient stelle mit seinen persönlichen Bedürfnissen eine individuelle Herausforderung dar, betonte die stellvertretende Landrätin Resi Schmidhuber. »Sorgen Sie dafür, dass er die Hilfe bekommt, die er braucht, egal ob körperlich oder seelisch«, sagte sie. Ihre Mitmenschlichkeit sei unbezahlbar. Deshalb sei der Landkreis stolz auf die Beschäftigten in seinen Kliniken und ihre täglichen Leistungen. »Wir im Landkreis Traunstein wollen weiterhin alles Mögliche tun, um für die Menschen in unserer Heimat die bestmögliche medizinische Versorgung zu sichern«, so Schmidhuber.

Vom Erreichen eines »bedeutenden Ziels«, das sie als Sprungbrett nutzen sollten, sprach Elisabeth Ulmer, Vorstand der Kliniken Südostbayern AG. »Mit ihren Leistungen in der Berufsausbildung haben Sie bewiesen, dass Sie in der Lage sind, mit dem erworbenen Wissen und Können durchzustarten.« Nun gelte es, nicht nur das erworbene Wissen in der unmittelbaren pflegerischen Tätigkeit anzuwenden, sondern auch Mitverantwortung für gute Prozessqualität und Organisation zu übernehmen. Sie ermunterte die neuen Pflegekräfte dazu, sich die Prozesse anzuschauen und falls notwendig, sachliche Kritik zu üben.

Inzwischen sei das Thema »Pflege« auch in der Politik angekommen, so Ulmer. Sie wolle das Berufsbild wieder attraktiver, wertschätzender und auch finanziell besser bewerten. Seit 2019 werde in vier Bereichen (Unfallchirurgie, Kardiologie, Akutgeriatrie und Intensivmedizin) bereits ein höherer Personalschlüssel angesetzt. Weitere Bereiche würden folgen. »Sie haben also nicht nur einen schönen, sondern auch zukunftssicheren Beruf gewählt, der Ihnen viele weitere Perspektiven und Entwicklungsmöglichkeiten eröffnet«, stellte Ulmer fest.

Die Pflegedirektorin der Kliniken Südostbayern AG, Manuela Großauer, freute sich, dass die Hälfte der neuen Pflegekräfte beim Klinikverbund bleiben. Auch sie sprach von einem schönen und krisensicheren Beruf. In kaum einem anderen Beruf könne man den beruflichen Einsatz so flexibel gestalten und sich in allen Richtungen weiterentwickeln.

Mit einer Bildpräsentation blickte die Klassenleiterin Renate Gellert auf die vergangenen drei Schuljahre zurück. 180-mal seien sie in die Schule gekommen und hätten ungefähr 60 theoretische Leistungsnachweise geschrieben. Sie seien 360 Tage in die Praxis gegangen und hätten sieben praktische Prüfungen abgelegt. »Ich bin stolz auf Euch und schaue mit Freude zurück. Ich entlasse Euch mit einer Träne im Knopfloch in eine ereignisreiche Zukunft«, sagte Gellert.

Die Klassensprecherinnen Nina Reiter und Anna Wiedemann schilderten die Suche nach dem geeigneten Beruf so: ein Beruf mit Menschen, vereint mit Teamwork, sinnvoll, mit Perspektive, auf keinen Fall langweilig, selbstständiges Arbeiten sowie Übernahme von Verantwortung sei ihnen wichtig gewesen. Über die Bezahlung könne man sich später noch Gedanken machen. Hauptsache Spaß sollte die Arbeit machen. Ihnen sei bewusst, dass es schwierig sei, diese Ansprüche alle in einem Beruf zu vereinen – doch letztlich sei das Berufsbild des Krankenpflegers dem schon sehr nahe. Bjr