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»Jeder einzelne Kriegstote ist eine Mahnung für die Zukunft«

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Stellvertretende Ministerpräsidentin Ilse Aigner hielt bei der zentralen Gedenkfeier des Landesverbands Bayern im Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge zum Volkstrauertag die Gedenkrede und legte am Ehrenfriedhof »Hohes Kreuz« in Traunstein einen Kranz nieder. Dabei waren ihr Kräfte der Bereitschaftspolizei behilflich. (Foto: M. Peter)

Traunstein – »Der Volkstrauertag ist ein Tag der Stille, aber nicht ein Tag des Schweigens.« Das betonte Bayerns Wirtschaftsministerin und stellvertretende Ministerpräsidentin Ilse Aigner bei der zentralen Gedenkfeier des Landesverbands Bayern im Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge anlässlich des Volkstrauertags im Großen Rathaussaal in Traunstein. Eine Ansprache zum Totengedenken hielt Reinhold Bocklet, Vizepräsident des Bayerischen Landtags. Die musikalische Umrahmung übernahm die Streichergruppe der Musikschule Traunstein unter der Leitung von Andrea Brucker. Nach der Gedenkfeier fand die Kranzniederlegung bei der Kriegsgräberstätte am Hohen Kreuz statt.


Unermesslicher Wert des einzelnen Lebens

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»Der Volkstrauertag ist ein Tag der Stille und er gibt Gelegenheit, sich der Folgen von Krieg und Gewalt bewusst zu werden«, betonte Ilse Aigner. Zweimal sei ganz Europa ein einziges Schlachtfeld gewesen und Millionen Soldaten seien gestorben. Angesichts der immensen Opferzahlen drohte das Schicksal des einzelnen Soldaten vollkommen zu verblassen, führte die Ministerin aus. Das sei von vornherein als ideologische Marschroute ausgegeben worden: Der Einzelne klein, das Ganze groß. So funktionierten Diktaturen und Machtsysteme, die Menschen verachtende Kriege führten. Der Volkstrauertag sei ein Tag der Stille, der trotzdem zu uns spreche und mahne. Denn der unermessliche Wert des einzelnen Lebens macht den Schrecken der Kriege noch deutlicher, so die Ministerin. Jeder einzelne Kriegstote aus der Vergangenheit sei eine Mahnung für die Zukunft. Sie sei froh und auch ein Stück stolz, in einer Demokratie zu leben, die dem einzelnen Menschen größten Wert beimesse. Dazu trage auch die Arbeit des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge bei.

Uns gehe es heute unvergleichbar gut, und das sei nur möglich, da wir seit über 70 Jahre Frieden hätten, führte Aigner weiter aus. Und doch sei da etwas, das die Deutschen in ihrer Zuversicht bremse. Klar: Wenn man wirtschaftlich ganz oben sei, habe man viel zu verlieren. Das sei der eine Punkt. Daneben seien die Menschen über die internationalen Konflikte beunruhigt, die sich unmittelbar an den Grenzen Europas abspielten und mit deren Folgen wir im eigenen Land zu tun hätten. Der Volkstrauertag sei ein Tag der Stille. Die zwei Weltkriege und die Millionen Toten stünden im Zentrum des Gedenkens. Doch dürften dabei nicht die aktuellen Einsätze der Bundeswehr aus dem Blick geraten. Rund 3400 Soldaten beteiligen sich zurzeit an Auslandseinsätzen.

Kein weiteres Mal auf den Irrweg geraten

Wir wüssten nicht, warum die Mahnung aus dem Ersten Weltkrieg unerhört blieb und bereits 20 Jahre später der Nationalsozialismus Deutschland auf den furchtbarsten Irrweg seiner Geschichte führte, sagte der VdK-Bezirksvorsitzende Heinrich Rehberger. Wir wüssten aber um unsere Verantwortung, dass wir kein weiteres Mal auf den Irrweg geraten. Nichts sei daher heute aktueller, als die Sorge, dass wohlfeiler Populismus in militanten, von Hass geprägten Extremismus umschlage, gab Rehberg zu bedenken.

Landtagsvizepräsident Bocklet machte klar, dass am Volkstrauertag nicht nur den Gefallenen und Toten aus den zwei Weltkriegen gedacht werde, sondern allen Männern, Frauen und Kindern, die in Folge des Kriegs auf der Flucht oder bei der Vertreibung aus der Heimat sowie im Zuge der Teilung Deutschlands und Europas ihr Leben verloren. Es wird aber auch an die Soldaten und anderer Einsatzkräfte erinnert, die in der Ausübung ihres Dienstes ihr Leben ließen.

Der Volkstrauertag habe seinen festen Platz in der Erinnerungskultur des Landes, sagte Oberbürgermeister Christian Kegel. Wir würden an diesem Tag nicht gedenken, weil es uns auferlegt wurde oder es Tradition sei. Der Volkstrauertag sei ein Stück unverzichtbarer Erinnerungsarbeit gegen das Vergessen und ebenso ein Mahntag für den Frieden in einer Welt, die in vielen Ländern und Regionen unfriedlich sei.

Lesung von sechs Schülern des Chiemgau-Gymnasiums

Zum Nachdenken regte auch die Lesung von sechs Schülern des Chiemgau-Gymnasiums Traunstein an. Sie, die heutige Jugend, habe den Krieg, die Entbehrungen aber auch die Euphorie und das blinde Vertrauen, die in die Irre führten, nicht mehr erlebt. Jedoch wollten sie wissen, was geschah, um aus den Fehlern zu lernen.

Die anschließende Feier am Hohen Kreuz wurde vom Katholischen Militärpfarrer Andreas Vogelmeier aus Bad Reichenhall gestaltet. Für die musikalische Untermalung sorgte der Musikzug der Gebirgsschützenkompanie Traunstein und den Salut gaben die Kameraden der Gebirgsschützenkompanie Traunstein und die Surtaler Böllerschützen. MP

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