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Jede Menge Waffen und 700 Patronen

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Traunstein – In seinem Haus bewahrte ein 45-jähriger Handwerker aus Traunstein ein ganzes Arsenal an Waffen, Waffenteilen und Munition auf. Der Besuch eines Finanzbeamten führte die Polizei auf seine Spur. Das Schöffengericht Traunstein mit Richter Wolfgang Ott verhängte gegen den voll geständigen Mann gestern eine zwölfmonatige Freiheitsstrafe, ausgesetzt auf zwei Jahre zur Bewährung.


Das Gericht ging von einem minderschweren Fall aus. Staatsanwalt Thomas Wüst hatte auf zwei Jahre mit Bewährung plädiert. Der Verteidiger, Roland Netzer aus Traunstein, hatte die schließlich vom Gericht ausgesprochene Strafe für ausreichend erachtet.

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Alles begann mit einem Finanzbeamten. Der entdeckte Mitte 2015 im Garten vor dem Haus eine Panzermine und verständigte die Polizei. Wie ein Beamter der Polizeiinspektion Traunstein vor Gericht berichtete, war die Panzermine nicht mehr bedrohlich: »Sie war mit Beton ausgegossen.«

In dem großen Haus jedoch wurden mehrere Suchtrupps in Abwesenheit des 45-Jährigen auf den ersten Blick fündig. Dazu der Polizeibeamte: »Alte Waffen lagen offen herum, dazu viel Munition.« Der Handwerker wurde telefonisch herbeigerufen, verhielt sich von Anbeginn an geständig und kooperativ.

Eine Maschinenpistole der US-Army, bis 1945 im Einsatz, zwei Selbstladepistolen, Verschlüsse, ein Lauf und knapp 700 Patronen verschiedener Kaliber waren verteilt im Haus, im Keller und in der Garage. Einige der Dinge waren in schlechtem Zustand, stark verrostet und nicht funktionsfähig. Andere waren besser über die Zeiten gekommen und nach etwas Waffenöl durch das Landeskriminalamt beziehungsweise durch das Polizeipräsidium Oberbayern-Süd voll oder zumindest eingeschränkt funktionstüchtig. Dazu der Traunsteiner Beamte: »Einiges war einfach Schrott. Das ließen wir gar nicht erst untersuchen.« Der Zeuge betonte, bei dem Waffennarren deute nichts auf einen extremen politischen Hintergrund hin.

In Abbruchhäusern auf dem Dachboden gefunden

Der 45-Jährige erläuterte dem Gericht, er habe vor der Jahrtausendwende alte Waffen in Abbruchhäusern auf dem Dachboden gefunden: »Das war kein Diebstahl. Wer von den Handwerkern was brauchen kann, nimmt es mit.« Dazu Richter Wolfgang Ott: »Das waren sozusagen herrenlose Waffen.« Der Traunsteiner bejahte: »Manchmal wurde auch damit herumgeballert.« Andere Teile habe er vergraben in der Kiesgrube Wolkersdorf und im Wald entdeckt, Munition in Österreich auf Flohmärkten erstanden – »möglicherweise von Salut-Karabinern stammend«. Er versicherte, mit keiner der Waffen jemals geschossen zu haben. Der Polizist informierte, vom Staat eingezogene Waffen würden eingeschmolzen. Daraus würden Eisenbahnschienen gegossen. Mit der Einziehung der Waffen und -teile erklärte sich der 35-Jährige einverstanden – mit einer Ausnahme: »Könnte die Maschinenpistole vielleicht in ein Museum kommen?«

Bei der rechtlichen Würdigung sprach Richter Ott von einem komplizierten Waffengesetz: »Kein Gesetzgeber auf der Welt – außer den Deutschen – wäre in der Lage, ein solches Gesetz zu produzieren.« Eine Maschinenpistole Thompson falle zwar aufgrund ihrer Herstellung vor 1945 nicht mehr unter das Kriegswaffenkontrollgesetz, aber als Vollautomat unter »verbotene Waffen«. Damit erhöhe sich die Mindeststrafe von sechs auf zwölf Monate.

Im Urteil begründete Ott einen minderschweren Fall mit dem bisher unbescholtenen Vorleben des 45-Jährigen, seinem Geständnis und seiner Kooperationsbereitschaft, keinen kriminellen Motiven, dem teils schlechten Zustand der Waffen und die Art, wie sie vor langer Zeit in Besitz des Angeklagten gekommen waren. Eine Geldstrafe sei jedoch nicht mehr angebracht. Der Handwerker sei »uneingeschränkt bewährungswürdig«, seine Sozialprognose günstig. Der Richter warnte den Traunsteiner, in der Bewährungszeit Straftaten, insbesondere mit Waffen, zu begehen. Die Antwort des 45-Jährigen lautete: »Das ist ganz klar.« kd