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Jeder Dritte braucht einmal professionelle Hilfe

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Foto: dpa/Julian Stratenschulte

Traunstein – Krisen treffen nicht nur die Anderen: Jeder Dritte gerät mindestens einmal im Leben in eine Situation, in der er professionelle psychiatrische oder psychotherapeutische Hilfe benötigt – unabhängig von Alter, Geschlecht, Bildung, Herkunft und Beruf.


Gute vier Monate nach seiner Einführung zieht der Krisendienst Psychiatrie für die Landkreise Traunstein, Berchtesgadener Land, Altötting und Mühldorf sowie Stadt und Landkreis Rosenheim, angesiedelt beim Bezirk Oberbayern, eine erste positive Bilanz. Mit der Hilfe von psychosozialer Beratung und Hausbesuchen ließ sich in den meisten Fällen eine Zuspitzung seelischer Notlagen vermeiden.

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Der Krisendienst Psychiatrie steht für schnelle, wohnortnahe und unbürokratische Hilfe für Menschen in seelischen und psycho-sozialen Notlagen. »Die hohe Nachfrage hat uns selbst überrascht«, gestand der Leiter des Sozialpsychiatrischen Dienstes (SpDi) der Caritas Rosenheim, Siegfried Zimmermann, bei einem Pressetermin in Rosenheim. Unter der Nummer 0180/65 53 000 erreichten die Leitstelle bereits mehrere Hundert Anrufe.

Dabei ging es meist um Krisen, die durch anhaltende familiäre und berufliche Konflikte ausgelöst wurden sowie Notlagen, deren Ursache eine Depression oder Psychose war oder bei denen Gewalterfahrungen oder Unfälle für eine Zuspitzung sorgten. »Das zeigt, es gibt auch ein Krisengeschehen auf dem Land«, erklärte der Gebietskoordinator für den Krisendienst in Südost-Oberbayern, Hermann Däweritz.

Bis 31. Mai rückten in 99 Fällen mobile Einsatzteams (bestehend aus zwei Fachkräften) aus, um die Hilfesuchenden zu unterstützen. Rund 80 Prozent der Fälle konnten die Einsatzteams telefonisch klären und deeskalieren. »Es kam zu keiner Zwangseinweisung«, so Däweritz.

Diesen gelungenen Auftakt nutzten die Beteiligten zur weiteren Verbesserung des Hilfsangebotes. Chefarzt Peter Zwanzger vom kbo-Inn-Salzach-Klinikum Wasserburg am Inn und Gebietskoordinator Däweritz unterzeichneten eine entsprechende Kooperationsvereinbarung. Sie sieht vor, dass Menschen in psychiatrischen Notlagen innerhalb von 24 Stunden einen ambulanten fachärztlichen Beratungstermin in einer wohnortnahen Psychiatrischen Institutsambulanz (PIA) erhalten. Damit ist die Praxis, die in den vergangenen Monaten bereits gelebt wurde, nun auch schriftlich fixiert.

Zahlreichen Menschen konnte geholfen werden

Seit dem Start des Krisendienstes im Südosten Oberbayerns haben bereits 15 Men-schen durch die regionale PIA ambulante ärztliche Hilfe erhalten. Laut Chefarzt Zwanzger ist diese frühe medizinische Beratung besonders wichtig. »Damit lässt sich meist vermeiden«, so der Psychiater, »dass sich eine seelische Erkrankung zuspitzt oder chronisch wird«. Er appellierte deshalb an die Betroffenen: »Warten Sie nicht zu lange. Je eher Sie sich Hilfe holen, desto besser.«

Der Bezirk Oberbayern finanziert den Krisendienst Psychiatrie mit rund 7,4 Millionen Euro pro Jahr. Derzeit baut er das Angebot in Zusammenarbeit mit der freien Wohlfahrtspflege auf. fb