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»Jeder Schritt hat sich gelohnt«

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Stefan Erdmann, der mit seiner Familie mittlerweile in Übersee lebt, wird in den nächsten Monaten wieder viel mit seiner Kamera in der Region unterwegs sein. Er ist nämlich gerade dabei, den zweiten Teil seines Filmes »Heimat 46° 48° N – Chiemsee, Chiemgau, Alpenland« zu drehen.

Mal in den Bergen, mal am Chiemsee, mal im Moor und mal in den Wäldern: Stefan Erdmann ist pausenlos unterwegs. Er liebt die Natur und seine Heimat. »Es ist nur ein kleiner Landfleck, aber der bietet so unglaublich viel, wie man es nur ganz selten vorfindet«, schwärmt er. Und deshalb hat er darüber nun einen Film gemacht: »Heimat 46° 48° N – Chiemsee, Chiemgau, Alpenland« zeigt die Einzigartigkeit der Region. Mit beeindruckenden Bildern und Szenen traf der 47-Jährige damit genau den Geschmack seines Publikums. Der Weg bis dahin war allerdings lang und hart, erzählt der gebürtige Münchner im Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt.


Angefangen hatte dabei alles ganz anders. Stefan Erdmann lernte zunächst Typograf, versuchte sich dann als Musiker und hatte schließlich über 20 Jahre lang eine Werbeagentur in München. Doch im Hinterkopf hatte Erdmann schon immer einen großen Traum: Er wollte nach Island reisen und darüber auch einen Film machen. Zunächst einmal aber nur für sich selber.

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Das erste Mal Island: »Eine Offenbarung«

2001 erfüllte sich Stefan Erdmann diesen Kindheitstraum: Natürlich hatte er schon damals seine Kamera mit im Gepäck. »Es war eine Offenbarung«, schwärmt er heute noch von seiner ersten Reise. »Wochenlang bin ich dort allein im Hochland unterwegs gewesen, das war die pure Glückseligkeit.« Ab diesem Zeitpunkt reiste er Jahr für Jahr nach Island. Der Gedanke, über seine Abenteuer einen Film zu machen, ging ihm dabei nie aus dem Kopf. »Neben der Agentur war das aber schwierig«, erzählt Erdmann.

Als er dann plötzlich von einem auf den anderen Tag mehr oder weniger vor dem Nichts stand, da einer seiner Mitarbeiter sich selbstständig machte und viele seiner Kunden abwarb, wagte Erdmann 2006 dann doch den Schritt. »Das war eine ganz, ganz schwierige Zeit«, erinnert er sich. »Aber meine Frau Sabine und meine beiden Kinder haben alles mit mir durchgemacht.«

Der Lohn seiner Mühen: 2007 erschien der erste seiner drei Island-Filme. »Es ist eine Liebeserklärung an Island geworden«, erzählt Erdmann. Er fing dann auch an, seine Filme mit dem Titel »Island 63° 66° N« in Live-Vorträgen vor Publikum zu zeigen – und traf damit genau ins Schwarze. Er bekam dadurch sogar den Auftrag, einen ähnlichen Film über Bhutan zu drehen und auch dieser ist mittlerweile fertig. Erdmann tourt mit seinen Filmen nun im Rahmen von »Abenteuer live« durch ganz Deutschland, hat damit auch immer wieder Auftritte in Österreich und der Schweiz. »Abenteuer live« ist eine Vortragsreihe, die Erdmann 2009 ins Leben gerufen hat und in der er nicht nur seine eigenen Filme in der Region zeigt, sondern auch bekannte Fotografen und Filmemacher aus ganz Deutschland einlädt, um ihre Reise- und Abenteuerreportagen zu zeigen.

Begegnungen in der Region: »Wunderbare Momente«

Doch trotz des ersten kleinen Erfolges mit seinem ersten Island-Film war das Leben für die Familie in München finanziell nicht mehr tragbar. 2008 zog sie deshalb zunächst nach Unterwössen, mittlerweile wohnt sie ihn Übersee. »Wir waren sofort mit Herz, Geist und Seele hier angekommen.« Und auch diesmal hatte der Filmemacher schnell einen Entschluss gefasst: Er wollte auch einen Film über die Region drehen, die er schon seit Jahren gut kannte, da seine Frau eine gebürtige Traunsteinerin ist.

Bereits 2009 machte er deshalb die ersten Aufnahmen. »Ich habe in dieser Zeit die Region lieben und schätzen gelernt«, sagt Erdmann. Viele, viele Stunden war er unterwegs. »Oft war ich tagelang auf den Bergen«, erzählt er. Immer wieder auf der Suche nach der perfekten Einstellung für die Aufnahmen. Erdmann lernte in dieser Zeit viele Menschen kennen – etwa den Fischer am Chiemsee oder die Sennerin auf der Alm. »Es gab viele wunderbare Momente«, erinnert er sich. »Ich hatte kein Drehbuch, alles sollte natürlich sein«, betont er. Und es gab auch immer wieder lustige Begegnungen – etwa mit Tieren. Eine Kuh etwa kam ganz nah zu seiner Kamera und schleckte mit der Zunge mal schnell über die Linse. »Die Kamera lebt übrigens noch«, lacht Erdmann.

Danach kam die intensive Arbeit in seinem Studio. Die Szenen mussten ausgewählt werden. »Ich habe den Film wahrscheinlich 20 Mal komplett aufgesprochen«, sagt er. Auch die Musik ließ er extra für seinen Film schreiben. »Ich wollte, dass alles perfekt ist.« Und das schaffte er auch – denn seine Live-Vorträge »Heimat 46° 48° N – Chiemsee, Chiemgau, Alpenland« kommen hervorragend an. »Ich habe mir das in meinen kühnsten Träumen nicht erhofft«, sagt er.

Nun ist auch die DVD zum ersten Teil seines Filmes – dabei stehen der Sommer und der Herbst im Mittelpunkt – erschienen. Erdmann möchte sich auf seinen bisherigen Erfolgen nun aber nicht ausruhen. Er steckt voller Tatendrang. Im zweiten Teil seines Filmes spielen nun der Winter und der Frühling eine zentrale Rolle. Deshalb hofft er nun »auf viel Schnee und dann auf einen schönen Frühling«, sagt er. Läuft alles glatt, dann könnte schon in gut einem Jahr der zweite Teil fertig sein. Verspreche möchte Stefan Erdmann dies allerdings nicht.

Übrigens hat er auch für den dritten Teil schon eine genaue Vorstellung: Dann soll es vor allem um die Menschen in der Region gehen. »Wir haben hier so viele großartige Dinge«, schwärmt Erdmann. Genau diese Momente möchte er nun erneut mit seiner Kamera einfangen. Er weiß, dass die nächsten Monate für ihn wieder anstrengend sein werden. 30 bis 40 Kilogramm wiegt allein sein Equipment, das er überwiegend ganz allein auf die Berge tragen muss. Nur im Winter wird er »wegen der Sicherheit« wohl nun doch öfters mal einen Freund mitnehmen, erzählt Stefan Erdmann voller Tatendrang. »Aber, wenn man oben am Gipfel steht, dann weiß man, dass sich jeder Schritt gelohnt hat.« SB

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